Claus Wilcke

28.05.2011

Das Exklusiv-Interview

 

Durch die Vermittlung eines lieben Forenkollegen aus dem Nostalgie-Forum hatte ich das große Glück, in der letzten Woche mit Claus Wilcke telefonieren zu können. In diesem netten Gespräch erklärte er sich sofort bereit, TV-Nostalgie ein Exklusiv-Interview zu geben. Da ich nicht der große Percy-Stuart-Kenner bin, es aber einen unter meinen Mitschreibern gibt, habe ich Kaschi gefragt, ob er Lust dazu habe, dieses Interview zu führen. Und so sprach Carsten "Kaschi" Menkhoff am 23.11.08 mit Claus Wilcke, der in Braunschweig Theater spielte. Es handelte sich um ein einstündiges Telefongespräch.

Rechts: Claus Wilcke heute (Screenshot von der DVD "Strassenfeger - Percy Stuart", © Studio Hamburg) - Bestell-Link auf der "Percy-Stuart"-Seite.

 

Herr Wilcke, einer der dreizehn Schauspieler, die die Mitglieder des Excentric-Clubs darstellten, war Albert Lippert. Das war für Sie nicht irgendein Kollege. Welche Rolle hat er für Ihren schauspielerischen Werdegang gespielt?

Albert Lippert war Intendant in Bremen am "Theater am Goetheplatz". Ich arbeitete dort zunächst als Laufbursche und Komparse, absolvierte aber gleichzeitig eine Ausbildung an der Schauspielschule in Hamburg. Irgendwann wurde Lippert auf mich aufmerksam und versprach mir ein Engagement, aber erst nach bestandener Prüfung. Ich bekam dann alle denkbaren Rollen, vor allem auch die Klassiker. Ich bin in Bremen geboren,  stamme aus ärmlichen Verhältnissen und war deshalb froh über jede Rolle, die ich spielen durfte. – Heinz Baumann …


Albert Lippert als General McLean
 

… der später u.a. bei "Adelheid und ihre Mörder" mitwirkte?  Richtig! Der gehörte auch zum Ensemble und half mir sehr. Vor einiger Zeit habe ich wieder mit ihm zusammen gespielt in einer Folge von "Pfarrer Braun", gemeinsam mit etlichen anderen Schauspielergrößen. - Von Albert Lippert habe ich enorm viel gelernt für das Theater. Das konnte ich ihm später ein bisschen zurückgeben, als ich ihn vorschlug für die Rolle des Generals in "Percy Stuart". Für Lippert war das die erste Fernsehrolle überhaupt. Und jetzt war ich es, der ihm Tipps geben konnte: wie man sich zur Kamera bewegen muss usw. Er staunte darüber, dass er mehr Geld für eine Folge bekam, als ich seinerzeit an seinem Theater insgesamt verdient hatte …

Dementsprechend hat der General ja im Klub auch immer zu Percy gehalten …
Claus Wilcke (schmunzelnd): Ja, der war immer auf meiner Seite!

Claus Wilcke kann man schon in alten BRAVOs als Teenageridol finden, zu Anfang der 60er Jahre – also lange vor "Percy Stuart". Wie kam es dazu? Tatsächlich? Das wusste ich nicht. Nun, ich hatte damals bereits an 20 Kinofilmen mitgewirkt, angefangen mit „Meine 99 Bräute“. Entdeckt wurde ich von Olga Tschechowa.

 


Claus Wilcke als Imre begrüsst John Kling (Hellmut Lange) und Jones Burte (Uwe Friedrichsen) 

Vor "Percy Stuart" gab es eine ähnlich aufgebaute Serie: "John Klings Abenteuer", mit Hellmut Lange und Uwe Friedrichsen. Da waren Sie in einer Folge auch dabei. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Sogar dreimal! Einmal als amerikanischer G.I., dann als Ersatz-Cowboy für einen Darsteller, der mit dem Revolver nicht umgehen konnte und schließlich in der Rolle eines Ungarn, der sich als Mörder entpuppte. Die Dreharbeiten habe ich in angenehmer Erinnerung. - Oftmals wurde nur mit einer Kamera gearbeitet - viel, viel umständlicher als heute!

Gab es zwischen "John Kling" und "Percy Stuart" personelle oder sonstige Verbindungen? Beide Serien waren ähnlich aufgebaut, beide basierten auf Romanheftreihen und hatten den selben Sendeplatz im ZDF.

Nein, die Arbeiten hatten ansonsten nichts miteinander zu tun.

 
Kommen wir zu "Percy Stuart". Wie sind Sie zu dieser Rolle gekommen?

 Das war 1968 in München. Ich befand mich auf dem Weg zur Filmproduzentin Frau Kubaschewski und wollte einen Fahrstuhl benutzen, der jedoch von einem mir unbekannten überbreiten Herrn nahezu vollständig ausgefüllt wurde: Horst Lockau. Der musterte mich ausgiebig und forderte mich dann auf, in zwei Wochen zu einem Treffen in die Nordheide zu kommen. Ich war pünktlich vor Ort. Da ich eine englische Ausbildung zum Stuntman vorweisen konnte, mich sportlich viel betätigte, mich auch mit Pferden gut auskannte und man der Meinung war, mit diesem Darsteller könne man sowohl das junge als auch das ältere Publikum ansprechen, schlug Lockau mich den ZDF-Leuten für die Titelrolle vor – und damit war die Entscheidung gefallen.


"John Klings Abenteuer: Der Fall Pünköschky"
mit Claus Wilcke als Imre
 

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die Dreharbeiten zu "Percy Stuart" denken?

Neben Horst Lockau natürlich Horst Keitel. Mit ihm habe ich mich wunderbar verstanden, wir haben uns die Bälle nur so zugeworfen. – Horst war 11 oder 12 Jahre älter als ich und  nicht gerade begeistert, wenn ich in meinem jugendlichen Drang wilde Sachen machte: etwa mit einem Auto, in dem er als Beifahrer mitfuhr, haarscharf an den Kulissen vorbei zu schleudern usw. - Horst konnte nicht reiten. Deshalb bekam er in einer entsprechenden Szene eine Stute und ich einen Wallach. Wir wussten, selbst mit einem ungeübten Reiter würde die Stute dem Wallach hinterher laufen. Und so geschah es auch. Dem Horst Keitel hatte man für alle Fälle die Beine unter dem Pferd zusammen gebunden …

Da passten ja Rollen und Schauspieler perfekt zusammen!  Ja, genau.

 


Claus Wilcke reitet voran...


Horst Keitel hinterher ...

 

Wie geht es Horst Keitel heute? Sehr gut. Er lebt zurückgezogen mit seiner Frau Herta Kravina in Lloret del Mar, hat aber auch noch eine Wohnung in Deutschland. Mit seinen bald 81 Jahren treibt er noch ständig Sport, ist aber nicht mehr als Schauspieler aktiv.

[Anm.: Herta Kravina spielte in der Folge 35 "Blüten-Anny" die Ganovin Anne Turner.]

 

"Sie sind durchschaut, Annie Turner!"


Herta Kravina, Ehefrau von Horst Keitel, als Geldfälscherin Annie Turner

Episode 35 "Blüten-Anny"

 

Auf der zweiten Seite geht es weiter!

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