7. Folge: Kein Weiterkommen (von Scarlet)

Gedankenverloren flog der Cessnaritter die eisige Küste entlang und summte vor sich hin:
 

Wind Nord-Ost Startbahn null-drei,
bis hier hör' ich die Motoren.
Wie ein Pfeil zieht sie vorbei,
und es dröhnt in meinen Ohren.
Und der nasse Asphalt bebt,
wie ein Schleier staubt der Regen.
Bis sie abhebt und sie schwebt
der Sonne entgegen.
Über den Wolken
muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man,
blieben darunter verborgen, und dann
würde das, was groß und wichtig erscheint,
plötzlich nichtig und klein.
Lalala-lala …

Versonnen blickte er jetzt auf das Bild einer hübschen jungen Frau, das über der Höhenanzeige in seinem Cockpit steckte. Es war mit den Worten "In Liebe Deine Marjorie" beschriftet. Sanft strich er mit dem Finger über das lächelnde Gesicht auf dem Foto: "Schade, dass Du zu Weihnachten nicht hier sein kannst, mein Stern!", sagte er zu ihr und war in Gedanken wieder auf der Werderania, wo er die bezaubernde Wienerin kennen gelernt hatte. Er seufzte …

Währenddessen unterhielten sich die drei Frauen im Zug aufgeregt über die "Zürcher Verlobung", und wie schön es doch wäre, Weihnachten oder dann Silvester so zu feiern wie in diesem Film, den alle drei so gerne mochten. Das wäre doch wirklich großartig und die anderen würden das bestimmt auch schön finden! - Die drei Reisenden hatten sich derart in das Gespräch hineingesteigert, dass sie gar nicht bemerkt haben, dass sich der Zug noch um keinen Millimeter weiterbewegt hatte. Doch jetzt als Scarlet kurz aus dem Fenster schaute und die weiße Winterlandschaft nicht wie ein Film an ihnen vorbeizog … "Schaut doch einmal aus dem Fenster!", wandte sie sich an Paula und Kat, die noch immer diskutierten, wer der attraktivere war, Büffel oder der 'Lackaffe', wie Paula sich ausdrückte. "Was ist denn los?", fragte Paula etwas ungeduldig, da Kat nicht und nicht einsehen wollte, dass Büffel doch eindeutig der attraktivere war. "Vor 20 Jahren hätte ich das auch anders gesehen, aber so ändern sich die Zeiten! Du wirst schon sehen Kat!", belehrte die Tierärztin Kat, woraufhin sich Kat schmollend umdrehte. "Jetzt schaut doch einmal her!", rief Scarlet jetzt auch etwas ungehalten. Die anderen beiden taten ihr also den Gefallen und drehten sich zum Fenster. "Wir fahren ja gar nicht!", rief Paula ungläubig. "Gut erkannt, Miss Tracy", sagte Kat etwas schnippisch. "Jetzt hört auf mit dem Blödsinn!", regte sich Scarlet auf, "was ist da los? Wieso fahren wir nicht? Wozu haben wir die ganze Nacht die Schienen frei geräumt?" Der Schaffner der gerade beim Zugabteil der drei Damen vorbeiging, schüttelte den Kopf: 'Weiber! Da drinnen geht es ja zu, wie in einem Hühnerstall, dauernd wird gegackert…'

"Halt! Hier geblieben!" Kat stürzte aus dem Abteil und fasste den Schaffner bei den Schultern, drehte ihn herum, schüttelte ihn und brüllte ihn an, warum der verdammte Zug nicht weiterfuhr. Soweit Kat das ängstliche Gestammel des Schaffners verstanden hatte, teilte er mit, dass der Zug noch nicht weiterfahren könne, da weiter vorne noch eine größere Menge Schnee auf den Schienen läge, die erst weggeräumt werden müsste, was aber nicht so einfach wäre. Mit anderen Worten, sie saßen hier fest! Allerdings, so sagte der Schaffner, hatte er bereits Funkkontakt mit der Eisenbahnverwaltung aufgenommen, die Hilfe schicken würde. Aber so lange müsste man jetzt noch warten. "Na großartig!", entfuhr es Paula, als Kat den Sachverhalt schilderte. "Und dafür haben wir hier die Schienen freigeschaufelt? Was, wenn es wieder zu schneien beginnt, dann war alles umsonst!" Kat ließ den Schaffner los, der mit großen, ängstlichen Augen anstarrte und sobald er wieder frei war, das Weite suchte. "Mit diesen Weibern ist nicht zu spaßen, dachte er sich. So hübsch sie auch sind, aber die haben es faustdick hinter den Ohren!' Er zog es vor, sich im Lokführer-Abteil zurückzuziehen und dort, in Sicherheit vor diesen Furien, auf Hilfe zu warten. Hoffentlich ließen die sich nicht all zu lange Zeit.

Die Frauen beschlossen das Beste aus der Situation zu machen und sich solange die Sonne schien, ins Freie zu begeben und wieder ein bisschen Schnee zu schaufeln. Es war vielleicht gar nicht so schlecht, sich ein bisschen an der frischen Luft zu bewegen, davon würde ihnen möglicherweise auch warm werden. Der Schaffner beobachtete sie misstrauisch aus sicherer Entfernung und schüttelte den Kopf.

 

8. Folge: Drei Männer im Schnee (von Scarlet)

Inzwischen, gar nicht so weit entfernt, wachten drei Männer auf, die die Nacht in einer Schneehöhle verbracht hatten, die sie am Abend zuvor bei dichtem Schneetreiben gegraben hatten. Der Husky, der hier ganz in seinem Element war, hatte auch eifrig mit den Vorderpfoten gegraben. Es war schon komisch, dass dieser Hund so zutraulich war, er war ihnen doch erst vor kurzem zugelaufen, aber er schien Menschen gewöhnt zu sein. Ja, er dürfte sogar sehr gut abgerichtet sein, denn er folgte aufs Wort.

Gestern, als Kaschi und Fewie die wimmernde Stimme aus einem Schneehaufen vernahmen, war der brave Hund sofort zur Stelle und legte sich zu dem um Hilfe rufenden Mann, um ihn zu wärmen. Allerdings schrie der dann noch viel mehr! Als Kaschi und Fewie näher kamen, trauten sie ihren Augen nicht! Es war genau der, den Fewie vermutet hatte. Sofort rief Kaschi den Hund zurück, denn wie er noch sehr gut wusste, hatte der Eingeschneite panische Angst vor Hunden. An Bord der Werderania kam er ja auch kaum aus seiner Kabine, aus Angst er könnte einem der Chrisquito-Pudel über den Weg laufen. Zwar sagte er immer, dass er sein Premiere-Abo ausnützen wollte und deshalb soviel Zeit in seiner Kabine verbrachte, aber alle wussten, was der wahre Grund war.

Nachdem Fewmaster den alten Freund mit den Worten "Ja, Butermacher, was machst denn Du hier, wir dachten, Du wärst längst wieder in Deutschland!" begrüßt hatte und dieser ihm gewohnt freundlich mit: "Nenn' mich nicht immer so, Du weißt, dass ich das nicht leiden kann!" antwortete, wollte zu erzählen beginnen, doch Kaschi und Fewie winkten ab. Er sollte ihnen das morgen in aller Ruhe erzählen, jetzt würden sie erst einmal eine Höhle graben, in der sie die Nacht verbringen könnten. Gesagt getan.

Am nächsten Morgen, als sich die ersten Sonnenstrahlen blicken ließen und von Schnee keine Spur mehr war – das heißt, vom Himmel kam keiner mehr, die Landschaft war nach wie vor mit einer dicken, weißen Decke bedeckt - ließen sich Kaschi und Fewie berichten, was passiert war. Nebenbei zündete Kaschi ein Feuer an und Fewie wärmte den Kaffee, den er in der Thermoskanne mit hatte, der aber doch schon merklich abgekühlt war. Lassie sprang fröhlich um das kleine Lagerfeuer. 'Butermacher', wie ihn Fewie nannte, hatte also tatsächlich vorgehabt, nach Deutschland zurückzukehren und er war sogar schon in Anchorage am Flughafen. Er hatte schon das Ticket für den Rückflug, ja, sogar das Gepäck hatte er schon eingecheckt! Doch dann machte er an einem Zeitungsstand im Flughafen eine schreckliche Entdeckung: dort hing in der ersten Reihe die BILD-Zeitung und die Horror-Schlagzeile lautete: 'Aus! Vorbei! Keine Bundesligarechte für Premiere! Können wir so die WM gewinnen?' Auch andere Zeitungen verbreiteten diese Schreckensmeldung. Eingehend studierte er am Flughafen diese Meldungen, solange, bis sein Flug abgefertigt war und sein Gepäck alleine nach Deutschland flog. Was sollte er jetzt machen? Es ging nur 2 mal im Monat ein Flug in die Heimat, so lange wollte er nicht am Flughafen warten und was sollte er in Deutschland ohne Premiere-Bundesliga? Ok, er war zwar kein Fußball-Fan, aber diese Niederlage von Premiere, der Verlust der Senderechte schmerzte ihn doch sehr. In ihm reifte der Entschluss nach Goodnews Bay zurückzukehren, zumal ja Tapetchen, in die er sich an Bord der Werderania unsterblich verliebt hatte auch dorthin kommen wollte.

Als er von Tapetchen sprach, zog er einen silbernen Anhänger in Form eines großen 'T', welcher an einer groben silbernen Kette um seinen Hals baumelte aus seiner dicken Jacke und zeigte ihn Kaschi und Fewie. "Den hat sie mir geschenkt. Mein fehlendes 'T',  hat sie gesagt. So haben wir uns kennen gelernt, bei diesem blöden Scharade-Spiel, mit einem Lebkuchen-'T'." Schnell ließ er den Anhänger wieder unter seinem Hemd verschwinden und erzählte weiter. Nachdem er kaum mehr Gepäck hatte, beschloss er, zu Fuß nach Goodnews Bay zu marschieren, immer den Bahngleisen entlang, so würde er das Städtchen nicht verfehlen, auf den Zug wollte er nicht warten. So war er jetzt fast vier Tage unterwegs. Kaschi und Few schüttelten den Kopf, wie konnte man nur auf so eine Idee kommen! Wie auch immer, er hatte es bis hierher geschafft und er war sich sicher, dass es nicht mehr weit wäre bis nach Goodnews Bay. Er stieg auf eine leichte Anhöhe, dort dann auf einen Baum, um zu sehen, wie weit es denn noch wäre, ob man das Städtchen vielleicht schon sehen könnte. Dummerweise rutschte er dann vom Baum ab und der ganze Schnee, der auf den Ästen lag, begrub ihn unter sich. Er konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Zum Glück fand er eine Original-verpackte Bifi-Salami, so dass er wenigstens etwas zu essen hatte. Als er das berichtete, hielt er das glänzende Papier in die Höhe, das Fewie und Kaschi ganz in seiner Nähe gefunden hatten. Die beiden sahen sich vielsagend an.

"Und jetzt sagt mal, was macht ihr beiden denn hier heraußen?" Die beiden Abenteurer blickten sich abermals vielsagend an. "Wir waren beim Goldschürfen", antworteten sie knapp. "Und? Etwas gefunden?" "Ja!", entfuhr es Fewie, noch bevor Kaschi etwas antworten konnte, der verspürte nur einen unsanften Stoß in die Rippen. "So, aber jetzt lasst uns endlich weitergehen", hatte es Fewmaster plötzlich ziemlich eilig. Die drei löschten das Lagerfeuer aus, legten die Tennisschläger-ähnlichen Schneeschuhe an und marschierten davon. Der Hund lief einmal nach vor, dann wieder zurück und war anscheinend ziemlich glücklich mit der Situation.

 

9.Folge: Spuren im Schnee (von cessnaritter)

Der Cessnaritter war mit seinem Flugzeug immer entlang der Bahnlinie, die nach Anchorage führte, geflogen. Da die Strecke so ziemlich der Küste folgte, konnte er ohne Rücksicht auf die Berge halb über Land, halb über Wasser fliegen und was vor allem praktisch war, er konnte in geringer Höhe in ca. 500 ft bleiben, um so den Zug schneller erkennen zu können. Noch hatte er nichts entdeckt .... aber da, hinter der nächsten Biegung der Gleise sah man, dass eine enorme Menge Schnee den Berg heruntergekommen war, die den Schienenstrang blockiert hatte. Aber bis auf ein kurzes Stück, das sicherlich bald freigeräumt war, war die Strecke in Kürze wieder frei, der Zug konnte sicherlich bald weiterfahren.

Paula und Scarlet, die gerade dabei waren, aus einem der Wagen zu steigen, hörten das Motorengeräusch am Himmel und blickten hinauf. "Das muss der Cessnaritter sein!" rief Paula aus. "Erkennst Du den aufgemalten Bären auf dem Leitwerk? Wie passend für Alaska!" "Ich glaube, das soll wohl der Berliner Bär sein", meinte Scarlet, "er stammt doch von dort." "Wie auch immer! Jedenfalls ein passender Schmuck für das Flugzeug!" Der Cessnaritter sah die beiden Frauen, die auf und ab hüpften, dabei winkten. Er winkte zurück, indem er abwechselnd die rechte und die linke Tragfläche mehrmals senkte. Dann flog er einen großen Bogen, ging in der Nähe des Zuges so tief wie möglich mit seinem Flugzeug und entfernte sich dann, wieder stetig ansteigend.

Er schaute auf die Uhr. Inzwischen war es neun Uhr. Gunter musste inzwischen seinen Dienst angetreten haben und er stellte die Frequenz von Beaver Falls ein. Gunter war am Funkgerät und erfuhr, dass der Zug fast aus dem Schnee befreit war. Er versprach, die Nachricht, gleich weiterzugeben. Der Cessnaritter flog nun einen 45Grad-Kurs, d. h., er flog exakt nach Nordosten in die Berge, um noch eine Spur von Kaschi und dem Doktor zu finden. Die Sonne schien, es gab nun gar keinen Schneefall mehr und er konnte dicht über den Baumwipfeln fliegen. Plötzlich entdeckte er die Reste eines Lagerfeuers und dann sah er die Spuren, wie mindestens zwei Personen mit ihren Schneeschuhen, diesen Dingern, die so ähnlich aussahen wie Tennisschläger, den Weg in Richtung Küste und direkt auf Good News Bay genommen hatten. Er konnte zwar niemanden entdecken, aber immerhin schienen sie wirklich auf dem richtigen Weg zu sein. Beruhigt nahm er nun Kurs nach Hause.

Würde der Zug nun bald eintreffen und die ersehnten Freundinnen bringen? Würden endlich auch die Goldsucher wieder heim finden? Hatte Hannelore in ihrem Drugstore auch genügend Frostbeulensalbe? Bleiben Sie dran, bald werden Sie es erfahren!

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