... und die Ausbildung eines echten tvforen-Kindes!

20. Folge: Der Morgen danach (von Paula Tracy)

Reggae-Gandalf stöhnte. Meine Güte, warum standen sogar am Neujahrstag die Presslufthämmer nicht still? War da ein wenig Rücksicht nicht angebracht? Na, denen würde er jetzt aber was erzählen. Schwungvoll wollte er aus dem Bett, doch... Oh nein, sein Kopf platzte fast. Und diese Presslufthämmer wollten nicht ruhig sein. Vorsichtig ließ er sich wieder auf den Bettrand sinken und schaute zum Fenster. Nach dem Stand der Sonne musste es schon Nachmittag sein. Meine Güte, diese Versammlung! Wann war die noch mal?

Er stupste Willi an, der neben ihm im Bett lag. Dann wurde ihm erst das Ausmaß dieser Tatsache klar – was machte Willi in seinem Bett? Oh nein. Nein, das konnte nicht sein. Nein, in keinem Fall. Oder? Nein. "Hey, stell doch mal diesen Presslufthammer ab", wimmerte Willi. Er blinzelte, sah Gandalf und schrie: "Was machst du denn hier?" "Ruhig, ruhig", beruhigte Gandalf. "Wir sind wahrscheinlich nur nebeneinander eingeschlafen. War ein sehr feuchtfröhlicher Abend gestern. Frohes neues Jahr übrigens."

Er ging vorsichtig zum Nachttisch und ließ aus dem großen Keramikkrug Wasser in die Waschschüssel laufen. Er tauchte einen Lappen ein und hielt ihn sich an die Stirn. Langsam – oh ganz langsam – kamen die Erinnerungen zurück. Erleichtert stellte er fest, dass Willi und er wohl tatsächlich nur im gleichen Zimmer eingeschlafen waren. Und dass auf dem Läufer – wie tot – der Gewerkschafter lag, den offenbar keine Presslufthämmer der Welt zu stören schienen und auch Willis Geschrei nicht. "Wir haben bis zum frühen Morgen gezecht", sagte Gandalf. "Ich gehe mal runter zu Baby, ich brauche dringend ein Aspirin. Soll ich Dir eins mitbringen?" "Zwei", sagte Willi, der sich jetzt auch aufgerichtet hatte. Ganz vorsichtig wollte er sich auch zum Waschtisch begeben, stolperte aber über den schlafenden Thorax, der sich immer noch nicht rührte. "Hey Thorax, bist Du verletzt? Thorax? Thorax? Gandalf, komm schnell – ich glaube, der ist tot."

Doch Gandalf war bereits unterwegs nach unten, wo Baby Jane und Yeti-Klaus den gestrigen Abend Revue passieren ließen. "Gut, dass wir die Versammlung verschoben haben", meinte Baby gerade. "Das Jungvolk ist immer noch in den Betten. Paula hat mich ja gestern ein wenig schockiert. Ständig wollte sie, dass der Doktor und Kaschi schuhplatteln – wie kann man nur auf eine solche Idee kommen? Ein Russe und ein Ostfriese! Und wie sie sich abwechselnd an die beiden dran gehängt hat – das wird ihr heute megapeinlich sein, denke ich." "Sie hat mal gesagt, dass sie nicht viel verträgt", erklärte Yeti-Klaus. "Aber Thorax hat ihr ständig nachgeschenkt. Sie bildete sich ja auch ein, dass irgendeine Schuhplattler-Showtruppe hier wäre – und das in Good News Bay! Ach – hallo Reggae! Wie geht’s Dir denn heute?" "Hast Du ein Aspi... ein Aspi... eine Tabl..." Baby Jane lächelte und wies auf die große Aspirin-Klinikpackung, die der Doktor gestern Abend vorsorglich auf die Theke gelegt hatte. "Danke. Oh meine Güte, mir geht es so schlecht", sagte Gandalf. "Bitte sagt, dass es nicht wahr ist – dass ich und Willi..." Yeti-Klaus grinste vergnügt und zwinkerte Baby Jane zu, die dies jedoch nicht bemerkte. "Natürlich nicht, Gandi, so ein Schmarrn aber auch! Wir mussten Euch gestern Abend zusammenlegen, weil um kurz nach vier noch Henning, Ralf und Armin hier aufgetaucht sind, und wir hatten kein Zimmer mehr. Außerdem haben die noch einen Geschäftspartner mitgebracht, einen gewissen Axel. Henning haben wir zwar auch so gut untergebracht", sie lächelte spitzbübisch, "aber Ralf und Armin teilen sich jetzt Dein Zimmer. Axel haben wir erst mal bei Kaschi untergebracht – wenigstens so lange, bis Leo kommt. Und Du musst eben mal eine Weile bei Willi wohnen."

Yeti-Klaus war enttäuscht. Er hätte es sich so schön vorgestellt, den jungen Gandalf ein wenig zu verkohlen. Dieser war jedoch mehr als erleichtert. Irgendwie schienen jetzt auch die Hämmer etwas leiser zu werden. Nur Willi schrie irgendetwas. Moment – was wollte der? Thorax sollte tot sein? Baby Jane rannte wie ein geölter Blitz zur Treppe, gefolgt von dem unermüdlichen Yeti-Klaus. Gandalf hingegen zog es vor, sich ein Bier zu zapfen und sich zu dem Schamanen zu setzen, der offenbar gar nicht im Bett gewesen war. Wenn Thorax tatsächlich tot war, konnte er ihm ohnehin jetzt nicht mehr nicht helfen. Oder?

War Thorax wirklich tot? Und wo waren die übrigen Bewohner? Hatten die ihren Rausch auch noch nicht ausgeschlafen?

 

21. Folge: Lebensrettende Maßnahmen (von Ona und Scarlet)

Ninschen stampfte durch den Schnee zum Baby's um sich dort eine Tomatensuppe zu genehmigen. Das junge, hübsche Mädchen war ein wenig frustriert von ihrem bisherigen Aufenthalt hier in Alaska. Anscheinend wurde sie von dem männlichen Teil der Bevölkerung völlig übersehen – zu Unrecht.
Die blutjunge Juristin war eine wunderschöne Frau, mit endlos langen blonden Haaren. Sie zeichnete sich durch ihren markanten Sinn für Humor aus, wobei sie sich nicht davor scheute, die Dinge bei Namen zu nennen. Und zwar so unverblümt und natürlich, dass selbst der eine oder andere Mann schon rote Ohren bei ihren Ausführungen bekam. Niemals nahm sie ein Blatt vor den Mund, was andere zwar abschrecken konnte, aber eigentlich hatte Ninschen durch ihre unkomplizierte Art noch jeden für sich gewinnen können. Heute trug sie ein blasslilafarbenes Schneeoutfit, welches ihre blauen Augen ganz besonders betonte. 'Im neuen Jahr wird alles anders', dachte sie sich. 'Wenn sich die Männer schwer tun, sich mir zu nähern, dann nehme ich ab jetzt die Dinge in die Hand. Das wäre doch gelacht …' Voller Tatendrang öffnete sie die Tür vom Baby's, in der Hoffnung, dass auch schon ein paar der jüngeren Dorfbewohner anwesend seien, und sie dort mit ihrer langen blonden Mähne, ihrem Augenaufschlag und dem Duft ihres neuen Parfums schon mal punkten könne.

Gleich am Tresen saßen Spacefalcon, der Schamanem und Reggae. Der Schamane sah, wie immer, recht düster und mysteriös aus und Reggae … Nun ja, Reggae schien einen Liter schwarzen Kaffee intravenös und eine Ausnüchterungszelle zu brauchen.

Gerade wollte sie es sich neben den Beiden am Tresen bequem machen, als sie Willis Stimme aus dem oberen Teil des Gasthauses hörte: "Hey Thorax, bist Du verletzt? Thorax? Thorax? Gandalf, komm schnell – ich glaube, der ist tot." Und obwohl sich Baby Jane, gefolgt vom Yeti-Klaus, schon auf dem Weg zur Treppe machte, stürmte Ninschen noch schneller diese hinauf und rannte durch die offene Tür in das Schlafzimmer der Jungs.

Als Ninschen, Yeti-Klaus und Baby Jane oben ankamen, kniete Willi auf dem Boden vor dem reglosen Thorax. Er klatschte ihm abwechselnd rechts und links auf die Wangen und wie es schien, hatte er ihm auch schon die Waschschüssel mit Wasser über den Kopf geleert. Ninschen dachte sich: 'Wenn der nicht schon tot ist, dann gibt ihm dieser Willi den letzten Rest.' Verzweifelt blickte Willi zu Baby Jane und Yeti Klaus, der jetzt auch schon schnaufend hinter der besorgten Wirtin stand. "Er ist tot! Er rührt sich überhaupt nicht, er reagiert auch nicht! Armer Thorax!", wimmerte Willi. "Himmel Herrgott Sakra noch einmal, das Neue Jahr fängt ja schon gut an!", fluchte die resolute Wirtin und schob Willi bei Seite. "Hast Du denn auch die Atmung und den Kreislauf kontrolliert?", fragte sie den verkaterten Willi. "Ähm… Nein… Muss man das denn? Er bewegt sich doch nicht.", antwortete der abwesend. Baby Jane schüttelte resignierend den Kopf. 'Dieser Schiffsjunge! Mit dem macht man was mit!' "Hast Du noch nie etwas von der BAK-Regel gehört? Bewusstsein, Atmung, Kreislauf! Das muss kontrolliert werden, in der Reihenfolge!" Sie beugte sich über Thorax und überprüfte seine Atmung: "Puh!!!", sie wedelte mit verzerrtem Gesicht mit der Hand vor ihrer Nase herum. "Er lebt, er atmet noch!" sagte sie. Sie fühlte seinen Puls an der Halsschlagader. "Der Puls ist sehr flach, am besten ihr holt den Doktor!" Fachmännisch brachte sie den Patienten in stabile Seitenlage.

Willi stand zwar auf, machte aber keine Anstalten, den Doktor zu holen. Erwartungsvoll blickte er zu Yeti-Klaus, der sich widerwillig auf den Weg machte. Zum Glück waren Paula und der Doktor, sowie die meisten anderen Dorfbewohner in der Kneipe eingetroffen, so dass Yeti-Klaus den Arzt nicht lange suchen musste. "Few, komm schnell, Thorax…" "Jaha! Der ist tooooot, das haaaabe ich verg - essen Euch zu sagen …hicks!", lallte Reggae-Gandalf, der im Rahmen seines Katerfrühstücks offenbar gerade sein drittes Bier leerte (irgendetwas musste er falsch verstanden haben, als ihm der Schamane Spacy riet,'viel zu trinken'). "Bitte was?", rief Paula entsetzt. Und auch alle anderen schauten erschüttert zu dem betrunkenen Gandalf. "Ja, er liegt oben… auf dem… hicks…Boden…toooot! Toooohot!" "Nein, er ist nicht tot, er ist nur bewusstlos", beschwichtigte Yeti-Klaus die aufgebrachte Menge, "Aber Du siehst ihn Dir besser an, Few!" Schnell packte der Arzt seinen Doktorkoffer, den er immer griffbereit hinter der Theke stehen hatte und rannte nach oben, Paula folgte ihm.

Oben hatte Baby Jane Thorax mit einer Decke zugedeckt und hielt seine Hand während sie auf den Doktor wartete. Willi saß geistesabwesend auf dem Bett und murmelte unverständliches Zeug vor sich hin. Dr. Few Master kniete sich vor den Bewusstlosen und untersuchte ihn routiniert. Paula sah ihm über die Schulter. Wo war eigentlich Det, die Assistentin des Arztes? Sie hatte heute noch niemand gesehen.

Kurz schien es so, als würde Thorax wieder das Bewusstsein erlangen. Das einzige Wort, das er sehr undeutlich stammelte war "Ninschen". Thorax schien zu phantasieren, vor seinem geistigen Auge spielten sich unglaubliche Szenen ab:

Er sah Willi, der sich über ihn legte und auf ihn einhämmerte und ihn anschrie.  "Willi, lass ihn los und mich mal ran!" sagte Ninschen, und fügte noch hinzu: "Willi! Geh runter und lass dir eine große Tasse extrastarken Kaffee geben – aber zieh dir vorher was an", schmunzelte sie. Willi sah entgeistert an sich herunter und merkte, dass er völlig nackig dastand. Mit hochrotem Kopf wickelte er sich die Bettdecke um die Hüften und versuchte gleichzeitig seine Sachen zusammenzusuchen … ein komisches Bild. Schließlich rannte, mit der Bettdecke wie einen Schleier hinter sich herziehend, die Treppe runter. Ninschen zog Thorax, so gut, wie es ging, auf das Bett, deckte ihn zu und zog ihn an ihre Brust, um ihn zu wärmen. Mittlerweile war der Schamane ins Zimmer getreten und fasste dem Gewerkschafter an die Stirn und prüfte seinen Puls. Mit einem Blick auf Ninschens Oberteil meinte er dann nur: "Er braucht Wärme und einen Bierbusen, dann ist er bald wieder fit." Ohne weiteren Kommentar drehte er sich um, ging aus dem Zimmer und schloss die Tür hinter sich. - Ninschen, die für ihr herzliches Handeln genauso bekannt war, wie für ihre unverblümte Art, die Dinge beim Namen zu nennen, schaute an sich hinab, zuckte mit den Schultern und machte es sich im Bett bequem, um Thorax das zu geben, was er wohl brauchte … einen festen Griff an ihre Brust.

Few Master richtete sich wieder auf und verkündete in die besorgte Runde seine Diagnose: "Also er ist im Delirium, er kann im Moment Realität und Phantasien nicht unterscheiden, er hat eine schwere Alkoholvergiftung." Baby Jane nickte. So etwas hatte sie schon vermutet. Der hatte ja eine Fahne …"Und außerdem hat er eine Brustkorbprellung.", fuhr der Arzt fort. "Er war wohl so betrunken, dass er gestürzt ist. Die Krankenstation ist momentan nicht geheizt, dort können wir ihn nicht hinbringen. Am besten wir legen ihn hier ins Bett. Dann sollte ihm der Magen ausgepumpt werden und eine Infusion sollte er auch bekommen. Er braucht viel Flüssigkeit. Bis am Abend wird er dann schon wieder aufwachen. Wegen dem Magen auspumpen: Ich mache das auf die herkömmliche Art. Am besten ihr geht alle hinunter, denn es ist kein schöner Anblick. Paula, gib mir bitte die Waschschüssel her." Paula reichte dem Doktor die Schüssel und fragte, ob sie assistieren sollte. Aber der Arzt lehnte dankend ab und bat sie mit den anderen hinunter zu gehen und die Leute unten zu beruhigen, was sie auch tat.

Der Schamane ging wieder die Treppe hinunter, wo Willi, mit einer Tasse Kaffee, seinem Bettlaken, das immer tiefer rutschte und seinen Klamotten kämpfend und balancierend, die Stufen hinauf pirschte. Der Schamane nahm im, kommentarlos, die Tasse aus der Hand und trank sie selbst aus. Dem verdutzten Willi sagte er nur: "Da jetzt nicht reingehen!" und zeigte auf die Zimmertür. Willi wagte es nicht auch nur zu atmen und fragte sich nur, wie lange er denn, ohne seine Kleidung, mit dieser Bettdecke ausharren sollte.

Gerade war auch Scarlet in der Kneipe eingetroffen, sie hatte von Thorax' Unglück noch gar nichts mitbekommen. Genüsslich schnitt sie sich ein Stück einer Sachertorte ab. Da die Wirtin nicht an ihrem Platz war, bediente sie sich selbst. "Ach wisst ihr", philosophierte sie gerade vor sich hin, da ihr soeben jemand ein frohes Neues Jahr gewünscht hatte, "irgendwie hat das Neue Jahr für mich noch gar nicht so richtig begonnen. Ohne den Donauwalzer und das Glockenläuten der Pummerin ist das gar kein richtiger Silvester. Wenn wir wenigstens das Neujahrskonzert hören könnten…" Gedankenverloren schenkte sie sich eine Tasse Kakao ("Gaugau" wie der Wiener sagt ;-) ) ein. "Hast Du schon ge-hört… hicks", beugte sich Gandalf zu Scarlet über die Theke, "Thorax – hicks – ist tot." Scarlet ließ den Löffel fallen, mit dem sie gerade in der Tasse umrühren wollte. "Was? Was redest Du da? Über so etwas macht man keine Witze! Du bist ja besoffen! Was erzählt er da?", wandte sie sich an Yeti-Klaus, der dem Schamanen gerade etwas zu essen servierte. "Ich weiß auch nicht genau, Thorax ist bewusstlos, aber Genaueres wissen wir noch nicht, der Doktor ist gerade oben bei ihm. Aber schau, da kommen Baby Jane und Paula, die werden schon etwas wissen.“ Klaus brachte den Teller zu Spacefalcon.

"Also Leute", rief Baby Jane in die Runde, erwartungsvoll und ängstlich schauten alle auf sie, "Entwarnung! Thorax wird es schon bald wieder besser gehen, er hat eine Brustkorbprellung und eine schwere Alkoholvergiftung!", beim letzten Wort warf sie Gandalf einen mahnenden Blick zu, der auf einmal ganz bleich wurde. Zitternd schob er den Krug, der vor ihm stand bei Seite und orderte eine Flasche Mineralwasser.

"Ich fürchte, wir haben hier wirklich ein Alkoholproblem in Goodnews Bay", meldete sich jetzt Paula zu Wort. "Solange die Brauerei nicht produziert, trinken hier einige, als gäbe es kein Morgen, nach dem Motto 'was ich g'habt hab', hab' ich g'habt.' So geht das wirklich nicht weiter. Ich glaube wirklich, wir sollten eine teilweise Prohibition verhängen. Wir müssen auf alle Fälle etwas unternehmen!"

"Paula for Bürgermeister!", rief Baby Jane in die Menge. "Ja, Paula for Bürgermeister!", stimmten einige andere, vor allem Frauen ein. "Ich glaube, Paula, wir haben eine neue Bürgermeister-Kandidatin!", meinte Baby Jane und klopfte der Freundin ermutigend auf die Schulter. "Müsste das dann nicht Bürgermeisterin-Kandidatin heißen?", fragte Scarlet schelmisch. "Nein, das heißt Bürgermeister und wird auch weiterhin so heißen, denn Bürgermeister ist kein Beruf! Busfahrer/in oder auch Politiker/in schon. Aber jeder von mir aus wie er will: Für mich bleibt Frau Doktor Paula Tracy immer nur die Frau Bürgermeister! Wenn sie es denn überhaupt wird!", murrte der Cessnaritter. Scarlet grinste vor sich hin.

"Naja", meinte Paula, "wenn ihr wirklich meint, ich meine… ja, gut, dann kandidiere ich." Die Mehrheit der Anwesenden klatschte begeistert Beifall. "Schön!" meinte Baby Jane, "dann hätten wir das geklärt! Thorax geht es auch bald wieder besser…" In dem Moment hörte man fürchterliche, markerschütternde Würgelaute vom oberen Stock, wo der Doktor noch mit Thorax beschäftigt war. Die Anwesenden schauten sich an, manche hatten richtig Mitleid mit dem armen Thorax. Gandalf schüttelte sich angewidert und nahm einen großen Schluck Mineralwasser.

"Komm, Baby Jane, dreh das Radio auf. Bitte!", meinte Scarlet und die Wirtin schaltete das Gerät ein. "Jö, das Neujahrskonzert!", freute sich Scarlet, als sie die Klänge aus dem Radio hörte, "Mach lauter!" Es war gerade der Frühlingsstimmenwalzer zu hören. Es war zwar nicht der Donauwalzer, aber immerhin! Bis zum Schluss verfolgten die Anwesenden das Neujahrskonzert, einige wagten sogar ein Tänzchen. Als die Wiener Philharmoniker am Ende wie immer den Donauwalzer und den Radetzkymarsch spielten, bei dem alle mitklatschten, begann auch für Scarlet das Neue Jahr und gemeinsam mit den Musikern rief sie am Ende des Konzerts "Prosit Neujahr!"

 

TV-Kader-Schmiede (von Baby Jane)

Fritzchen war zwar erst wenige Tage in Good News Bay - aber war es jemals zu früh, um an die Zukunft eines Kindes zu denken? "Keineswegs", befand die kleine Gemeinde. Aus dem Jungen sollte doch einmal etwas Anständiges werden. Und so hatte sich ein Grüppchen pädagogisch Geschulter ins Hinterzimmer der Kneipe zurückgezogen, um einen ehrgeizigen Bildungsplan für das Kind zu entwerfen.

Früh wollte man ihn an ein ganz bestimmtes, wichtiges Thema des Lebens heranführen. Spielerisch zuerst, mit dem der Sache entsprechenden Ernst später! Denn Fritzchen sollte ein Meister seines Faches werden!

Paula Tracy würde in den ersten vier Lebensjahren dem kleinen Fritzchen Titelmelodien von Nostalgieserien als Schlaflieder singen. Altersgerechte DVDs sollten später als Unterrichtsmaterial verwendet werden. Bis zum Alter von 10 Jahren sollte der Knabe das "Fernseh-Lexikon" aus dem Eff Eff beherrschen. Bis zum 14. Lebensjahr würde Kaschi Hauslehrer des Knaben sein und mit ihm die wesentlichen Episodenführer pauken. In den Sommerferien würde Fritzchen zu Onkel Ralf und Onkel Henning fahren und dort ein jeweils mehrwöchiges Ferialpraktikum machen. Für den letzten Schliff würde Yeti-Klaus sorgen und mit ihm sämtliche Adventsvierteiler durchgehen. Mit 18 wäre der Findling dann ein gemachter Mann und würde jedes Fernseh-Quiz gewinnen.

Die Gesichter der pädagogischen Experten leuchteten! :-)
 

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