19. Folge: Jubel, Trubel, Heiterkeit, 1. Teil (von cessanritter)

Als Kat an der Stadtplanerhütte ankam, musste sie jedoch feststellen, dass sie leer war. Vielleicht gelang es ihr aber, auf der großen Silvesterparty die entsprechenden Nachforschungen in die Wege zu leiten, damit der Graf gefunden werden konnte. Für den Augenblick war es enttäuschend, aber nicht zu ändern.

Auch Baby Jane musste eine plötzliche Änderung verkraften. Unerwartet traf ein Telegramm ein von Falk Rickmers, in dem er mitteilte, dass er und die Forenmanager, die heute eintreffen wollten, es leider doch nicht schaffen würden, nach Good News Bay zu kommen. Zwar war die Strecke geräumt, nun aber waren gleich zwei Diesellokomotiven der Trans-Alaska-Eisenbahn ausgefallen, so dass der Zug an diesem Tag nicht mehr fahren konnte. Das war sehr sehr schade, aber da es nur wenige Leute wussten, dass die überraschende Ankunft der vier geplant gewesen war, konnten demzufolge auch nur wenige Leute enttäuscht werden. Nun, vielleicht klappte es ja dann am Neujahrstag. - Baby Jane stürzte sich nun wieder in die Vorbereitung der größten Silvesterparty, die der kleine Ort je erlebt hatte.

Der Zusammenhalt der Einwohner von Good News Bay war schon bemerkenswert, dachte Baby Jane, als sie zusammen mit Ona die zahlreichen Zettel mit Rezepten durchsah, die in den letzten Tagen abgegeben worden waren. Fast jeder Einwohner hatte eine Spezialität seiner unmittelbaren Heimat für das große Partybuffet vorgeschlagen. So gab es zum Beispiel ein Rezept für echte Berliner Buletten, das der Cessnaritter einst von seiner Mutter erhalten hatte, Paula, eine gebürtige Rheinländerin wusste etwas über Rheinischen Sauerbraten, Scarlet hatte selbstverständlich eine Anweisung für Wiener Schnitzel und selbst H .G. Werderaner hatte in seinen Erinnerungen an seine Heimat etwas beigesteuert, so dass Ona etwas über die Zubereitung eines norddeutschen Heringssalates lernte. Und so ging es immer weiter.... Ona selbst plante als einen Höhepunkt eine große Paella-Pfanne auf den Tisch zu bringen. Kulinarisch wurde es sicherlich ein buntes internationales Fest.

Während sich die Frauen um die leiblichen Genüsse kümmerten, hatten der Yeti-Klaus, Kaschi und der Doktor begonnen, beide Räume des Lokals, also die Kneipe und das Wiener Café mit Luftschlangen, Luftballons und anderen lustigen Dekorationsartikeln auszustatten. Die Musicbox wurde überprüft, ob auch genug Schlager und Hits zum Mitsingen, Tanzen und Schunkeln enthalten war. Mittlerweile hatten mehrere Bier-, Sekt- und Weinlieferungen die Sorge um einen antialkoholischen Jahreswechsel schwinden lassen. Dazu gab es reichlich Knabbergebäck und selbst für Feuerwerksraketen, Böller, Wunderkerzen und andere Stimmungsverstärker war gesorgt worden. War bereits das Weihnachtsfest eine gelungene Party gewesen, so sollte jetzt der Höhepunkt dieser festlichen Tage erfolgen.

Gegen acht Uhr trafen die ersten Gäste ein und eine halbe Stunde später wurde in beiden Gasträumen munter geplaudert, gelacht und gefuttert. Ona und ihre Hilfskräfte hatten sich wieder einmal selbst übertroffen. Das Buffet war eine Augenweide und alle freuten sich über die zu erwartenden Gaumengenüsse. Hatten die letzten Tage manche Sorgen, manche Pannen und manche Ärgernisse gebracht, für ein paar Stunden sollten sie vergessen werden. Goodnews Bay sollte für die meisten Einwohner ein neuer Anfang darstellen, deswegen wollte man sich heute nacht einfach mal ganz unbeschwert amüsieren.

Kat hatte ihren Jugendfreund Heinz zumindest zu Beginn der Party mal kurz in eine Ecke ziehen können, um ihm zu eröffnen, dass die Gräfin längst verheiratet war und dass er bitte nicht auf ihr Flirten hereinfallen solle.

Nun, sie hätte sich kaum Sorgen machen müssen, denn Heinz hatte längst ein anderes Objekt der Bewunderung gefunden. Ona, die Köchin hatte es ihm mit ihrem südländischen Temperament auch schon angetan. Ona hatte fürs erste ihre Arbeit in der Küche erledigt, um Mitternacht sollte es noch einmal einen kleinen Imbiss geben, aber dafür war schon alles vorbereitet worden, so dass sie jetzt Muße hatte, unbeschwert mitfeiern zu können. Heinz fragte sich zwar kurz, ob Ona nicht vielleicht auch schon vergeben war, aber diese Bedenken wischte er entschlossen beiseite.

Aber er dachte sich, dass sie mindestens viele Bewunderer haben musste, wo sie doch so attraktiv war. Da musste er sich schon etwas besonderes einfallen lassen, um andere Bewerber um Onas Gunst ausstechen zu können. Er sah sich im Lokal um, um etwas zu entdecken, was ihm eine Idee vermitteln könnte. Dann rückte die Musicbox in sein Blickfeld. Er schritt auf den Apparat zu und durchsuchte die Liste der Titel, die man auswählen konnte. Ihm war der Gedanke gekommen, aus seinen gesanglichen Erfahrungen bei den Fischerchören, etwas zu machen und prüfte die einzelnen Platten auf ihre Nützlichkeit, der Köchin Ona ein Ständchen darzubringen. Da ohnehin in diesem Lokal gern und laut mitgesungen wurde, vermutete er auch, dass er sich eigentlich nicht allzu sehr blamieren konnte. Schließlich hatte er unter B3 das richtige entdeckt, einen ganz alten Schlager, er warf eine Münze ein, näherte sich dem Tisch, an dem Ona Platz genommen hatte und begann mit dem Einsetzen der Musik mit seinem Gesang. Nun hieß die Köchin zwar leider nicht Amanda, aber alles andere schien ihm zu passen, um auf musikalische Weise mit einem gefühlvollen Tango das Eis zu brechen.

 

Hochgeschätzte reizende Amanda
vielen Dank für Ihren lieben Brief
der zu Ihrer reizenden Veranda
mich mit so viel süßen Worten rief

Liebe ist schön, ihr wisst ja
aber in Spanien ist ja
meistens ein wenig dicke Luft
Gestern nacht war nämlich grad ihr Mann da
der zog einen Dolch und rief "Du Schuft"

Ja ja, in Spanien, da gibt es Mädchen, olé!
braun wie Kastanien, in jedem Städtchen, olé
jedoch bedenke, wenn du sie küsst,
daß man in Spanien schrecklich eifersüchtig ist

Ja ja in Spanien, da gibt es Mädchen, olé
die sind noch frischer als frische Brötchen, olé
jedoch bedenke, wenn du sie küsst
daß man in Spanien schrecklich eifersüchtig
wirklich furchtbar eifersüchtig
ausgesprochen eifersüchtig ist, olé!

Nun folgte ein musikalischer Mittelteil und Heinz, leicht berauscht durch die Aufmerksamkeit, die er durch seinen Gesang erlangt hatte, wuchs über sich hinaus, fasste sich ein Herz und Ona bei der Hand und wirbelte sie unter feurigen Tangoklängen herum. Die anderen Gäste bemerkten, das etwas besonders vor sich ging und richteten ihre Blick auf das tanzende Paar, feuerten sie durch Mitklatschen der Melodie an und sangen auch bald den Refrain mit, so dass die Stimmung im Lokal den ersten Höhepunkt des Abends erreicht hatte.
 

Ja ja, in Spanien, da gibt es Mädchen, olé!
braun wie Kastanien, in jedem Städtchen, olé
jedoch bedenke, wenn du sie küsst,
dass man in Spanien schrecklich eifersüchtig ist

Ja ja in Spanien, da gibt es Mädchen, olé
die sind noch frischer als frische Brötchen, olé
jedoch bedenke, wenn du sie küsst
dass man in Spanien schrecklich eifersüchtig
wirklich furchtbar eifersüchtig
ausgesprochen eifersüchtig ist, olé!


Die immer noch verblüffte Ona rang nach Luft, löste sich aus der Umarmung ihres Tänzers und verließ fluchtartig den Raum. Aber dies tat der Stimmung keinen Abbruch. Nun wurden ständig neue Platten gedrückt, Münze für Münze wanderte in den Apparat. Es wurde getanzt, gelacht, gesungen, immer wieder gegessen und alle waren guter Laune. Als aber kurz vor Mitternacht die Tür geöffnet wurde, war die Menge in ihrer Begeisterung nicht mehr zu halten. Herein kam Falk Rickmers, nun hatte er es doch noch möglich machen können, zu erscheinen. Kat erstarrte bei seinem Anblick in Freude, dann aber flog sie ihm buchstäblich in die Arme und unter dem Applaus der Partygäste küssten sich die beiden leidenschaftlich in inniger Umarmung.

Da es kurz vor Mitternacht war, hatten Baby Jane und einige Helfer schon unzählige Sektgläser gefüllt, Pfannkuchen wurden verteilt und mit dem Glockenschlag der Kirchturmuhr zündeten Yeti-Klaus und Kaschi die ersten Feuerwerksraketen, was die Menge ins Freie lockte. Fast zwanzig Minuten wurden zahlreichen Raketen gezündet und der Himmel über der Stadt erstrahlte in allen Regenbogenfarben. Die meisten Paare umarmten sich oder hielten sich an den Händen. Dann kam Bewegung in die Gruppe und unter dem Klirren der Sektgläser wünschte man sich ein gutes neues Jahr.

Würden auch die Forenmanager bald eintreffen? Würde es noch weitere Gesangseinlagen an diesem Abend geben? Wann wird das Geheimnis um Fritzchen endlich gelöst? Sie werden es bald erfahren!

 

Jubel, Trubel, Heiterkeit, 2. Teil (von Paula Tracy)

Eifersüchtig hatte der Pianist den Tanz von Ona und Heinz verfolgt. Was sollte das? Was wollte dieser Typ von Ona? Als Ona rausrannte, folgte er ihr auf dem Fuße.

Auch die Gräfin war wie vor den Kopf geschlagen, hatte sie doch gedacht, in dem Jugendfreund von Kat einen Seelenverwandten gefunden zu haben – und nun machte er plötzlich der Köchin den Hof. War sie ihm nicht hübsch genug? Zu alt? Oder – zu dick? Sie trug Größe 38 – na ja, manchmal waren die Hosen von Peek und Cloppenburg ein wenig eng, ja – doch Ona war eindeutig schlanker. Aber hieß es nicht immer, Männer mochten Frauen, an denen 'was dran war'? Sie stand auf. Sie musste an die frische Luft. Sie ging vorsichtig am Eishaus vorbei (da war es ein wenig glatt, und Yeti-Klaus nahm seine Streupflicht nicht sehr ernst) und sah, wie der Pianist neben dem Müllcontainer die Köchin küsste, die sich das offenbar auch gerne gefallen ließ. Nanu? Helli lächelte. Wenn De Guy und Ona... dann...

Sie ging ein Stück weiter. Da – was war das? Ein Schluchzen drang an ihr Ohr. Da weinte jemand! Oh je – das war ja Snoopy! Die jüngste Einwohnerin (okay, wenn man von Fritzchen absah) von Good News Bay. "Ja Snoopy-Maus, was ist denn los?" Helli nahm das junge Mädchen in den Arm. "Heimweh?" Snoopy nickte. "Ein bisschen. Ich hätte nie gedacht, dass ich die Schule mal vermissen würde. Und meine Eltern... Obwohl mich die anderen total beneidet haben, dass ich für ein Jahr ins Ausland gehen durfte..." "Ja, das Leben ist nicht einfach", flüsterte Helli. "Snoopy, wenn Ninschen und ich in unser Haus ziehen, willst du dann zu uns kommen? Ihr beide habt Euch doch immer gut verstanden?" Snoopy nickte begeistert. "Wenn es denn endlich mal fertig wird!" scherzte Helli. "Die Brauerei ist natürlich wichtiger... Und wegen der Schule, Snoopy: wir werden bald einen Bürgermeister haben, der wird sich schon darum kümmern, dass Du unterrichtet wirst. Deine Eltern werden Dich ja auch bald besuchen kommen, oder nicht?" Richtig zufrieden ging die Gräfin wieder auf das Wirtshaus zu. Merkwürdigerweise schien es ausgerechnet in der Silvesternacht nicht so kalt zu sein. Snoopy eilte zum Feuerwerk und winkte ihr fröhlich zu. Ach ja, wie herrlich es doch war, so jung zu sein.

"Gräfin?" Ihr Gesicht wurde eisig. Das war der Neuankömmling. Wollte er sich jetzt wieder an sie ranschmeißen? Na, nicht mit ihr! Was bildete der sich überhaupt ein? Sie zog eine Augenbraue hoch, etwas, das sie lange vor dem Spiegel geübt hatte und das sie hervorragend beherrschte. Oh ja, sie konnte richtig aristokratisch-hochmütig sein. Und niemand – ja, niemand, würde sie, Helli Gräfin Ermakova, jemals wieder verletzen. Schon gar nicht irgend so ein hergelaufener Jugendfreund von Kat. "Ich habe Sie gesucht." "Nun, Sie haben mich ja gefunden", erwiderte Helli kühl. "Ich habe nicht den Eindruck gehabt, dass Sie mich vermisst haben." "Sie vermissen Ihren Mann offenbar auch nicht", sagte Heinz und sah sie durchdringend an. "Mein Mann geht Sie überhaupt nichts an", antwortete Helli und ging an ihm vorbei auf die Tür des Gasthauses zu, wo sich die anderen inzwischen wieder eingefunden hatten. Heinz zuckte die Schultern. Merkwürdig, sie hatten doch so einen Draht zueinander gehabt die letzte Woche! Und heute sagte Kat ihm, dass sie verheiratet war. Mann! Was war denn das für ein blöder Typ, der sich nie blicken und so eine tolle Frau allein ließ? Der hatte sie doch nicht alle. Aber er machte sich doch wegen so einer nicht zum Narren. Gab ja schließlich noch genügend andere hübsche Frauen. Okay, diese Ona war offensichtlich auch vergeben – hatte er eben nicht gewusst. Miss Scarlet war auch einen Blick wert, aber da sie mit dem Unternehmer liiert war, wäre das wohl ein aussichtsloses Unterfangen gewesen, sie anzugraben. Auch wenn er den Eindruck hatte, dass zwischen den Paaren des Ortes nicht so alles im Lot war, wie man ihm weis machen wollte. Ein Außenstehender sah das vielleicht eher. Die einzigen Paare, wo alles stimmte, waren Baby Jane und ihr Yeti-Klaus und dieses Städteplaner-Architekten-Paar. Aber diese beiden Paare waren wohl auch schon länger zusammen – man merkte, dass die sich blind verstanden. Miss Scarlet und der Unternehmer passten seiner Meinung nach gar nicht zueinander – aber wie sagte man doch so schön: Gegensätze ziehen sich an. Das Arztpaar war auch ein wenig merkwürdig – einerseits merkte man schon, dass da sehr viel Gefühl war, aber beide waren Sturköpfe, und sie stritten sich ständig. Und der Pilot und diese Marjorie... Na ja. Da blickte er nicht so recht durch. Sie wohnte nicht bei ihm – sagte das nicht alles? Und Ona und der Pianist – das war ja wohl das komischste Pärchen von allen. Aber Kat und ihr Falk schienen ja sehr glücklich zu sein. Selten hatte er seine alte Freundin so strahlend gesehen, als ihr Kapitän durch die Tür kam. Er fand zwar, dass er eine Spur zu alt für Kat war, aber fragte Liebe nach dem Alter? Er seufzte und griff nach einer Zigarette. Halt – was sollte das? Er hatte doch aufgehört. Wie lange war das nun schon her?

Drinnen spielte die Musikbox "Tanze mit mir den Morgen". Er hasste das Lied, es war ihm zu sentimental und zu schnulzig, außerdem liebte er schnellere Rhythmen. Aber er würde jetzt da reingehen und die Gräfin auffordern – und er wusste, sie würde nicht nein sagen...

Na, ob da unser Neuankömmling nicht ein wenig zu selbstbewusst war? Und was war nun mit den jungen Forenmanagern? Saßen sie irgendwo fest? Wann würden sie eintreffen? Würden die Frauen noch eine Gegenkandidatin für Yeti-Klaus und Sir Hilary aufstellen können? Warten wir es ab..
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Jubel, Trubel, Heiterkeit, 3. Teil (von cessnaritter)

Nun, diese Silvesternacht war noch längst nicht zu Ende. Heinz hatte es genau richtig festgestellt. Die meisten der Beziehungen untereinander waren längst noch nicht so gefestigt wie es schien. Er war ein erfahrener, weitgereister Mann und kannte vor allem die Frauen. So wie ihn einige gemustert hatten in den letzten Tagen, verschämt, aber doch mit deutlichem Interesse, das schien ihm eindeutig. Richtig eingeschätzt hatte er auf jeden Fall die Beziehung zwischen Baby Jane und ihrem Yeti-Klaus. Er vergötterte sie, das war offensichtlich, und einen Beweis dieser Liebe gab es noch in dieser Nacht.

Nachdem die Silvesterpfannkuchen verspeist worden waren, jeder jedem ein gutes Neues Jahr gewünscht hatte, rief Yeti die Gäste in den Gastraum, wo die Musikbox stand. "Meine lieben Freunde, liebe Gäste und mein herzallerliebstes Baby... es ist mir gelungen, für eine weitere Überraschung zu sorgen! Für uns alle zur Erinnerung an unsere deutsch-österreichische Heimat, besonders aber für Baby, präsentiere ich Ihnen nun die bayrisch-steirische Schuhplattlergruppe "Plattfuß", die gerade auf großer USA-Tournee sind. Ich konnte sie bewegenm für einen Auftritt nach Goodnews Bay zu kommen, um für uns ein wenig Heimatgefühl zu erwecken. Bitte um einen herzlichen Applaus für unsere Künstler!" Beifall brandete auf, Baby Jane trat mit Tränen in den Augen gerührt zu ihrem Yeti-Klaus und schmatzte ihn stürmisch ab. "Mein Yeti..." flüsterte sie ergriffen.

Und da kamen sie auch schon: 10 stramme junge Burschen in Trachtenhemden, Krachledernen mit Hosenträgern und flotten Gamsbarthüten. Jodelnd und jauchzend betraten sie die freigeräumte Tanzfläche, Yeti drückte an der Musikbox die Nummer C5 und dann ging es los:
 

Auf der Gamsbockalm....bockalm
ist Sennerball
und das Echo klingt... ja klingt
hinab ins Tal
und der Huber Franz... ja Franz
mit 70 Jahr'
legt ein Solo hin... ja hin
ganz wunderbar

Und die Sennerband
spielt herrlich dazu
und es packt der Takt
auch den Ochs und die Kuh
und der tolle Rhytmus packt sie alle im Nu
Klingeling klingeling klingeling klingeling
du-du-du

 

Dann sprangen die Burschen im Kreis und schuhplattlerlten, was das Zeug hielt, jodelten in den höchsten Tönen, und die Zuschauer, die im Kreis um die Tänzer ständen, klatschten im Takt mit, und es gab viele feuchte Augen, besonders bei den rot-weiß-roten und den bayrischstämmigen Gästen. und dann grölte der ganze Saal sangesfreudig mit.

Auf der Gamsbockalm.... bockalm
ist Sennerball
und das Echo klingt... ja klingt
hinab ins Tal


 

Die Damen waren besonders angetan von den Alpenburschen, die in ihren kurzen Lederhosen ihre gebräunten, muskulösen Waden präsentierten (die Muskeln kamen zweifellos vom Tanzen). Besonders einer fiel auf, der auch der Leiter der "Plattfüße" zu sein schien. Der hatte seinerseits schnell ein Auge auf Paula geworfen, und nach dem Auftritt scharten sich ohnehin die österreichischen Frauen um die Künstler. So kam auch Miss Scarlet, die Wienerin in ein langes Gespräch mit einem der Burschen, der, wie sich herausstellte, gar kein echter Steirer war, sondern in Wirklichkeit ein Wiener, aus der Josefstadt, aus der Lederergasse, und so tauschten die beiden bald Heimaterinnerungen aus. Ona, die Köchin, war immer noch aufgewühlt vom Tango mit Heinz, der erste Schreck war verflogen und immer wieder versuchte sie im Laufe der Nacht, einen prüfenden Blick auf Kats Jugendfreund zu werfen.

Paula hatte des Doktors finsteren Blick bemerkt, als der fesche Trachtentänzer an seine Braut herangetreten war, um sie zu einem Walzer aufzufordern. Einerseits freute sie sich zwar über die offene Eifersucht des Doktors, aber andererseits war sie schließlich ein freier Mensch und wiegte sich daher gleich danach in den Armen des großen, dunkelhaarigen Mannes. Er tanzte wirklich gut... und sie musste es sich eingestehen, dass sie sich in den Armen dieses ihr völlig fremden Mannes wohlfühlte. Gedankenverloren tanzte sie mit ihm, dann kam ihr zu Bewusstsein, dass sie gerade darüber nachgedacht hatte, wie es wohl sein würde, von diesem feschen Kerl geküsst zu werden oder gar mit ihm....Paula, reiß dich zusammen, dachte sie, straffte ihren Rücken und hielt wieder etwas auf Abstand... aber auch nicht zuviel Abstand....

Welche Überraschungen würde es noch in dieser denkwürdigen Silvesternacht geben? Immer neue Verwicklungen scheinen sich aufzubauen. Lesen sie auch weiterhin mit!!!

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