10. Folge: Notlandung und Katenrauchwurst (von Scarlet)

Beruhigt nahm er nun Kurs nach Hause...

… als plötzlich die Maschine stotterte. Was war denn jetzt los? Hatte er womöglich zu wenig getankt? Routinemäßig überprüfte er alle Anzeigen und ging genau nach Handbuch vor, so wie er das in der Flugschule in Berlin gelernt hatte. Ja wirklich, es dürfte zu wenig Treibstoff an Bord sein. Er wollte nichts riskieren und so beschloss er, umgehend eine Notlandung vorzunehmen. Am besten würde es wohl vor der Kurve sein, wo auch der Zug stand, dort war eine schöne große, freie Fläche, wo er die Landung ohne Gefahr durchführen konnte. Schnell setzte er sich mit der Flight Control in Verbindung und gab einen Funkspruch durch, der Kontrollstützpunkt gab dem Cessnaritter freie Hand. Jetzt meldete sich auch Gunter Gabriel, der alles mitgehört hatte: "Was ist denn los Boss?" Doch der Cessnaritter hatte jetzt keine Zeit, diesem untalentierten Fluglotsen Details zu erklären. Er hatte nämlich diesen Amateur im Verdacht, an den Anzeigen der Zapfsäulen etwas verstellt zu haben. Schon im Sinkflug überflog er ein Menschengrüppchen und irgendetwas blendete ihn. Moment, das waren drei Männer und ein Hund! Ein Hund? Ein Hund. Das mussten Kaschi, Fewie und noch jemand sein. Beinahe hätte der Cessnaritter einen Baumwipfel gestreift, weil ihn etwas Blinkendes, Silbriges ständig blendete. Womit wackelte dieser Typ da unten dauernd herum, verdammt noch mal!

Kaschi, der das leere, glänzende Bifi-Papier in der Hand hielt, war der erste, der die Maschine des Cessnaritters erkannte. Aufgeregt winkte er, das Papier in der Hand: "Das ist Cessna, Cessna, er hat uns gefunden! Sicher will er uns abholen! Cessna! Cessna! Hier sind wir! Himmel! Was tut er denn jetzt!? Der Baum! Das ist doch viel zu knapp!!!" Doch da war die kleine Cessna schon wieder aus ihrem Blickfeld verschwunden. "Der wird wohl da hinten landen und auf uns warten", meinte der Doktor, "kommt, wir gehen in die Richtung."

Klappernd setzte die Cessna entlang der Bahngleise auf einer Waldlichtung auf, erschrocken drehten sich die Frauen, die vor dem Zug in der Sonne standen, um. Sie hatten nichts von dem Flugzeug gehört, da die Motoren abgeschaltet waren und sich die Maschine bereits im Gleitflug näherte. Neugierig beobachteten sie den verwegenen Flieger, der fluchend aus der Cessna kletterte "Verdammter Mist, dieser Gabriel, zu blöd, ordentlich aufzutanken! Klar, in der Kneipe klappt es immer mit dem tanken, aber wehe ich bitte ihn einmal auf das Flugzeug zu achten. Ich muss mich am besten um alles selbst kümmern. Aber er: 'Hey Boss, ich brauch mehr Geld', ja das kann er! Soll er mal etwas arbeiten, dann bekommt er auch mehr Geld!!!" Schnell nahm er ein Foto aus dem Flugzeug, das über den Instrumenten hing und steckte es in seine linke Brusttasche. Jetzt drehte er sich um und bemerkte die drei Frauen, die ihn anstarrten und dann zu lachen begannen, als sie sein entsetztes Gesicht sahen.

Als die drei Abenteurer den Gipfel des Hügels erklommen hatten, sahen sie auf der Waldlichtung, gleich neben der Bahnstrecke die Cessna stehen, auf den Schienen stand ein Zug und hinter dem Zug, standen ein paar Leute. Als die drei Männer näher kamen, erkannten sie nicht nur den Cessnaritter, sondern auch Kat, Scarlet und Paula. Der Doktor riss sich seine Tennisschläger von den Füßen und rannte auf die Damen zu – das heißt, eigentlich auf eine von ihnen, nämlich auf seine mehr-oder-weniger-Verlobte Paula, ein paar mal versank er auch im tiefen Schnee. Auch Paula rannte Few Master entgegen, als sie ihn über den Hügel kommen sah. "Fewie!" "Paula!" Die beiden umarmten sich, und die anderen standen in einiger Entfernung und beobachteten die Szene. "Ach wie süß! Und dabei tut sie immer so gleichgültig, wenn sie vom Doktor spricht! Dabei vermisst sie ihn ja doch!", seufzte Scarlet. Im gleichen Moment raunte Kaschi seinem Begleiter zu: "Und dabei hat er mir noch gestern erklärt, dass sie gewaltig nerven kann! Ja ja, er kann nicht mit ihr, aber noch weniger ohne sie!" Langsam kamen jetzt auch die beiden Männer zum Zug und begrüßten die anderen Damen. Der Husky sprang schwanzwedelnd um das Grüppchen, misstrauisch beobachtet von einem der Herren…

"Hey, Cessna, sag hast Du uns denn nicht gesehen, ich hab Dir doch dauernd gewunken, als du uns überflogen hast. Siehst Du, so!" Wieder schwenkte er das glänzende Salami-Papier. "Verdammt, Kaschi! Ich hätte beinahe meine Cessna in den Sand, ich meine in den Schnee gesetzt, wegen diesem sch*** Papier! Es hat mich geblendet, sodass ich beinahe einen Baum übersehen hätte!" "Siehst Du, Fewie, was ich immer sage! Dieses blöde Zeug, von dem man eh nicht satt wird, was noch dazu so künstlich schmeckt, mit dem man nur Unmengen an Müll produziert! Hätten wir meine Katenrauchwurst eingepackt, wäre das alles nicht passiert!"

"
Und was machen wir jetzt?", fragte der Cessnaritter. "Das Flugzeug muss ich hier stehen lassen, der Zug kann auch nicht weiter, da vorne sind die Schienen verschüttet… Es kann nicht mehr weit sein, wenn wir zu Fuß gehen, müssten wir morgen in Goodnews Bay sein. Ich bin jetzt vier Tage unterwegs und gestern habe ich von einem Baum aus schon die Stadt gesehen, bevor ich dann von dem Baum … aber egal." - Kurz wurde beratschlagt, ob man es wagen sollte, den weiten Fußmarsch anzutreten. "Das Wetter wird so bleiben, wie es jetzt ist, ruhig und ohne Schneefall, also könnten wir es schaffen", meinte der Cessnaritter, der immer die seriösesten Wettervorhersagen von der Flight Control in Anchorage bekam, nicht solche halblustigen "Wird es weiße Weihnachten geben"– Ansagen. Aber so etwas war in Alaska ohnehin überflüssig zu hinterfragen.

Man beschloss also Richtung Goodnews Bay aufzubrechen, jedoch wollten sich die Damen zuvor noch ihre wärmsten Kleidungsstücke und Schuhe aus dem Gepäcksabteil holen und so baten sie den Zugsschaffner, ihnen dieses aufzusperren. Widerwillig kam er ihren Wünschen nach, schlurfte zum Gepäckabteil und schloss es auf und staunten nicht schlecht, was – oder besser gesagt, WEN sie dort vorfanden!

 

11. Folge: Überraschung im Gepäcksabteil (von Scarlet)

Im Gepäcksabteil saß in viele Wolldecken gehüllt Marjorie und schlief! "Marjorie! Was machst denn Du hier?" rief Scarlet, sprang in das Abteil und rüttelte die Schlafende wach. "Wie kommst Du denn hierher und wieso bist Du hier drinnen? Wieso bist Du überhaupt da?" Marjorie, die schlagartig wach war, unterbrach die Lawine von Fragen und erklärte, wie alles gekommen war:

"Ich hatte doch in Wien noch etwas mit Albert – Fortell – ihr wisst schon, zu klären. Das ist jetzt alles erledigt. Und nachdem das alles geklärt war, wollte ich so schnell wie möglich zu…. zu euch nach Goodnews Bay. Ich bin hergeflogen und bin in Anchorage gelandet. Ganz knapp habe ich dann noch den Zug am Bahnhof erreicht. Aber am Bahnsteig fand ich niemanden mehr, der mir mit den Koffern helfen konnte, da der Zug schon abgefertigt war und nur mehr auf das Abfahrtssignal gewartet hat und so habe ich mein Gepäck selber hier hereingeschleppt. Gerade, als ich den Koffer dort hinten hinstellte, ging die Türe von außen zu und wurde versperrt. Zum Glück hatte ich meinen Proviant bei mir, also verhungern würde ich nicht, dachte ich mir. Aber ich war so müde, ich war fix und fertig nach dem Flug, Jet-lag - ich habe nichts mitbekommen! Wo sind wir denn? Sind wir schon da?"

Scarlet, Paula und Kat berichteten kurz und knapp, was vorgefallen war und als Marjorie hörte, dass der Cessnaritter draußen wartete, war sie nicht mehr zu bremsen: "Los Mädels, schnell, schnell, packt eure Siebensachen und schaut, dass wir weiterkommen!“

Schnell suchten sie also ihre warme Winterausrüstung, die Decken, und machten sich auf den Weg. Der Cessnaritter staunte nicht schlecht, als seine Marjorie aus dem Zugsabteil sprang. Die beiden begrüßten sich mit einer stürmischen Umarmung und der Cessnaritter wirbelte sie durch die Luft. "Mein Stern, wie ich Dich vermisst habe! Für mich ist heute schon Weihnachten! Du bist die schönste und beste Überraschung! Es ist ja direkt ein Glück, dass ich mit der Cessna genau hier notlanden musste!!"

Fröhlich und gut gelaunt machten sich alle auf den Weg nach Goodnews Bay: händchenhaltend der Doktor und die Tierärztin, eng umschlungen der Cessnaritter und Marjorie, schwanzwedelnd der Husky, tratschend Scarlet und Kat, beleidigt der eine, den Kaschi jetzt schon wieder Butermacher genannt hatte, und zurück blieb ein kopfschüttelnder Zugsschaffner …

 

12. Folge: Winter Wonderland (von Scarlet)

Als die Gruppe die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, hörte Kaschi, der ganz hinten ging, ein seltsames Geräusch aus der Ferne, auch der Hund wurde plötzlich ganz unruhig und jaulte leise. Das Geräusch wurde immer lauter und kam ziemlich rasch immer näher. Die Gruppe blieb stehen, was konnte das bloß sein? Der Hund wurde immer unruhiger und rannte aufgeregt hin und her, als plötzlich ein Schlitten, gezogen von 14 Huskies, über die Kuppe des Hügels kam. Der Schlitten war beladen mit etlichen Fässern und auch mit einigen Kisten, und geführt wurde dieser Schlitten von einem jungen Mann, der zwar wie ein Inuit gekleidet war, aber nicht wie ein solcher aussah. Mit einem einzigen Kommando brachte der junge Mann die Hunde zum Stehen. Lassie rannte zu ihm hin, umkreiste dann die anderen Hunde, rannte wieder zu dem Mann und sprang an ihm hoch. Ein Wort von ihm genügte und das Tier beruhigte sich. Der mysteriöse Fremde stieg von seinem Schlitten und kam auf die Gruppe zu.

Cessnaritter vermutete sofort, dass es sich hier um den jungen Schamanen handeln musste, von dem Baby Jane gestern gesprochen hatte, er sollte doch das Bier-Problem lösen. Irgendetwas mit verhexen und so. Aber wenn er den Schlitten so ansah, glaube Cessna nicht wirklich daran, das der "Schamane" irgendjemanden verhexen würde, er würde das Problem wohl anders lösen, so wie es aussah. "Du musst wohl Spacefalcon sein?" ging Cessna auf ihn zu, "ich bin Cessna, das sind meine Freunde und wir sind auf dem Weg nach Goodnews Bay. Der Zug ist stecken geblieben und auch mein Flugzeug hat eine Panne." "Ich weiß", entgegnete ruhig Spacefalcon, "ich bin daran vorbeigefahren. Ihr könnt mit mir mitfahren, wenn ihr wollt, ich habe genügend Platz auf meinem Schlitten. Ich bin auch auf dem Weg nach Goodnews Bay. Ich habe dort etwas abzuliefern." Er deutete auf die vielen Fässer. - Bei diesem Angebot mussten die Freunde nicht lange überlegen, schnell begaben sie sich auf den Schlitten. Nicht alle konnten sitzen, einige mussten ganz hinten stehen, aber das machte nichts, denn wie sagte Kaschi so treffend: "Besser schlecht auf dem Schlitten stehen als gut durch den Wald latschen!" Und so fuhr der Schlitten auf Spacefalcons Kommando wieder los. An der Spitze der Hunde lief Lassie, die Spacefalcon vor einiger Zeit entlaufen war. Aber so etwas passierte hin und wieder, da er seine Hunde nicht einsperrte. Von Zeit zu Zeit lief einer weg, aber sie kamen alle wieder zu ihm zurück.

So fuhr der reichlich beladene Hundeschlitten durch die beschauliche Winterlandschaft, leise klingelten die Glöckchen, die die Hunde an ihrem Geschirr trugen, es war richtig stimmungsvoll. Eng aneinandergekuschelt genossen Paula und Fewie diese Schlittenfahrt. Auch dem Cessnaritter und vor allem Marjorie schien es sehr gut zu gefallen, denn sie begann plötzlich zu singen:

Sleigh bells ring, are you listening,
In the lane, snow is glistening
A beautiful sight,
We're happy tonight.
Walking in a winter wonderland.

Gone away is the bluebird,
Here to stay is a new bird
He sings a love song,
As we go along,
Walking in a winter wonderland.

In the meadow we can build a snowman,
Then pretend that he is Parson Brown

He'll say: Are you married?
We'll say: No man,
But you can do the job
When you're in town.

Later on, we'll conspire,
As we dream by the fire
To face unafraid,
The plans that we've made,
Walking in a winter wonderland.

In the meadow we can build a snowman,
And pretend that he's a circus clown
We'll have lots of fun with mister snowman,
Until the other kids knock him down.


When it snows, ain't it thrilling,
Though your nose gets a chilling
We'll frolic and play, the Eskimo way,
Walking in a winter wonderland.

Das klang so schön, dass alle anderen nach und nach einstimmten, sie sangen und sangen und merkten gar nicht, dass sie beinahe schon ihr Ziel erreicht hatten.

Am Hauptplatz von Goodnews Bay hatten sich gerade alle versammelt, da Pater Bug zu einer vorweihnachtlichen Messe geladen hatte, als das Glöckchengeklingel des Schlittens und der Gesang der Passagiere immer deutlicher zu hören war. Erwartungsvoll blickten alle Anwesenden in die Richtung, aus der das Geräusch kam, als plötzlich der Hundeschlitten um die Ecke bog. Das Durcheinander, aber auch die Freude über das unerwartete Wiedersehen war unbeschreiblich! Alle umarmten einander und es gab so viele Fragen zu beantworten! Wo wart ihr so lange? Wieso bist Du hier? Wer ist denn das? Wo habt ihr den denn gefunden? Habt ihr genügend Kontaktlinsenreinigungsmittel mit?" - Ein gellender "JAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!!"- Schrei ließ alle augenblicklich verstummen. Alle drehten zu dem um, der da soeben diesen Brüller losgelassen hatte. Es war Reggae-Gandalf, der junge Mann, der die Pension leitete. Er hatte soeben die Ladung auf dem Schlitten entdeckt. Die Fässer! "Das sind ja mindestens, wenn nicht sogar mehr Bierfässer!!!! Weihnachten ist gerettet! Es gibt Bier!", rief er überglücklich. "Bier? Wo?" hörte man eine Stimme von ganz hinten, und Thorax drängte sich durch die Reihen. "Ich erkläre den Bierstreik hiermit für beendet!", rief er angesichts der vielen Fässer in die Menge. Erleichtert seufzte Baby Jane. "Na Gott sei Dank! Ich hab ja gleich gewusst, jetzt kann uns nur mehr dieser Spacefalcon retten!"

"Würdet ihr jetzt alle in die Kirche kommen", ließ sich Pater Bug vernehmen, "da drinnen ist es nämlich angenehm warm, ich hab schon den ganzen Tag geheizt!" Nach und nach betraten alle das Gotteshaus, das Pater Bug mit seinen Helfern wirklich schön weihnachtlich geschmückt hatte. Sogar einen Christbaum hatte er aufgestellt! Mit echten Kerzen! Es sah wirklich alles sehr festlich aus. Und obwohl, oder gerade, weil nur alles recht notdürftig und behelfsmäßig dekoriert war, war es umso schöner. Und allen, die sich hier in diesem Raum befanden, war klar, dass es nicht viel brauchte um ein schönes Weihnachtsfest zu feiern, Hauptsache, man hatte liebe Menschen um sich! Man wünschte sich gegenseitig frohe Weihnachten und gemeinsam sang man "Stille Nacht".

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