
| 22. Folge: Ich lieb'
ihn, ich lieb' ihn nicht, ich lieb' ihn...
(von Ona) Als Ona an dem Neujahrstag aufwachte, lag sie eng umschlungen neben ihren Pianisten De Guy. Allerdings war das Erste, woran sie dachte, dieser heiße Tango, den sie gestern, in der Silvesternacht, mit Heinz zum Besten gab. Sie schaute ihrem Pianoman ins Gesicht und musste wieder an die seltsamen Umstände denken, die sie auf dem Schiff, der Werderania, zusammenbrachten. Sie seufzte tief. In ihrem Inneren merkte sie, dass da was nicht ihr stimmte. Sie setzte sich auf und De Guy gab, durch die Bewegung, ein Grunzen von sich. Sie seufzte abermals. 'Was ist bloß mit dir los?' fragte sie sich und ertappte sich dabei, wie sie sich die Vorzüge ihrer Beziehung mit De Guy vor Augen führen musste. 'Er liebt dich, trägt dich auf Händen, kann dir das ermöglichen, was du dir immer erträumt hast' – internationalen Erfolg mit ihrer Coverversion. Was hatte man ihr bei einem Talentwettbewerb in Europa gesagt? Sie sei talentfrei?! Dieser völlig bescheuerten Jury, die im Fernsehen auch noch Fliegen tötete, würde sie es gerne zeigen, wie falsch sie gelegen haben.
Sie
fuhr ihren Laptop hoch und brannte sich eine Musik-CD, damit sie in der
Küche ein bisschen ihre Stimme ölen könne, was sie jetzt lange Zeit
vernachlässigt hatte. Wieder wanderte ihr Blick zu De Guy. Was sah er aber
auch gut aus, und verzichtete auf jeglichen Biergenuss (etwas sehr Wichtiges
für die Köchin, die nichts von diesen trinkfesten Männern hielt, die immer
nach Bier rochen). Aber auf der anderen Seite war es so langweilig mit ihm.
Ihm fehlte jede Art von Temperament und überraschte sie nie, wie gestern
Heinz, mit einem feurigen Tanz. Tja, das war gestern irgendwie der Tropfen,
der das Fass zum Überlaufen brachte, als sich dieser Jugendfreund von Kat
vor ihr aufbaute, ihr ein Ständchen widmete und sie dann letztendlich durch
das Lokal im flotten Tangoschritt führte. Deswegen verließ sie fluchtartig
danach das Lokal – ihr wurde bewusst, wie sehr sie solche
Temperamentausbrüche vermisste. Oder ein klein wenig von Mysterium, wie zum
Beispiel solches, das von diesen schwarzen Augen des Schamanen ausging. Sie
seufzte wieder und De Guy antwortete ihr mit einem Schnarcher … 'Oh je',
dachte sie, 'das wird nicht wirklich gut enden, befürchte ich'.
Auf
dem Weg zur Gaststätte traf sie auf Sir Hilary, der sich gleich bei ihr über
den Krach in der Silvesternacht ausließ. "Hallo Ona, gut, dass ich dich
treffe. Ich wollte dir gleich mal sagen, dass dieser Krach, den ihr gestern
im Baby's gemacht habt, von mir hier nicht geduldet wird …" Ona musterte
ihn, sehr spanisch, von oben bis unten und machte ihm mit diesem
abschätzendem Blick folgendes klar: 1. Wäre er niemand, sich derart
aufzuspulen. 2. Möge er sie, Ona, nicht mit diesem Quatsch belästigen und 3.
habe sie gar keine Lust, sich mit ihm über eine Silvesterfeier zu
unterhalten. Sir Hilary schluckte, senkte den Blick, wendete sich ab und
murmelte etwas von "…muss einen geeigneteren Ansprechpartner dafür suchen
…". Ona stürmte aus der Küche und baute sich hinter dem Tresen vor dem Berliner auf. Sie haute zwei Mal mit der flachen Hand auf den Tresen und sagte dem, halb auf dem Tresen liegenden Reggae, der sich sofort versuchte aufzurichten: "Zuerst mal: Nicht in diesem Ton! Zweitens: Ohne 'bitte' läuft hier gar nix und Drittens: die Küche ist noch geschlossen!" Erst jetzt bemerkte die Köchin, dass neben Reggae der Schamane saß und sie wieder mit diesem eindringlichen Blick musterte. Blitzartig wollte sie den Tresen wieder in Richtung Küche verlassen, als Reggae ihr sagte: "Menno Ona, sei doch nicht so. Wir können ja auch noch eine Runde 'Saugen und Blasen' spielen." Ona schaute den jungen Mann entgeistert an und wollte sich schon mit einem Glas Wasser behelfen, um ihn schlagartig nüchtern zu machen, als Baby Jane ihren Arm festhielt und ihr erklärte, dass es sich um ein Partyspiel handele, wo man eine Karte ansaugen muss und ohne diese mit der Hand zu berühren, von Person zu Person weitergeben muss – mit den Lippen. Ona wollte da jetzt nur noch weg. Ihr Gebrummel im Bauch bezüglich De Guy, diese Blicke von diesem Spacefalcon und der Tanz von gestern Nacht mit Heinz wuchsen ihr etwas über den Kopf. So schnappte sie sich den kleinen Fritz und verzog sich in der Küche. Dort spannte sie sich den Jungen mit einem Tuch auf den Bauch und sang ihm, leise, ihre Lieder ins Ohr, so dass der kleine Mann bald einschlief, während sie in der Küche handwerkelte.
23. Folge: Wahlhelfer gesucht (von Paula Tracy)
Nachdem sich die allgemeine Aufregung über den
vermeintlichen Tod von Thorax gelegt hatte, kam endlich etwas Ruhe in die
kleine Gaststube. Scarlet stellte eine Sachertorte auf jeden Tisch und Ona
kochte Kaffee. Fast alle waren anwesend, sogar Ralf, Armin und Axel – nur
Henning und Det schienen sich zu verspäten, was aber niemanden zu verwundern
schien.
"Na
bravo, und was machen wir?" fragte Kaschi. "Gibt ja sonst keine Kneipe
hier." "Sie kommen zu mir", gurrte Hannelore und tätschelte dem verwirrten
Ingenieur die Wange. "Ich habe auch eine kleine Sitzecke in meinem Laden.
Wir machen es uns so richtig gemütlich. Heino kann uns was singen." "Das ist
sehr verlockend", sagte Kaschi, der sich sichtlich um Diplomatie bemühte.
"Aber ich glaube, ich bin doch müde. Ich sollte heute Abend vielleicht etwas
früher zu Bett gehen." Die anderen Männer stimmten Kaschi uneingeschränkt
zu. "Ja, es ist wirklich spät geworden gestern..." "Ein bisschen Schlaf
brauche ich auch..." "Ach was, wir können doch auch im Wiener Caféhaus
Karten spielen, wenn Scarlet uns lässt..." "Das könnte euch so passen",
lachte Baby Jane. "Dort hört man jedes Wort, das hier gesprochen wird. Das
Programm ist bis zur Verkündung geheim. Entweder Ihr geht heute Abend zu
Hannelore oder in Eure Zimmer." Yeti-Klaus kochte vor Wut. Na warte! Er
würde heute Abend ganz bestimmt dabei sein, wenn die Frauen sich gegen ihn
verschworen. Wie er das anfangen würde, wusste er zwar noch nicht, aber
Willi musste ihm dabei helfen. Das wäre doch gelacht, wenn diese Tierärztin
die Wahl gewinnen würde! Am meisten aber schmerzte ihn der Verrat von Baby
Jane. Das würde sie noch lange spüren, das schwor er sich!
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