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1. Folge: Ein Pilot für jedes Wetter (von cessnaritter)
In
der Ferne erkannte der Pilot trotz des Schneetreibens die Umrisse der Bucht
von Good News Bay, die Lichter des Ortes und eine Meile östlich davon den
Flugplatz. Der Cessnaritter, so nannte man ihn im Ort, kaum einer kannte
seinen wahren Namen bis auf Dr. Paula Tracy, die Tierärztin und
Naturforscherin, die bald hier eintreffen würde. Sie hatten sich an Bord der
Werderania kennen gelernt, und auch wenn zwischen ihnen eine rein
freundschaftliche Beziehung bestand, mochte er die kluge, besonnene junge
Frau. Und da war ja auch noch der russische Arzt in Good News Bay, Dr. Few
Master, der schon ungeduldig auf sie wartete, was ja auch an Bord der
Werderania beschlossen worden war. Überhaupt war diese Reise sehr
schicksalhaft für alle gewesen. Auch er stammte aus Deutschland, doch das Leben in der alten Heimat war ihm verleidet worden und so hatte er nach einem unverhofften Zufall in Alaska beschlossen, seine Brücken nach Hause endgültig abzubrechen, seine kleine, liebe 20 Jahre alte Cessna 172 aus Deutschland zu holen und hier im hohen Norden ein neues Leben zu beginnen. Er hatte mehrere Wochen für den Transferflug gebraucht. Über die Britischen Inseln und Island hatte er Grönland erreicht. Dann folgte die gefährlichste Etappe aus fliegerischer Sicht, denn Grönland musste man ohne stopp-over überqueren. Da hieß es Sekt oder Selters. Auf dem Flug gab es dann den Point of no return, das heißt, eine Stelle, an der man sich definitiv entscheiden musste: Umkehren oder weiterfliegen! Das hing mit der Reichweite einer Cessna zusammen, verirrte man sich und musste notlanden wegen Treibstoffmangels, sah es schlecht aus auf Grönland.
Aber
er schaffte problemlos den ganzen Weg nach Alaska und nun schwebte er dem
kleinen Flugplatz entgegen, der ihm schon ganz vertraut war. Der Schneefall
hatte für einen Augenblick etwas nachgelassen und die Landung würde weniger
kompliziert werden als erwartet. Und seine kleine, tapfere Cessna war
sowieso ein zuverlässiges kleines Flugzeug.. Der Cessnaritter setzte die Landeklappen auf 10 Grad, dann hatte er auch schon den Platz erreicht, ging in den Queranflug, regelte die Klappen auf 20 Grad, lenkte dann über in den Endabflug, als er den Kirchturm von Good News passierte, korrigierte kurz den Kurs nach einem Blick auf seinen Kompass, nahm zwischendurch immer wieder die Nase der Maschine hoch, um nicht zu schnell zu werden und hielt dann schnurgerade passgerecht auf die Piste zu, die immerhin gut geräumt war, um sanft aufzusetzen. Während er an der, mit einer Lichterkette versehenen Tanne, die neben dem Tower stand, vorbeirollte in Richtung Hangar, wo er seine Cessna in den Hangar schieben würde, ließ er sich von Gunter die genaue Landezeit für sein Logbuch geben. "Sehen wir uns noch nachher bei Baby?" quäkte Gunters tiefe Stimme aus dem Lautsprecher. "Wahrscheinlich!" gab der Cessnaritter knapp zurück, eigentlich weniger begeistert.
Der
Tag war lang gewesen, er hatte Post nach Anchorage gebracht und wieder
welche mitgebracht. Und obwohl er leidenschaftlich gern flog, wollte er nun
eigentlich endlich mit der Eröffnung seiner Flugschule beginnen, aber noch
hatte sich niemand entschließen können. Dabei war es in diesem
dünnbesiedelten, aber weiten Land fast wichtiger, fliegen zu können als
autofahren. Aber da jeder Dollar zählte, war er vorerst für jeden Post-,
Fracht- oder auch Taxiflug dankbar. Und obwohl er H. G. Werderaner, den
Auftraggeber für die Postflüge, für einen arroganten Schnösel hielt, hielten
ihn gerade eben diese Aufträge über Wasser bzw. in seinem Falle in der Luft.
Seine Unabhängigkeit, die er hier in Alaska erreichen wollte, hing ganz von
einem geglückten Start ab. Und er hatte Pläne betreffend des Flugplatzes,
den Bau einer zweiten Start- und Landebahn. Er sah darin einen Vorteil für
die sicherlich entstehender heimische Industrie, aber auch für den
Tourismus, der Leute mit Geld heranbringen würde. Dies würde wiederum
Naturschutzprojekte ermöglichen. Doch die derzeitige einzige Autorität am
Ort war Sir Hilary, der Möchtegern-Sheriff , der sich noch uneinsichtig
zeigte. Aber bis zur Wahl eines Bürgermeisters und einer richtigen
Stadtverwaltung verging noch einige Zeit. Der Wahlkampf hatte gerade erst
begonnen. 2. Folge: Der Brief (von Baby Jane)
Während die tapferen Frauen in
der klirrenden Kälte die Schienen vom Schnee freischaufelten, spürte der
Schaffner in der Brusttasche seiner Uniform etwas knistern. Meine Güte, der
Brief! Er hatte vergessen, den Brief, den ihm der Postmeister am Bahnhof für
die Damen in Abteil 6 zu treuen Händen überreicht hatte. "Äh, Miss, Miss",
der Schaffner klopfte einer der schaufelnden und schwitzenden Schönen auf
die Schulter, "Post für Sie". Paula Tracy nahm den Brief entgegen, riss das
Kuvert auf und begann laut vorzulesen: Im einzigen Drug Store in Goodnews Bay gibt es keine Haarkur zu kaufen (bitte richtet Helli aus, sie soll drei Dosen mitbringen), das Toilettenpapier ist kratzig und der Ladenbesitzer versteht das Wort "Kontaktlinsenreinigungsmittel" nicht.
Bitte kommt bald, ich vermisse euch alle. 3. Folge: Ohne Bier bleib ich nicht hier (von cessnaritter) Als er die Tür öffnete, sah der Cessnaritter, dass er sich geirrt hatte. Von Weihnachtslaune war nichts zu spüren. Immer noch herrschte das gleiche Chaos wie vor drei Tagen, als die neue Besitzerin mit ihrer Mannschaft angekommen war. Dabei hatte er sich so auf ein bis zwei Feierabendbiere gefreut. Aber danach sah es auch heute noch nicht aus. Warum musste die alte gemütliche Bude auch unbedingt umgebaut werden? Die einfachen Holzbänke und die Theke aus alten Brettern hatten es auch bisher getan. Bei den rauen Gestalten hier im Norden war es bisher gar nicht notwendig gewesen, eine schicke Kneipe zu führen, aber nun sollten neben den bisherigen Vergnügungen wie "alte Schlager grölen" und einfach was trinken ganz seltsame Dinge hinzukommen. Das hatte er vorgestern von der neuen Besitzerin erfahren. Das ganze Haus wurde erweitert, ein Filmionärsquiz sollte eingerichtet werden (auch wenn er noch nicht so richtig wusste, was das sein sollte) und die Krone des Ganzen war eine Art Wiener Caféhaus mit Sachertorte, Mokka, Einspännern und wie diese seltsamen Wiener Kaffeekreationen alle hießen. Er hatte gewiss nichts gegen Gemütlichkeit und Sauberkeit einzuwenden und einen gewissen Standard erwartete auch er, aber bisher war die alte Spelunke für ein, zwei Bieren und einem netten Gespräch unter Männern gut genug gewesen. nun aber schienen unzählige Weiber... äh, er verbesserte sich in Gedanken... Damen hier Einzug zu halten, und er war sich noch nicht schlüssig, ob sie nicht zu viel weibliche Note in die alte Holzfällerkneipe brachten. Der einzige Trost war, dass er die meisten schon von der Schiffsreise her kannte.
Er
bahnte sich seinen Weg durch das wilde treiben der Handwerker und traf auf
Baby Jane, die mit zitternden Händen und klappernden Zähnen versuchte, die
Arbeiten zu überwachen. Plötzlich hörten sie aus dem hinteren Teil des
Raumes einen Freudenschrei und der Yeti-Klaus vollführte dazu eine Art
Siegestanz, jodelte dabei wie ein Irrer, sprang auf Baby zu, umarmte sie und
wirbelte sie herum. "Nun ja, immerhin wird's jetzt gemütlich warm bei Euch! Aber Bier gibts wohl heute keines mehr?" sagte er mit fragendem Gesichtsausdruck. Baby schüttelte nur den Kopf und Yeti seufzte. "Nein, leider immer noch nicht, keine Getränke im Haus, nur Wasser!" "Dann muss ich wohl nach nebenan in den Drugstore zu dieser Hannelore, um mir einen Sechserpack zu holen!" sagte Cessnaritter voller Enttäuschung, denn dort gab es nur amerikanisches Bier, das er gar nicht mochte, obwohl es sicherlich noch besser war, als das, was die Amerikaner demnächst als Wein verkaufen wollten, so ein gepantschtes Zeug mit allerlei Zusätzen und in den abenteuerlichsten Geschmacksrichtungen. "Nun, wie dem auch sei! Ich hoffe aber beim nächsten Mal!" sagte er, winkte mit der Hand in die Runde zum Abschied und verließ die Baustelle. |