17. Folge: Geschäftiges Treiben (von cessnaritter)

In aller Herrgottsfrühe am Weihnachtsmorgen hatte der Cessnaritter einen Hundeschlitten organisiert, sich Kaschi geschnappt und aus dem Hangar die Kufen für seine Cessna eingeladen, die vor kurzem aus Seattle eingetroffen waren. Im Winter schienen sie zweckmäßiger als Räder zu sein. Dann hievten sie noch ein 50l-Faß Flugbenzin in den Schlitten, setzten Gunter hinten drauf und ab ging die Fahrt. - Sie erreichten bald die Stelle, wo die Cessna noch immer neben den Gleisen zum Stillstand gekommen war. Schnell war alles bereit und Gunter und der Cessnaritter hoben erst die linke Tragfläche an, so dass der linke Reifen in der Luft schwebte, Dann wurde die andere Seite des Flugzeugs angehoben, damit Kaschi auch hier die Montage der Kufen durchführen konnte. Für Kaschi, den versierten Praktiker in allen technischen Dingen, kein Problem. Nach kaum einer Viertelstunde stand das kleine Flugzeug sicher auf Kufen. Dann tankten sie noch auf, schickten Gunter mit dem Schlitten zurück und machten die Cessna startklar. Der Cessnaritter prüfte, ob die Klappen sich bewegten, ob das Höhenruder und die Steuerruder gängig waren, führte die sonstigen üblichen Kontrollen los, dann startete er den Motor und rief die Flugkontrolle in Anchorage, um sich für den Radarschirm anzumelden. - Wenige Minuten später war die Delta Echo Golf Mike Foxtrott in der Luft, Kurs 270 Grad nach Anchorage. Spontan hatten die beiden beschlossen, noch einmal eine Ration Bier einzukaufen, damit sie wenigstens zur Silvesterfeier keine trockenen Kehlen haben mussten. Mittags war dann alles erledigt, sie stiegen wieder in das nun voll beladene Flugzeug und steuerten ohne Umwege Good News Bay und den Flugplatz Beaver Falls an.

Im Ort selbst war man auch nicht untätig gewesen. In der Kirche wurde ein weiterer Weihnachtsgottesdienst abgehalten, der wieder großen Zulauf fand. Baby Jane hatte spontan beschlossen, "ihr" Fritzchen gleich taufen zu lassen. Sie wusste zwar nicht, ob er nicht schon getauft war, aber sie dachte sich, 'doppelt genäht hält besser'. Außerdem war das kleine Würmchen sichtlich erst ein paar Tage alt, es hatte bestimmt noch nicht den Segen der Kirche erhalten. Zudem wollte sie damit auch ganz deutlich im Ort klar machen, wer sich um das Baby kümmern würde, kurz: jeder sollte begreifen, Fritzchen gehörte ihr.

Ona war begeistert von dieser Idee, holte aus ihrem Koffer eine weiße Spitzenmantilla, die sie aus ihrer spanischen Heimat als Erbstück ihrer Großmutter Dolores mitgebracht hatte und nähte mit ein paar Handgriffen daraus ein Taufkleidchen für Fritzchen. Jedenfalls würde Fritzchen dann bei Baby Jane bleiben und damit auch bei ihr. Sie fühlte sich auch schon gleich fast als Mutter, zumindest aber sah sie sich gleich in ihrer Rolle als Tante Ona. "Wenn ich nur wüßte, wem Du ähnlich siehst..." murmelte sie während ihrer Näharbeit, als sie das Kindchen betrachtete.

Der Yeti-Klaus ging inzwischen auf die Straße und begrüßte jeden Passanten mit Handschlag und sagte: "Guten Tag, ich bin ihr künftiger Bürgermeister! Am 15. Januar ist die Wahl!" Über der linken Schulter trug er eine große Umhängetasche, aus der er jedes Mal, wenn er jemandem die Hand schüttelte, eine Flasche Bier zog und sie großzügig verschenkte. Wenn das Baby sehen würde, dachte er. Wo wir doch schon so knapp mit Bier sind, aber der Zweck heiligt die Mittel. Wenn ich erst einmal Bürgermeister bin, gibt es bei uns Bier in Hülle und Fülle.

Während alle beschäftigt waren, schlief der Fremde immer noch seine Erschöpfung aus. Am frühen Nachmittag erwachte er endlich, noch etwas steif in den Armen und Beinen, aber durchaus erfrischt. Er nahm ein heißes Bad, rasierte sich und kleidete sich an. Man hatte ihm komplett frische Sachen hingelegt, seine alten Kleider waren zum Teil stark verschmutzt und zerrissen gewesen. Nun sah er ordentlich aus und hatte großen Hunger.

Nebenan hatte gerade das Good News Baby's seine Türen geöffnet, und er schritt kraftvoll hinein. Ona, die gerade einem Gast einen Teller mit Wiener Schnitzel servierte, blickte wie versteinert zu Tür. Sie wusste doch, dass sie den Mann schon irgendwo gesehen hatte.
"Der....D-d-d-der.....der Kaiser!" stammelte sie nur und ließ beinahe das Schnitzel fallen.

Welchen Kaiser hat Ona erkannt? War es Beckenbauer? Oder war es Roland Kaiser? Oder Kaiser Franz-Joseph von Österreich? Bleiben Sie dran, es bleibt wie immer spannend!

 

18. Folge: Silvestervorbereitungen (von Paula Tracy)

"Ona, willst Du mir nicht endlich sagen, wen Du geglaubt hast zu erkennen am Weihnachtstag?" fragte Baby Jane die Köchin am Silvestermorgen. Ona zuckte die Schultern und lachte. "Keine Ahnung – ich war wohl etwas verwirrt." "Wie wir alle", meinte Baby Jane. "Es ist ja auch soviel passiert in den letzten Tagen! Klaus will Bürgermeister werden, und wir Frauen haben es nicht geschafft, eine Gegenkandidatin auf die Beine zu stellen! Wir müssen unbedingt morgen Mittag beim Neujahrsbrunch jemanden präsentieren können, sonst findet der Wahlkampf zwischen Klaus und Hilary statt..." "Sir Hilary?" fragte Ona entsetzt und ließ das Spültuch ins Abwaschwasser fallen. "Der will auch Bürgermeister werden? Nicht Sheriff?" "Für das Sheriffamt hat er Kaschi vorgeschlagen", sagte Baby Jane. "Das ist noch nicht mal eine schlechte Wahl, aber wenn er die Brauerei und die Cessna technisch betreuen soll, hat er dafür gar keine Zeit. Ich wäre dafür, dass wir einen Mechaniker oder Ingenieur einstellen, der ein ähnliches Know-how hat wie Kaschi – oder vielleicht sogar auf Brauereien oder Flugzeuge spezialisiert ist. Dann könnte Kaschi Sheriff werden." "Und Sir Hilary soll Bürgermeister werden?" fragte Ona wieder. "Wissen die anderen Frauen das schon?" "Nein", grinste Baby Jane. "Das ist mein Trumpf. Ich hoffe sehr, wenn sie erfahren, wer Gegenkandidat ist für Klaus, dass sich dann doch eine aufstellen lässt."

"Was? Ich soll Sheriff werden?" Kaschi war unbemerkt in die Küche gekommen. "Nee, Leute – vergesst das mal ganz schnell. Das soll unser Sir hübsch weiter machen." Er klaute Ona eine Schinkenscheibe vom Brötchen, und diese schlug nach ihm. "Was ist mit dem Neuankömmling? Vielleicht will der ja Sheriff werden, wenn Ihr schon partout gegen Hilary seid?" "Wir sind nicht gegen Hilary als Sheriff", antwortete Baby Jane. "Aber ein Gegengewicht – als Deputy – wäre nicht schlecht. Hilary sieht manches ein wenig... na ja, einseitig." "Da gibt’s mehrere", grinste Kaschi. "Hm Ona, das schmeckt gut – was gibt’s denn heute Abend?" "Lass Dich überraschen!" Jetzt schlug ihm auch noch Baby Jane auf die Finger. "Ona, das Fleisch bitte sehr reichlich bemessen. Mindestens vier oder fünf Portionen mehr." Ona sah erstaunt auf. "Wieso denn das? Ich habe schon alles aus dem Eishaus geholt..." "Dann gehst Du eben noch einmal..." lächelte Baby Jane. "Stell Dir mal vor, es reicht nicht – was sollen unsere Gäste sagen?" "Wir haben doch heute Abend geschlossene Gesellschaft", murrte Ona. "Es kommt also niemand zusätzlich. Ich bemesse immer reichlich. Ich habe sogar zwei Portionen für diesen Gunter eingeplant." Baby Jane sagte nichts mehr, obwohl es schon hart für sie war, das Geheimnis, dass heute, am Spätnachmittag, Falk Rickmers und die drei jungen Forenmanager eintreffen würden, zu bewahren. Aber sie hatte es Yeti-Klaus versprochen! "Ich muss mal nach Fritzchen sehen", meinte sie stattdessen, wischte sich die Hände ab und eilte aus der Küche. Ona und Kaschi sahen ihr lächelnd nach. Ja, Fritzchen hatte es wirklich gut getroffen.

"Wann willst Du eigentlich wieder abreisen?" fragte Kat ihren Freund, mit dem sie gemeinsam frühstückte. "Musst Du nicht bald wieder abreisen?" Der schüttelte den Kopf. "Die ersten beiden Januar-Wochen habe ich noch Urlaub. Ich überlege überhaupt... ob ich nicht hier bleiben soll. Es gefällt mir hier. Ein wenig kalt zwar, aber irgendwie nett." Kat sah ihn misstrauisch an. "Da steckt doch was dahinter, Heinz!" "Nö", sagte Heinz. "Da steckt gar nichts dahinter. Ich fühl' mich hier einfach gut aufgehoben, das ist alles. Und nützlich machen könnte ich mich vielleicht auch. Zum Beispiel Eure ständig streikenden Brauereiarbeiter zum Arbeiten bringen. Oder beim Aufbau des Krankenhauses helfen. Oder Gunter Gabriel zum Comeback verhelfen... Oder Sheriff werden. Oder Bürgermeister..." Er lachte. "Es gibt so viele Möglichkeiten. Die hat man in Deutschland doch gar nicht." "Was ist mit Fritzchen?" fragte Kat. "Du hast wirklich nichts mit diesem Kind zu tun?" "Nein, wenn ich's Dir doch sage!" rief Heinz. "Warum will mir das keiner glauben?" "Das Kind wurde mir in Anchorage in den Arm gedrückt, als ich sagte, wo ich hin wollte. Man meinte, es müsse zu seiner Mutter. Oder zu seinem Vater. Das weiß ich eben nicht mehr. Und der oder die wäre hier in Good News Bay. Bist Du wirklich sicher, dass keine von Euch schwanger war?" "Absolut", sagte Kat. "Das hätten wir doch bemerkt. Gut – einige von uns haben sich zwei Monate nicht gesehen, aber so eine Schwangerschaft im siebten Monat wäre aufgefallen. Meine Güte Heinz, wieso merkst Du Dir auch nicht, was man Dir sagt? Du musst doch wissen, ob man Mutter oder Vater gesagt hat!" "Ich kann Heinz verstehen", sagte die Gräfin, die sich unaufgefordert zu ihnen setzte. Heinz lächelte ihr zu. "In der Aufregung passiert so was schon mal. Stell Dir mal vor, Kat, Dir würde ein Kind in den Arm gedrückt – ein süßes kleines neugeborenes Kind... Würdest Du dann noch darauf hören, was derjenige zu Dir sagt?" "Genau so war es", sagte Heinz. "Gräfin, Sie verstehen mich immer so gut. Irgendwie habe ich das Gefühl, wir sind seelenverwandt."

Kat verdrehte die Augen. Die beiden sülzten sich schon seit Tagen so an, fand sie. Dabei wollte er doch sie besuchen! Sie hatte sich so gefreut, ihren alten Jugendfreund Heinz wieder zu sehen, der plötzlich hier aufgetaucht war. Seit der Abreise mit der Werderania vor fast drei Monaten hatten sie sich nicht mehr gesehen, und auch da nur kurz. Als sie ihm geschrieben hatte, sie wollte nach Alaska, hatte er zwar seinen Besuch angekündigt, aber so schnell hatte sie nicht mit ihm gerechnet. Und nun flirtete er ständig mit der Gräfin. Dabei war die doch verheiratet. Aber wo zum Teufel war ihr Ehemann? Sie musste das unbedingt herausfinden – und wenn es nur wegen Heinz war, der nicht enttäuscht werden durfte! Sie stand auf und überlegte. Wer konnte den Grafen ausfindig machen? Wer ein wenig Detektivarbeit leisten, ohne dass man es merkte? Baby Jane? Nein, viel zu beschäftigt mit Fritzchen. Scarlet? Ja, vielleicht – obwohl... Viel zu beschäftigt, den aufgebrachten Werderaner zu beruhigen, der sich ständig über die Streiks der Bier..., äh, Bauarbeiter aufregte. Paula? Nee – die bildete sich ein, Xhosa bei der Inneneinrichtung beraten zu müssen und quatschte der in alles rein. Der Doktor? Nein – auf Grund der Vorgeschichte etwas unpassend. Tom? Hatte zwar viel zu tun, aber... Niemand wäre Tom gegenüber misstrauisch. Kat straffte sich. Genau, Tom musste ihr helfen. War es nicht seine Aufgabe, als Städteplaner in alle Wohnungen reinzuschauen? Wahrscheinlich nicht. Aber das wusste Helli ja nicht. Kat griff nach ihrem lila Daunenmantel, warf Helli und Heinz noch einen kurzen Gruß zu und ging hinüber in die kleine Hütte, wo sich Tom und Xhosa ein Büro eingerichtet hatten.

Würde es dem jungen Städteplaner Tom gelingen, den Grafen zu finden? Würde Heinz in Goodnews Bay bleiben? Und wer war Fritzchens Mutter - oder sein Vater? Würde das Essen reichen für alle? Würde die Überraschung für Kat und Det gelingen? Oder kam mal wieder etwas dazwischen? Lassen Sie sich überraschen, denn bald geht es weiter. Wann? Auch das ist eine Überraschung...

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