
| 13. Folge: Das
Wunder der Weihnachtsnacht, Teil 1 (von cessnaritter)
Nach
dem Gottesdienst versammelte sich die ganze Gemeinschaft vor der Kirche,
etwas ratlos darüber, auf welche Weise man den heiligen Abend und die
heilige Nacht verbringen konnte. Da trat Baby Jane hervor und verkündete
freudestrahlend: "Was haltet Ihr davon, wenn wir jetzt alle ins 'Good News
Baby's' gehen?" Erstauntes Murmeln der Menge quittierte ihre Frage. Noch
gestern war die Kneipe eine einzige Baustelle gewesen. Baby Jane ahnte,
warum die anderen so zögerlich reagierten, und sie rief aus: "Keine Angst,
Leute, meine Leute und ich und vor allem der unermüdliche Yeti-Klaus haben
in einer Marathonleistung die Umbauten und Renovierungsarbeiten geschafft,
nachdem die Heizung in Gang gebracht wurde, war es nur noch halb so
mühselig. Bier haben wir jetzt auch und ein paar Sachertorten haben wir auch
schon aufgetaut."
Nun
begann die fröhlichste Feier, die der kleine Ort je gesehen hatte. Alle
waren ausgelassen, die Mädchen erzählten von ihrer abenteuerlichen
Bahnfahrt, die verhinderten Goldsucher wurden mit feinem Spott bedacht, und
als die Musicbox in Gang gesetzt wurde, gab es kein Halten mehr. Die Menge
wiegte sich zu den Klängen des Schneewalzers oder grölte fröhlich mit, wenn
zum wiederholten Male "White Christmas" gedrückt wurde. Um Mitternacht
läuteten vom Kirchturm noch einmal die Glocken und alle traten in die
sternklare Nacht hinaus und wurden ganz still. Der Zauber der heiligen Nacht
umfing sie, jeder hing seinen Gedanken nach, viele hatten sich umarmt. Dann
geschah das Besondere. Eine Sternschnuppe zog über den weihnachtlichen
Nachthimmel, zog einen gewaltigen Schweif hinter sich her.
Unerwartet sprang die Tür auf
und ein Fremder stand im Eingang, dick vermummt, schneebedeckt und im Arm
hielt er ein Bündel. Ein Fremder aus den unwirtlichen kalten Wäldern der
Wildnis Alaskas. Alle verstummten erschrocken und starrten auf den
Neuankömmling. Wer war es? Man konnte nichts erkennen, außer seinen Augen,
die unstet und unruhig flackernd in den Raum blickten. Er schien es kaum zu
glauben, dass er einen sicheren und vor allem warmen Ort erreicht hatte. Als
er wankend und unsicher auf die Bar zusteuerte, bildeten die Anwesenden
unwillkürlich eine Gasse, durch die er sich mit schweren Schritten bewegte,
das Bündel wie einen Schatz vor sich tragend. Vorsichtig legte er es wie ein
rohes Ei auf den Tresen. Dann brach er ohnmächtig zusammen. Baby Jane
betrachtete das Bündel, irgendetwas war in Stoffbahnen eingewickelt. Sie zog
ein Stück Stoff beiseite. Überrascht schrie sie auf: "Ein Baby!"
Das Wunder der Weihnachtsnacht, Teil 2 (von Baby Jane)
Aus
den Tüchern guckten zwei blanke braune Äuglein munter den neugierigen
Gesichtern der Auswanderer entgegen. Das Kind hatte rote Backen und einen
goldenen Flaum am Kopf. Dr. Few Master schob mit kundigem Ärztegriff die
Windel diskret für einen Moment beiseite und verkündete: "Es ist ein Knabe!"
Das Wunder der Weihnachtsnacht, Teil 3 (von Paula Tracy) "Ach was, das ist Zufall", murmelte der Unternehmer. "Haben Babys nicht alle Stupsnasen? Ihr seht Gespenster. Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass einer von uns der Vater ist? Wahrscheinlich ist der Mann selbst der Vater." "Helft mir lieber mal mit dem Mann!" rief der Doktor. "Er ist völlig unterkühlt – wahrscheinlich kein Einheimischer. Er braucht was zum Trinken." Thorax wollte ihm einen Bierkrug reichen, doch Few Master winkte ab. "Kein Bier – entweder was warmes oder einen Schnaps. Baby, haben wir einen steifen Grog?" Baby Jane nickte und begab sich ebenfalls in die Küche, wo Ona und Paula gerade das Fläschchen fertig hatten. "Wir gehen am besten mit dem Kind nach oben", meinte Ona. "Hier in der Gaststube ist es zu laut. Das arme Kleine!" "Es kann heute nacht bei Yeti-Klaus und mir schlafen", sagte Baby Jane. "So ein winziges kleines Hascherl! Hach ja, wenn Falk und ich damals..." "Lass das bloß Deinen Klausi nicht hören", mahnte Paula. "Wir gehen nach oben. Schickst Du Scarlet mit dem Kleinen in mein Zimmer?" Baby Jane nickte und begann mit der Zubereitung des Grogs für den Fremden.
Der
wurde inzwischen draußen aus seinem wattierten Anorak befreit. "Er muss
schon tagelang unterwegs sein", murmelte Yeti-Klaus. "Der arme Kerl." Er
klopfte ihm behutsam auf die Wange. "Hello stranger, can you hear me?" Die
anderen lächelten. Kat kam näher und nahm den Fremden in Augenschein. Ihre
Augen wurden groß. "Aber... Das ist ja... Nein, das kann nicht sein..." "Was
ist los, Kat?" Xhosa wurde aufmerksam. "Kennst Du ihn vielleicht?" "Unsinn!"
sagte Werderaner. "Woher soll Kat diesen Fremden kennen?" "Ich kenne ihn",
flüsterte Kat. "Aber das kann doch nicht sein. Meine Güte, wo kommst Du denn
jetzt her?" Sie beugte sich über den Fremden, der die Augen aufschlug.
"Kat", murmelte der Fremde. "Kat! Endlich habe ich Dich gefunden..." |