... da lass dich ruhig nieder...


Der erste Wirt: Otto Höpfner moderierte 74 Sendungen

Es war wohl von allem etwas, denke ich. Klar, damals war ich nicht sehr begeistert davon, der "Blaue Bock" stellte so ziemlich alles dar, was ich als "spießig" empfand. Insofern dürfte er bei der jüngeren Generation tatsächlich nicht sehr beliebt gewesen sein.

Der Blaue Bock war eine fiktive Kneipe irgendwo im Hessischen, man saß auf Holzbänken, der Äppelwoi kam aus Krügen, jemand sang - und es war leicht mitzusingen und zu schunkeln - es war so eine Art Volksfestatmosphäre, und die Leute, die dort saßen, mochten das. Das kam auch über den Bildschirm rüber in die Wohnzimmer, und da war ja auch noch der Moderator (damals noch Conferencier genannt!), dem man den Spaß an der Sache ebenfalls anmerkte. Dann noch die Zeit, in der der Blaue Bock entstand: es war 1957, als er erstmals gesendet wurde. Das Fernsehen war ein neues Medium, die Sendung eine Sensation! Die folgenden Informationen entstammen diversen Webseiten, u. a. der Wikipedia, steffi-line.de sowie der Dokumentation über "50 Jahre Blauer Bock" vom Hessischen Rundfunk.

 


Wie oft mag Karin Tietze-Ludwig wohl
den Blauen Bock angesagt haben?


Als das Farbfernsehen noch etwas
besonderes war...


Frauen an die Macht - und die Wirtin
war die Chefin!

 

Der Blaue Bock ging erstmals am 3. August 1957 auf Sendung, dies geschah im Rahmen einer Funkausstellung in Frankfurt, und es war eine spontane Idee, eine hessische Kneipe dort aufzubauen. Otto Höpfner, der durch eine Radiosendung bekannt wurde, gab den Wirt, und die Sendung wurde von Anfang an ein großer Erfolg. 1966 übernahm Heinz Schenk, der zuvor dort schon als Kellner, gemeinsam mit Reno Nonsens, aufgetreten war. Otto Höpfner soll diesen Schritt, den Blauen Bock aufgegeben zu haben, sehr bereut haben, denn er war nach dem Blauen Bock nicht mehr erfolgreich. Heinz Schenk aber dagegen erbte praktisch eine Goldgrube. Anders als Otto Höpfner präsentierte er sich als Geschäftsführer, Lia Wöhr wurde als Wirtin engagiert und als ewig nörgelnder Oberkellner blieb Reno Nonsens erhalten.

Heinz Schenk wurde durch den Blauen Bock auch außerhalb Hessens (im Grunde genommen war er ja gar kein Hesse, sondern Mainzer!) sehr bekannt und sehr beliebt. Noch heute - 20 Jahre nach der letzten Sendung und im Alter von 83 - assoziiert man mit ihm den Vorzeigehessen.


Einsendeschluss für den... Ach nein, das
war ja eine andere Sendung...

 


Ein Loch ist im Eimer, oh Henry,
oh Henry, ein Loch ist im Eimer...


Heut' ist Karneval in Knieritz an der  Knatter - Prinz Ernst Hilbich


Gefühlte 200mal dabei:
das Medium-Terzett

 


Ein Hesse und ein Holländer im Karnevalsfieber -
Herr Schenk, in die Bütt!

Doch Heinz Schenk moderierte ja nicht nur - er schrieb alle Sketche und Liedtexte selbst, fast alle Ideen zu den Auftritten in der Sendung stammten von ihm. Und seine Gäste kamen gern - selbst wenn sie dafür das große Opfer bringen und singen mussten, für den "Blauen Bock" nahm man das in Kauf. Und obendrein gab's als Dank einen Bembel (einen Keramikkrug für Äppelwoi). Es soll Künstler geben, die 15 und mehr davon zu Hause stehen haben.

Wie lief so ein typischer Blauer Bock ab? Nun, sich hier zu erinnern fällt leicht, denn die Reihenfolge war so verlässlich wie die Tagesschau um 20.00 Uhr: zunächst kam ein Vorspannfilm - Heinz Schenk besang die jeweilige Stadt, in der man zu Gast war, oft in historischen Kostümen. Dann die Begrüßung: Heinz Schenk versicherte, dass man nirgendwo so gerne ist wie in eben dieser Stadt, Franz Grothe und die Wirtin wurden vorgestellt - und dann kam das langweiligste überhaupt... Oper oder Operette! Und es waren große Stars, die dort auftraten: Anneliese Rothenberger, René Kollo, Peter Hofmann, um nur einige zu nennen. Alle gaben dem Blauen Bock die Ehre.

 

Nach dem Opernteil wurde dann meist munter mit dem Bürgermeister der jeweiligen Stadt geplaudert, dieser brachte oft ein kleines Gastgeschenk mit. Und dann wurde es lustig: Reno Nonsens war entweder mal wieder faul und unwillig oder hatte eine "tolle" neue Idee, und die Frau Wirtin musste ihn in die Schranken weisen.

Bis  zum großen Finale gab es dann einige Auftritte von Sängern, Schauspielern oder Sportlern, die etwas gemeinsam hatten (ein Hobby, einen Vornamen, einen Hund, ein Geburtsland - es gab etliche Variationen). Alle sangen mehr oder weniger falsch - oft unterstützt vom Günter-Kallmann-Chor. Dazu gab es Themenstammtische, an denen oft auch Prominente saßen. Das Medium-Terzett war so oft zu Gast, dass man schon dachte, die gehören dazu ...  Ja, und sie gehörten wirklich dazu!

1987 schloss der Blaue Bock seine Pforten. Heute noch zählt er zu den erfolgreichsten Sendungen des Hessischen Rundfunks.


Anneliese Rothenberger gab sich die Ehre

 


Auch auf der Enterprise gastierte
der Blaue Bock


"Betriebsversammlung" - eine der frühen
Sendungen mit Heinz Schenk


"Gastarbeiter": Bata Illic, Ireen Sheer,
Edina Pop, Howard Carpendale

 


Lia Wöhr und Heinz Schenk bei der letzten
Sendung 1987: sichtlich gerührt verfolgen
sie das Lied des Städtechors, der aus allen
Bürgermeistern der Städte bestand, in denen
der "Blaue Bock gastierte.

Als der "Blaue Bock" vor ein paar Wochen sein 50jähriges Jubiläum feierte und somit einige alte Folgen und ein Rückblick zu sehen waren, war es klar, dass ich mir das aus nostalgischen Gründen "antun" musste. Ich bin immer noch kein Fan - es ist ja auch ziemlich unwahrscheinlich, dass der Geschmack im Laufe der Jahre ein ganz anderer wird. Aber ich sehe diese Sendung - und vor allen Dingen die Macher des Blauen Bock - heute mit anderen Augen. Damals machte man große, aufwändige Nachmittagssendungen, der Moderator war nicht nur der Ansager, er war das Herz der Sendung, er sagte keine fremden Texte auf, sondern seine eigenen. Lia Wöhr war nicht nur Dekoration oder eine Pseudo-Wirtin, sie wirkte maßgeblich hinter den Kulissen mit. Die Künstler kamen nicht, um ihr neues Album zu promoten, sie sangen selbstgedichtete Texte von Heinz Schenk und hatten keine Scheu, ihre manchmal dünnen Gesangskünste zu präsentieren.

Tja, was will ich eigentlich sagen? Ich weiß es selber nicht. Jedenfalls hat sich der "Blaue Bock" einen Artikel auf dieser Seite, die sich mit meinen Erinnerungen an die 60er, 70er und 80er Fernsehjahre beschäftigt, mehr als verdient.

 

Das Titellied stammt übrigens von Otto Höpfner, dem ersten Wirt, und es wurde während  der gesamten Laufzeit der Sendung beibehalten.

 

 

Na, erkennt Ihr die drei jungen Damen? Links Paola im Jahr 1969, in der Mitte Mary Roos und rechts Vicky Leandros. Alle kamen später gern wieder in den Blauen Bock.

Hinweis: die Bilder auf diesen Seiten unterliegen dem Urheberrecht des Hessischen Rundfunks.

Ich hoffe, Ihr konntet ein wenig Eure Erinnerungen auffrischen an eine Zeit, als man noch nicht in Talkshows über das Für und Wider von Brustvergrößerungen stritt ... Wenn man etwas über die Fernsehgeschichte der 60er, 70er und 80er erzählen will, kommt man an dieser Sendung nicht vorbei.

Heinz Schenk verstarb am 1. Mai 2014 im Alter von 89 Jahren nach einem Schlaganfall. Mich hat das sehr getroffen, obwohl ich ihn lange nicht mehr im Fernsehen gesehen habe. Er war bis zu seinem Schlaganfall auch noch relativ fit und hatte auch noch berufliche Erfolge nach dem Blauen Bock. Heinz Schenk war kein "großer Star", er fiel auch in eine ganz andere Kategorie als Rudi Carrell oder Hans-Joachim Kulenkampff. Er war ein Arbeitspferd, ein Perfektionist und auch, wenn er viele meiner Altersgenossen jahrelang mit seinem Blauen Bock "gequält" hat, so weiß ich doch, dass eben diese Altersgenossen heute genau wie ich kräftig geschluckt haben.  Ich denke, der Herr Schenk wird jetzt auf einer Wolke mit der Frau Wirtin einen Bembel heben und mit allen Gästen, die lange vor ihm gegangen sind, ein Liedchen zum Besten geben. Machen Sie es gut, Herr Schenk und grüßen Sie die Frau Wirtin und den Herrn Nonsens! Und danke - auch und gerade für den Blauen Bock!

Auch vom Blauen Bock gab es DVDs - und auch diese mittlerweile so gut wie ausverkauft und von daher nur noch für sehr viel Geld zu bekommen. Wer es trotzdem wagen will, hier ist der Link zu Amazon:

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