Augsburger Puppenkiste
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Kurz vor Weihnachten 1964 erfuhr ich, dass es im Dorf Holleschitz einen sprechenden Kater gab – den Kater Mikesch! Der hatte dieselbe faszinierende Fistelstimme wie zuvor der Dachs von Oblong. Auch Holleschitz war eine kleine, überschaubare Welt. Da gab es Schusters Pepik, der Mikesch das Sprechen gelehrt hatte, seine Großmutter, den Leierkastenmann Babaschek ("Leute, höööret die Geschichte …"), den Hund Sultan, den Flegel Tonda, das Schwein Paschik, das so lustig mit den Augen rollen konnte, den Ziegenbock Bobesch und später das junge und etwas ungeschickte Kätzchen Maunzerle. Die letzten drei hatten gleichfalls die menschliche Sprache erlernt. Nur Sultan nicht – wieso eigentlich der nicht auch, fragte ich mich. Das fand ich ungerecht. Aber vielleicht war Sultan einfach zu schlau, um sich auf sowas einzulassen. Wer weiß das schon? Fasziniert hat mich das funkensprühende "Motorradl", das Mikesch und Paschik nach der Machowitzer Kirchweih statt ihres Schubkarrens vorfinden. Doch wie Jim und Lukas mußte auch Mikesch seine geliebte Heimat verlassen (das Drama um den Rahmtopf) und hinaus in die "weite, weite Welt". |
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Geschrieben wurden die Mikesch-Abenteuer vom Schwejk-Illustrator Josef Lada. Vermutlich avancierte in den 60er Jahren Mikesch zur populärsten Figur der Puppenkiste, denn er tauchte später erneut auf, in den Magazin-Sendungen "Ich wünsch mir was" und "Wir warten aufs Christkind", jeweils mit der Fernsehansagerin des Hessischen Rundfunks, Hilde Nocker. 1976 gab es dann noch per Einteiler die "Geschichten aus Holleschitz". Später jedoch geriet er etwas in Vergessenheit. 1985 gab es eine Farbversion mit neuen Puppen, Kulissen und vor allem neuen Stimmen. Max Bößl war Anfang der 70er Jahre verstorben. Doch die Neuauflage erreichte keineswegs die Popularität der Schwarzweißfassung. |
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Ein weiteres Jahr später, 1965, saßen meine Schwester und ich geschlagene zwei Stunden vor dem Testbild! Wir warteten auf die neue Serie der Puppenkiste "Der Löwe ist los!" Allerdings hatten wir uns im Wochentag geirrt … Die Liebe ging schon sehr tief!
Die
Löwen-Geschichten von Max Kruse wurden gleich dreimal als Mehrteiler
gesendet: "Der Löwe ist los!"(1965), dann "Kommt ein Löwe geflogen" (1966)
und schließlich "Gut gebrüllt, Löwe!" (1967). Zur ersten Staffel fällt mir
zunächst Herr Dreipfennig, der Brückenwärter, ein, der ständig aus Angst vor
dem Löwen auf seiner Ziehbrücke hin- und herlief und sie danach rauf- oder
runterzog. Geholfen hat es ihm nichts … Darüber hinaus gab es ein
regelrechtes Sammelsurium an Figuren: die Geschwister Kim und Pips aus der
kleinen Stadt Irgendwo, den Tierarzt Doc mit seinem knatternden Flugzeug,
Frau Wißtihrschon, Totokatapi und Tralala, den kleinen, aber gewitzten Pudel
Wu, den Raben Ra, die Möwe Mö, die Ziege Zie, den Kater Schipp, den Kakadu
Ka ("Ich bin kein Papagei, ich bin ein Kakadu!"), Onkel Guckaus und Onkel
Schluckauf von der Leuchtturminsel, die Papageienfresserinsel mit Nenepapa,
Nenemama und Nenekiki, und zum Schluss in Sultanien den molligen, aber
leicht vertrottelten Sultan, sein weises, aber überängstliches Kamel und den
bösen Großwesir mit seinen Verschwörern. "Die Welt, sie hält den Atem an,
die Leute sind entsetzt …" |
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