Interview mit Claus Wilcke

Kommen wir zu den übrigen Darstellern. Da gab es im Club doch diesen Miesmacher Mr. Pommeroy, gespielt von Gerhard Frickhöffer. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Er war sehr sensibel, ließ niemanden an sich heran. Die Probleme, die ihn drückten, verschloss er in sich, weshalb man ihm nicht helfen konnte. Ich habe oft mit ihm zusammen gespielt, bin aber nie an ihn herangekommen. [Anm.: Gerhard Frickhöffer starb 1980].

War er nicht auch Kabarettist?

Ja, das stimmt. Und ein großartiger Schauspieler.

Links: Gerhard Frickhöffer als Mr. Pommeroy

 

Viele Gaststars tauchten in der Serie auf, die man ansonsten sehr viel besser durch ihre Synchrontätigkeit kannte. Hier konnte man sie endlich mal zu Gesicht bekommen. Zum Beispiel Gerd Duwner …

Ja, Gerd ist ja leider auch nicht mehr unter uns. Er war ein sehr angenehmer Kollege, professionell, kooperativ. Ich habe selber viel synchronisiert, ihn dadurch kennengelernt und zu "Percy Stuart" geholt.

[Anm.: Gerd Duwner synchronisierte u.a. Danny de Vito, Ken Curtis alias Festus aus "Rauchende Colts", Barney Geröllheimer aus "Familie Feuerstein"  und Ernie aus der "Sesamstraße".]

Rechts: Gerd Duwner als Filmproduzent Archibald Bellows

 

Günther Ungeheuer spielte ja den Buhmann, dessetwegen Sie nach 13 Aufgaben noch mal ran mussten …

Günther Ungeheuer war ein Hilpert-Schüler, kam aus Göttingen. Ein hervorragender Schauspieler! Der konnte abends feiern und saufen und am nächsten Morgen absolut präzise arbeiten!  – Überhaupt hat diese Generation enorm viel gesoffen … Er ist 1989 verstorben.

[Anm.: Heinz Hilpert war u. a. 1950 – 1966 Intendant am Deutschen Theater in Göttingen.]

Links: Günther Ungeheuer als sardischer Mörder Enrico Grimaldini

 

Nun gab es ja viele Vorabendserien, die aber längst nicht alle so in Erinnerung geblieben sind wie "Percy Stuart". Was war das Besondere an dieser Serie?

Das war die Mischung aus Action, Humor und exotischen Schauplätzen! In den 60ern und 70ern waren die Deutschen im Reisefieber. Und bei "Percy Stuart" konnten sie sagen: "Hey, da waren wir ja auch!" oder aber "Da würden wir gerne mal hinfahren!" Dieses Rezept müsste auch heute noch gut funktionieren können! - Dazu kamen die vielen ausdrucksstarken  ausländischen, vor allem spanischen Schauspieler! Etwa Arturo Fernandez, Fernando Sancho  oder Teresa Gimpera. Damals arbeiteten spanische Schauspieler oft noch für Hungerlöhne und waren deshalb sehr darauf erpicht, bei uns engagiert zu werden. Wobei sie zuweilen manche Defizite, etwa sportlicher Art, zu überspielen suchten. So kam es beispielsweise vor, dass ein Schauspieler drehbuchgemäß vom Boot ins Meer sprang, obwohl er nicht schwimmen konnte! Ich musste den dann rausfischen … Einmal sollte uns ein Schwarzer mit einem Jeep auf einer abschüssigen Straße entlang kutschieren, dann anhalten und grienend sagen: "The brake, man!" Als er losfuhr, raunte mir Horst Keitel besorgt zu: "Na, ob der überhaupt fahren kann?" – "Aber klar, siehst doch, das Auto fährt!"  Doch er hielt nicht an, bis wir an einem Baum landeten. Er drehte sich zu uns um und griente: "The brake, man!" [Anm.: siehe Folge 2 "Das Geheimnis der Blauen Lagune"] - Gedreht haben wir in vielen Ländern: in England, Holland, Belgien, natürlich Hamburg, aber der Löwenanteil war sicherlich in Spanien. Ein ideales Filmland, weil es landschaftlich so ziemlich alles bietet.

[Anm.: Teresa Gimpera spielte in Folge 44 "Der Neffe in Kanada" die Rolle der Gwendolyn. Arturo Fernandez war in Folge 46 "Piratengold" zu sehen, Fernando Sancho in Folge 49 "Die Bärenfellmütze".]

 


That's a brake, man!


That's a brake, man!


Teresa Gimpera

 

Wann haben Sie zuletzt selber eine Folge von "Percy Stuart" gesehen? Vor etwa zwanzig Jahren.

Sie wurden durch die Serie zum Star. Was bedeutete das für Ihr Leben? Was veränderte sich?

Für mich war das kaum fassbar! Ich wollte den Menschen stets auf gleicher Höhe begegnen, weil wir doch alle gleichermaßen gebraucht werden, welchen Beruf wir auch ausüben mögen. Wir alle leisten unseren Beitrag. Doch plötzlich gab es Menschen, die mir gegenüber kontaktscheu wurden oder mich englisch ansprachen, weil sie dachten, ich sei Amerikaner, es gab Schulterklopfer, Kumpeltypen und, wenn ich mit Gruppen zu tun hatte, die Leithammel, die sich mit mir anlegten, nur um sich vor ihren Leuten zu profilieren. Die gab es auch. – Dann die Fanpost. Die kam nicht mehr mit dem üblichen Postboten. Nein, das waren separate Lieferungen mit einem Extra-Auto! -  Ich gewann dreimal den BRAVO-Otto und zweimal den Bambi. Dazu die vielen Titelbilder auf den Illustrierten … – "Percy Stuart" hat dem damals noch neuen ZDF zur Anerkennung beim Publikum verholfen, bedeutete für den Sender den Durchbruch. So drückte es der Intendant in einer Dankesrede aus.

 

War "Percy Stuart" für Ihre Karriere eher ein Motor oder ein Bremsklotz?

Ein Motor! Durch die Popularität konnte ich mir viele Rollen aussuchen. Popularität ist etwas sehr Wichtiges! – Ich habe immer viel gearbeitet, konnte nie nein sagen. Ob Theater, Rundfunk, Fernsehen oder Synchronsprechen. "Irma la Douce" etwa habe ich zig-hundertfach gespielt und inszeniert. Zuletzt war ich neun Monate unterwegs: in Düsseldorf, u. a. mit Christiane Krüger, dann in Weingarten am Bodensee als Mephisto in Goethes "Faust", zuletzt in Braunschweig, jeweils 3 Monate. Im Fernsehen spielte ich Hauptrollen z. B. in "I.O.B. Spezialauftrag", den "Sylter Geschichten", jetzt in der "Sachsenklinik". Dazu Gastauftritte in nahezu allen großen Serien. Dann viel Rundfunk, z. B. als Erzähler in der Reihe "Planet Erde". Bei etwa 800 Filmen habe ich als Synchronsprecher mitgewirkt, u. a. als Stimme von Omar Sharif in "Lawrence von Arabien". - Auch mein Sohn Nicolas ist Synchronsprecher geworden: viele sagen, er hört sich inzwischen fast genauso an wie "Percy Stuart" …

Das waren Telefone!

 

Screenshot von der DVD "Percy Stuart" (Interview),
©  Studio Hamburg

Wie sehen Ihre aktuellen Projekte aus?

Für 2009 bin ich ausgebucht. Ich werde viel Theater spielen: in Bad Hersfeld, Düsseldorf, Bonn und München.

In einer Fernsehsendung hat Inge Meysel sich einmal beklagt, dass sie oft nur auf ihre Rolle in den "Unverbesserlichen" reduziert würde, wo sie doch so viel mehr gemacht hätte. Ärgert Sie das auch, dass sie sicherlich oft zu "Percy Stuart" befragt werden und vermutlich weniger zu den übrigen Arbeiten?

Das stört mich überhaupt nicht! Ich kann in meinem ganzen Leben nicht so viel Theater spielen, um die Zuschauerzahlen zu erreichen wie damals mit "Percy Stuart". Ich bin sehr dankbar dafür. Viele andere Schauspieler, die genauso gut sind wie ich, haben eine solche Gelegenheit nicht bekommen.

 

Es gibt immer wieder Gerüchte um eine Neuauflage von "Percy Stuart". Was wissen Sie darüber?

Es gab tatsächlich immer mal wieder Anläufe. Zuletzt durch Oliver Berben, der inzwischen sechs Bücher fertig vorliegen hat. Doch das ZDF wollte nicht. Vielleicht ändert sich das ja, wenn die DVDs sich gut verkaufen …

Wenn Sie die TV-Produktionen von damals mit heute vergleichen – wie fällt Ihr Fazit aus, wo sehen Sie Unterschiede?

Von wenigen Ausnahmen abgesehen: heute herrscht kaum noch Teamgeist, viele Menschen laufen mit Scheuklappen herum, sind intolerant und unverbindlich. Das Verhältnis der Menschen zueinander ist unpersönlich und oberflächlich geworden. Alles dem viel größeren Zeitdruck geschuldet! Es muss alles schnell gehen, die nächste Aufgabe wartet schon. – Wichtig ist für mich die Lebenseinstellung: bescheiden und bodenständig zu bleiben! Ich habe sehr viel gearbeitet. Nicht auf Kosten der Gesundheit - ich treibe nach wie vor viel Sport, halte mich fit. Aber auf Kosten des Privatlebens.

Herr Wilcke, wir haben jetzt doppelt so lange gesprochen wie geplant, obwohl Sie heute noch eine Theateraufführung haben. Ich bedanke mich sehr für dieses Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute!

Ja, aber es war ein sehr angenehmes Gespräch. Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest, und grüßen Sie Frau Nagel ganz lieb von mir!

Das Interview wurde am 23.11.2008 geführt von Carsten Menkhoff / "Kaschi".

© TV-Nostalgie.de/Carsten Menkhoff

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