13. Folge: Das Wunder der Weihnachtsnacht, Teil 1 (von cessnaritter)

Nach dem Gottesdienst versammelte sich die ganze Gemeinschaft vor der Kirche, etwas ratlos darüber, auf welche Weise man den heiligen Abend und die heilige Nacht verbringen konnte. Da trat Baby Jane hervor und verkündete freudestrahlend: "Was haltet Ihr davon, wenn wir jetzt alle ins 'Good News Baby's' gehen?" Erstauntes Murmeln der Menge quittierte ihre Frage. Noch gestern war die Kneipe eine einzige Baustelle gewesen. Baby Jane ahnte, warum die anderen so zögerlich reagierten, und sie rief aus: "Keine Angst, Leute, meine Leute und ich und vor allem der unermüdliche Yeti-Klaus haben in einer Marathonleistung die Umbauten und Renovierungsarbeiten geschafft, nachdem die Heizung in Gang gebracht wurde, war es nur noch halb so mühselig. Bier haben wir jetzt auch und ein paar Sachertorten haben wir auch schon aufgetaut."

Ein freudiges Raunen erfüllte daraufhin den Platz und alle zogen unter fröhlichem Schwatzen und Kichern hinüber in die Main Street ins "Baby's". Der Anblick, der sich der Gruppe bot, ließ alle ehrfürchtig verstummen. Andächtig ließen alle ihre Blicke durch den Raum schweifen. Es gab einen gemütlichen Gastraum mit Tischen, an denen jeweils vier Stühle standen, die Tische waren mit rot-weiß-karierten Tischdecken gedeckt. Von der holzgetäfelten Decke hingen zahlreiche rustikale Lampen in Form von Petroleumlampen herab (natürlich mit elektrischen Glühbirnen bestückt) und verbreiteten ein warmes, gemütliches Licht, und an der Wand hinter den Tischen hingen zwei große Flaggen gespannt, eine rot-weiß-rote und eine schwarz-rot-goldene. Einige der Anwesenden bekamen beim Gedanken an die alte Heimat feuchte Augen, aber Baby steckte mit ihrer Begeisterung alle an. - "Nun Leute, das Wiener Caféhaus im Nachbarzimmer wird zwar erst morgen geöffnet, aber die Gänse schmoren schon in der Küche, unsere Ona ist fleißig dabei, für unser Wohl zu sorgen, dazu gibt es Unmengen von Rotkohl, Grünkohl, Kartoffeln und Klöße!" Ja, man konnte den Duft, der aus den Küchenräumen in die Gaststube drang, deutlich wahrnehmen. Die Tische waren festlich eingedeckt, die Festtagsteller hatten alle einen Goldrand, die Gläser blinkten so klar, dass jeder Nachbar begeistert gewesen wäre, und auf jedem Tisch brannte eine Kerze in einem Leuchter. Der Yeti-Klaus stand hinter der Bar am anderen Ende des Raumes und füllte die Gläser mit Bier, Wein und anderen Getränken. "Nun wollen wir erst einmal einen guten Schluck zu uns nehmen!" rief er aus. "Heute geht alles aufs Haus!" Baby Jane zuckte einen Moment heftig zusammen, aber dann beschloss sie, an diesem Abend beim Essen den doppelten Preis zu verlangen oder zumindest einen deftigen Aufschlag, dann würde das schon wieder hereinkommen. Trotzdem warf sie Yeti einen kritischen Blick zu, der aber blinzelte nur schelmisch, als wollte er sagen: 'Nun komm Baby, heute ist Weihnachten!' Da lachte auch sie.

Nun begann die fröhlichste Feier, die der kleine Ort je gesehen hatte. Alle waren ausgelassen, die Mädchen erzählten von ihrer abenteuerlichen Bahnfahrt, die verhinderten Goldsucher wurden mit feinem Spott bedacht, und als die Musicbox in Gang gesetzt wurde, gab es kein Halten mehr. Die Menge wiegte sich zu den Klängen des Schneewalzers oder grölte fröhlich mit, wenn zum wiederholten Male "White Christmas" gedrückt wurde. Um Mitternacht läuteten vom Kirchturm noch einmal die Glocken und alle traten in die sternklare Nacht hinaus und wurden ganz still. Der Zauber der heiligen Nacht umfing sie, jeder hing seinen Gedanken nach, viele hatten sich umarmt. Dann geschah das Besondere. Eine Sternschnuppe zog über den weihnachtlichen Nachthimmel, zog einen gewaltigen Schweif hinter sich her.
Da schlossen fast alle die Augen und wünschten sich etwas. Es gab ja so viele Hoffnungen und Träume in Good News Bay, nicht nur in dieser Nacht, sondern an vielen Tagen. Welche würden sich erfüllen, welche nicht? Nun, wir werden es erleben.


Nachdem die Glocken verstummt waren, gingen alle ins Lokal zurück und feierten munter weiter, wobei sich jetzt kleine Grüppchen bildeten, Pärchen zogen sich wie Tauben in Ecken zurück, zum Schnäbeln und Gurren.

Unerwartet sprang die Tür auf und ein Fremder stand im Eingang, dick vermummt, schneebedeckt und im Arm hielt er ein Bündel. Ein Fremder aus den unwirtlichen kalten Wäldern der Wildnis Alaskas. Alle verstummten erschrocken und starrten auf den Neuankömmling. Wer war es? Man konnte nichts erkennen, außer seinen Augen, die unstet und unruhig flackernd in den Raum blickten. Er schien es kaum zu glauben, dass er einen sicheren und vor allem warmen Ort erreicht hatte. Als er wankend und unsicher auf die Bar zusteuerte, bildeten die Anwesenden unwillkürlich eine Gasse, durch die er sich mit schweren Schritten bewegte, das Bündel wie einen Schatz vor sich tragend. Vorsichtig legte er es wie ein rohes Ei auf den Tresen. Dann brach er ohnmächtig zusammen. Baby Jane betrachtete das Bündel, irgendetwas war in Stoffbahnen eingewickelt. Sie zog ein Stück Stoff beiseite. Überrascht schrie sie auf: "Ein Baby!"

Es bleibt spannend in Good News Bay! Wer ist der geheimnisvolle Fremde? Wem gehört das Baby? Wer bekommt die Reste vom Weihnachtsessen? Schalten Sie auch nach den Feiertagen wieder ein!

 

Das Wunder der Weihnachtsnacht, Teil 2 (von Baby Jane)

Aus den Tüchern guckten zwei blanke braune Äuglein munter den neugierigen Gesichtern der Auswanderer entgegen. Das Kind hatte rote Backen und einen goldenen Flaum am Kopf. Dr. Few Master schob mit kundigem Ärztegriff die Windel diskret für einen Moment beiseite und verkündete: "Es ist ein Knabe!"

Miss Tracy eilte hinter die Bar, wo sie ihr Tierarztköfferchen verstaut hatte, und entnahm ihm ein kleines Fläschchen, mit welchem sie schon so manches Tierbaby gefüttert hatte. Gemeinsam mit Ona eilte sie in die Küche. Es galt, den Sauger zu desinfizieren und die Flasche auszukochen. Ona wärmte Milch.

Währendessen wurde der kleine Neuankömmling in Decken gewickelt. Miss Scarlet setzte sich zum (dank Xhosa) wärmenden Ofen und wiegte das Kind auf ihrem Schoß. Die Gräfin, selbst eine Mutter und auf diesem Gebiet daher sehr erfahren, musterte die Gesichtszüge des Kleinen aufmerksam, ja prüfend. "Diese Nase", murmelte die Gräfin vielsagend, "diese Nase ... ganz der Papa ..."

Es wurde sehr still in der Kneipe. Alle Augen waren auf die kleine Stupsnase des Kindes gerichtet. Sodann wanderten die Blicke zur Bar, wo die Männer von Good News Bay mit ihren Bieren standen und auf das Weihnachtskind anstießen. Darunter Cessnaritter, Yeti-Klaus, Kaschi, Few Master, Reggae Gandalf ... Und tatsächlich: Einer von ihnen hatte jenes reizende Näschen, das sich auch im Gesicht des mittlerweile zufrieden schmatzend an seinem Fläschchen nuckelnden Säuglings befand.

 

Das Wunder der Weihnachtsnacht, Teil 3 (von Paula Tracy)

"Ach was, das ist Zufall", murmelte der Unternehmer. "Haben Babys nicht alle Stupsnasen? Ihr seht Gespenster. Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass einer von uns der Vater ist? Wahrscheinlich ist der Mann selbst der Vater." "Helft mir lieber mal mit dem Mann!" rief der Doktor. "Er ist völlig unterkühlt – wahrscheinlich kein Einheimischer. Er braucht was zum Trinken." Thorax wollte ihm einen Bierkrug reichen, doch Few Master winkte ab. "Kein Bier – entweder was warmes oder einen Schnaps. Baby, haben wir einen steifen Grog?" Baby Jane nickte und begab sich ebenfalls in die Küche, wo Ona und Paula gerade das Fläschchen fertig hatten. "Wir gehen am besten mit dem Kind nach oben", meinte Ona. "Hier in der Gaststube ist es zu laut. Das arme Kleine!" "Es kann heute nacht bei Yeti-Klaus und mir schlafen", sagte Baby Jane. "So ein winziges kleines Hascherl! Hach ja, wenn Falk und ich damals..." "Lass das bloß Deinen Klausi nicht hören", mahnte Paula. "Wir gehen nach oben. Schickst Du Scarlet mit dem Kleinen in mein Zimmer?" Baby Jane nickte und begann mit der Zubereitung des Grogs für den Fremden.

Der wurde inzwischen draußen aus seinem wattierten Anorak befreit. "Er muss schon tagelang unterwegs sein", murmelte Yeti-Klaus. "Der arme Kerl." Er klopfte ihm behutsam auf die Wange. "Hello stranger, can you hear me?" Die anderen lächelten. Kat kam näher und nahm den Fremden in Augenschein. Ihre Augen wurden groß. "Aber... Das ist ja... Nein, das kann nicht sein..." "Was ist los, Kat?" Xhosa wurde aufmerksam. "Kennst Du ihn vielleicht?" "Unsinn!" sagte Werderaner. "Woher soll Kat diesen Fremden kennen?" "Ich kenne ihn", flüsterte Kat. "Aber das kann doch nicht sein. Meine Güte, wo kommst Du denn jetzt her?" Sie beugte sich über den Fremden, der die Augen aufschlug. "Kat", murmelte der Fremde. "Kat! Endlich habe ich Dich gefunden..."

"Na, das ist ja wohl kaum Falk Rickmers", sagte Ninschen zu ihrer Mutter. "Die heilige Kat hat wohl noch eine Vergangenheit, wie mir scheint. Und der reist ihr sogar nach Alaska hinterher." "Ach wie romantisch!" seufzte die Gräfin. "Und so ein attraktiver Mann! Das sehe ich sogar durch diesen struppigen Bart hindurch. Hätte ich schon einen Frisiersalon, würde ich ihm als erstes dieses Gestrüpp abnehmen..."

Wer war dieser Mann? Und was wollte er von Kat? Gehörte das Kind zu ihm, oder hatte er es nur gefunden? Wer war die Mutter des Kindes? Und wann würde die Gräfin ihren Salon eröffnen und dem Fremden den Bart abnehmen? Es bleibt spannend!

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