
29.05.11
Das zweite Leben des
Harry Klein
Eine tvforen-Serie von
Helli Gräfin
E. und Paula Tracy
| Einführung
(von Helli, mit Ergänzungen von mir) Im Aktuellen Forum könnt Ihr im Derrick-Nacht-Thread lesen, was los ist. Was wir bisher feststellen können ist, dass Harry Klein, nun auch schon im Rentenalter, sich als Privatdetektiv nach Norddeutschland zurückgezogen hat. Nach Derricks Ausscheiden war er durch ein tiefes Tal gewandert: Alkohol, Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken. Ein totaler Neuanfang war ihm auch von seinem Arzt, Dr. Müller-Wohlfahrt, geraten worden. Eine rein medikamentöse Behandlung des spanischen Arztes Fuentes hatte Harry selbst als gescheitert erklärt, einziger Effekt der seltsamen Bluttransfusionen war, dass Harry nun auf einmal sehr schnell Fahrrad fuhr. Nun denn, das kam ihm im hohen Norden gerade recht, denn dort radelt es sich leichter als in den Bergen. Genau hat sich Harry in Kirchhammelwarden niedergelassen, das ist ein Stadtteil von Brake an der Unterweser, und wenn beides niemand kennt: Kirchhammelwarden liegt neben Käseburg und Oberhammelwarden, nun wisst Ihr Bescheid. Für ganz Genaue empfehle ich www.Brake.de und www.bhv-kirchhammelwarden.de. Harry ist verheiratet mit der
wunderbaren Elena Puiu, ehemalige rumänische Taschendiebin, die gespielt
wird von der nicht minder wunderbaren Martina Gedeck, die über die Höhe
ihrer Gage höflich schweigt. Die beiden haben viel durchgemacht, das bietet
genügend Stoff für einen eigenen Film. Ganz wichtig: Harry fährt einen Nissan Micra, schnauf, das darf nicht vergessen werden. Dann hätte ich
gerne noch für Martina (an Elena gewöhne ich mich nur sehr schwer, aber es
ist natürlich viel authentischer) einen nichtsnutzigen Bruder, der ständig
Ärger macht. Er heißt Ivan (wie Ivan Lendl, war der nicht auch Rumäne, oder
verwechsle ich da was), wohnt bei den Kleins und bringt Harry ständig in
Schwierigkeiten. Ivan hat ein Auge auf Leons Tochter geworfen.
1. (und leider bisher einzige) Folge: "Der Fall Grass. Sie sagten Grass?" Harry Klein erhob sich ächzend aus seinem Bett. Der Blick auf die Uhr hatte ihm gezeigt, dass es schon erschreckend spät war, fünf nach acht, und das zärtliche Tasten auf die andere Seite bewies: sein Liebling, seine Elena, war schon längst auf und in der evangelischen Gemeindebücherei, um die neuesten Bucherwerbungen, die sie von der Nordenhamer Book&Sail-Messe mitgebracht hatte, einzuräumen. Seine Elena. Harry lächelte versonnen und streichelte das auf seinem Nachttisch stehende Foto seiner Frau. Wie viel Glück hatte sie in sein Leben gebracht. Wer hätte das gedacht? Harrys Gedanken strichen in seine Vergangenheit, an die langen Jahre an der Seite seines Freundes Stephan Derrick im BMW auf den schönen Autotouren durch Grünwald. All die ganzen Villen. Aber auch so viele viele Tote. Traurig eigentlich. Nun, Harry lächelte wieder, eine Villengegend war das Neubaugebiet, in dem er nun lebte, doch nicht, auch wenn die weißen und roten Häuschen, jedes eine Bank neben der Haustür und getöpferte Namensschilder neben dem Klingelknopf, wirklich nicht, aber er war zufrieden. Zufriedener als je zuvor in seinem Leben, vielleicht auch, weil er nun schon seit einiger Zeit viele ganze zusammenhängende Sätze am Tag sagte und nicht nur Stichworte gab. Harry ächzte wieder, hatten er und Elena doch gestern beim Griechen es mal wieder nicht lassen können und nach einer großen Portion Souflaki und Demestika wieder Sirtaki getanzt. Das rächte sich. Er erhob sich und bereitete sich in der freundlichen Küche, deren Wände viele Fotos schmückten von Kollegen, Freunden und Familie, ein schmackhaftes Frühstück. Beim Kaffeetrinken fiel sein Blick auf den vor ihm im Sonnenschein liegenden Wendehammer. Dort fuhr gerade auf seinem Fahrrad sein Nachbar Dr. Erwin Markussen fort. Markussen war schon über 80 Jahre alt und einer der wenigen Nachbarn in Kirchhammelwarden, zu dem Elena und Harry keinerlei Kontakt knüpfen konnten, ja, gerade mal das er grüßte. Befürchtungen, er habe etwas gegen Elena, die Rumänin, hatten die anderen Kirchhammelwardener zwar versucht zu verstreuen ("Der kommt doch selbst aus Oberhammelwarden"), aber Harry meinte, dass Markussen immer richtig wegschaute, wenn sie sich trafen. Vielleicht hing es auch mit Harrys Beruf zusammen. Er befand sich im so genannten Unruhestand, groß prangte neben dem tönernen "Hier wohnen die Kleins" ein weißes Schild "Harry Klein, Privatdetektiv, Ermittlungen aller Art, Mitglied im ZDF". Viel hatte
Harry zwar noch nicht an Fällen gelöst, aber immerhin, den
Handtaschendiebstahl im Sparmarkt hatten Harry und Elena im eigenen
Interesse schnell geklärt, zum Glück konnte man hier Käseburger Jugendliche
der Polizei ausliefern und keine Rumänen, aber auch der Fall des
verschwundenen Twinsets, eine der ersten Auftragsarbeiten, hatte Harry zur
Ehre gereicht. Stolz hatte er abends am Telefon Derrick davon berichtet. Doch bevor
Harry den Hörer greifen konnte, war einer schneller am Apparat: Ivan, Bruder
von Martina - wie Elena liebevoll von den Kirchhammelwardern genannt wurde -
und seit einiger Zeit mal wieder zu Harrys Leidwesen Mitbewohner. Martina
hing sehr an ihrem "kleinen" Bruder, auch wenn dieser 1,90m groß war und
neben zwei Vorstrafen bisher nicht viel auf die Reihe bekommen hatte. Allzu
peinlich waren auch seine Versuche, Derrick anzupumpen oder Dr. Markussen
eine Beteiligung für einen Windpark aufzuschwatzen. Nun denn, Ivan war auch
aufgestanden und reichte mit einem Grinsen Harry das Telefon: "Hier
Lieblingsschwager, Deine Angetraute." Während Harry
so dahinbrauste - ha, Stephan würde Augen machen - schossen ihm merkwürdige
Gedanken durch den Kopf. Was würde Stephan jetzt tun? Oh meine Güte, sein
erster richtiger Fall ohne Stephan! Und dann Dr. Markussen. Der junge Doktor Brinkmann kam
energischen Schrittes in die Bücherei. Ihn hatte es aus dem Schwarzwald in
den Norden verschlagen, nachdem sein Vater, ein berühmter Professor, einer
gemeinen Witwe in die Hände gefallen war, die kurzerhand dafür sorgte, dass
vom Ruhm der Schwarzwaldklinik und der gesamten Familie Brinkmann nicht mehr
all zuviel übrig war. Der junge Dr. Brinkmann, dem es in erster Linie
wichtig war, den Menschen zu helfen, hatte keine Probleme, nun der
Landarzt zu sein. Davon gab es schließlich noch mehr. Auf der nächsten Seite geht es weiter - wer ist der Mörder von Dr. Markussen? |
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