Augsburger Puppenkiste

28.05.11

 

von einem der größten Puppenkiste-Fans aller Zeiten - von Kaschi


Es geht los! Die Zauberkiste öffnet sich
(Copyright der Fotos: Hessischer Rundfunk)

Die Augsburger Puppenkiste war das Schönste! So sehr ich auch Lassie, Rin Tin Tin, Hucky und Yogi Bär liebte, über die rotbraune Holzkiste ging nichts! Die Mehrteiler kamen nur einmal im Jahr - das waren Festtage nach langer Wartezeit! Immer im Winter, meistens in der nasskalten Adventszeit, angesagt von Hilde Nocker vom Hessischen Rundfunk – sobald die Kiste ihre beiden "Türen" öffnete,  taten sich magische Welten vor meinen Kinderaugen auf!

Von den Mumins (1959-61) habe ich noch nichts mitgekriegt. Meine ersten Erinnerungen setzen bei "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" ein, 1961 noch in schwarzweiß. Ein Jahr später folgte die Fortsetzung "Jim Knopf und die Wilde 13". - Lummerland! Eine kleine, klitzekleine, sehr übersichtliche Welt, die hauptsächlich aus Eisenbahnschienen bestand (wie später meine Lego-Eisenbahn). Auf denen flitzten Lukas und Emma permanent von links nach rechts, vor und zurück, rauf und runter, quer über die Insel. Wozu eigentlich? Egal – Hauptsache, sie waren da! Genauso wie Herr Ärmel, der dauernd fotografierte, wie Frau Waas mit ihrem Einkaufsladen und wie König Alfons der Viertelvorzwölfte. Was für ein majestätischer Name!

 

 

Zu Besuch kam regelmäßig der Briefträger mit seinem Postboot, das auf dem Plastikfolienmeer nur so dahin sauste. Jims Nachname Knopf fand ich ausgesprochen witzig: um nicht ständig Löcher in Jims Hose flicken zu müssen, hatte Frau Waas einfach einen Knopf dran genäht. Knöpfte man das Loch auf, so war es da – knöpfte man es wieder zu, war es weg! Genial! Später bekam Emma ein Kind: eine kleine Lokomotive für Jim namens Molly. Die Frage, wer der Vater war, wurde stillschweigend übergangen … Alles übrige aber wurde erzählt von einer sehr freundlichen Stimme, die viel Wärme ausstrahlte (Manfred Jenning). Dann die drolligen Figuren, auf die Jim und Lukas unterwegs trafen: der kleine Pingpong aus China, der zwar noch Windeln trug, aber schon unglaublich gut rechnen konnte, der Halbdrache Nepomuck, dessen Mutter ein Nilpferd war (aber sein Vater war ein richtiger Drrrrache!!!), die Meerjungfrau Sursulapitschi, die mit ein paar tausend Jahren noch ziemlich jung war, Prinzessin Li Si, der Kaiser von China, Frau Mahlzahn mit ihrer Drachenschule, die Piraten der Wilden 13, die tatsächlich nur aus 12 Brüdern bestanden, ohne es zu wissen, und natürlich der ängstliche Scheinriese Herr Tur Tur, der sich vereinsamt in die Wüste zurückgezogen hatte.

 

Der Magnetberg im Barbarischen Meer brachte Lukas auf die sensationelle Idee, das Perpetumobil zu erfinden. Das brachte mich richtig zum Grübeln, als ich ein paar Jahre später die beiden Bücher von Michael Ende las. Meine dementsprechenden Fragen an meine Eltern konfrontierten mich plötzlich mit dem Energieerhaltungssatz, was mich ziemlich desillusionierte! So ein Perpetumobil wäre schon klasse gewesen! 

1977 und 1978 wurden die beiden Jim-Knopf-Mehrteiler neu aufgelegt, diesmal in Farbe. Zum Glück orientierte man sich stark an der Schwarzweiß-Fassung: die meisten Puppen kamen erneut zum Einsatz, auch viele Kulissen, insbesondere die Lummerland-Insel. Ich war längst den Kinderschuhen entwachsen, arbeitete inzwischen meinerseits mit Kindern und konnte voller Freude sehen, dass Jim Knopf und Lukas auch eine spätere Generation begeisterten … "Eine Insel auf zwei Bergen" ist seither Allgemeingut. Mir gefällt das Piratenlied aber mindestens genauso gut: "13 Kerle auf dem Totensarg! Hojaho hejaho! Soffen drei Tage, denn der Schnaps war stark! Hojaho hejaho! Als dann leer war das Fass mit dem Schnaps, jaaa, hatten sie alle einen Klaps!"

 



Lummerland

 


 Der feuerspuckende Drache!

Ein Jahr, nachdem Jim Knopf sich mit Frau Mahlzahn und der Wilden 13 versöhnt hatte, spuckte erneut ein Drache in der Puppenkiste Feuer! Und der wirkte doch um einiges bedrohlicher als die Kummerland-Pädagogin! Auf der Bolligru-Insel sorgte nicht nur der gleichnamige Baron  für Angst und Schrecken unter der Bevölkerung, sondern auch ein gefräßiger Lindwurm! Und diesen beiden Finsterlingen sollte ein kleiner, dicker Ritter namens Oblong Fitz Oblong Einhalt gebieten! Wie schlecht es den Leuten gehen musste, wurde mir so richtig deutlich, wenn sie ihr Klagelied anstimmten: "Der Herr von Bolligru -  lässt uns keine Ruh, quält uns immerzu, dieser Bolligru!! Ach, käm' doch endlich einer, ein Feiner, oho, und klopfte diesem Bolligru im Nu den Po!" Der Eiermaler Obidiah Hoppelpopp gab auf seiner Klampfe den für mich ersten Protestsong zum Besten …

 

Meine jüngere Schwester hielt es nicht im Wohnzimmer aus, wenn der böse Drache mit seiner drohenden Stimme nahte. Ich hingegen hielt mit meinen damals 5 Jahren mannhaft stand – und fühlte mich entsprechend stark! Mich konnten offensichtlich selbst die fürchterlichsten Ungetümer nicht aus dem Fernsehsessel verjagen … 

Nun, Oblong sorgte gemeinsam mit seinen Tieren, einem Dachs mit Fistelstimme (Max Bößl), einer schwarzschillernden Dohle mit nerviger Piepsstimme (Margot Schellemann) und einem kleinen, gezähmten, rosa Drachen dafür, daß wieder Friede herrschte auf der Bolligru-Insel. Die Verfilmung basierte auf einem Kinderbuch von Robert Bolt.

 


"Der Herr von Bolligru quält uns immerzu ..."

 

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