KUNG FU

Viele andere aus Westernserien und Krimis bekannte Darsteller wie zum Beispiel Victor Sen Yung ("Hop Singh" aus Bonanza) und James Hong hatten mehrfache Auftritte in der Serie. Wie in verschiedenen Biographien über Bruce Lee zu lesen ist, soll Bruce selbst die Serie mit dem Arbeitstitel "The Warrior" konzipiert haben. Seine Witwe Linda behauptete gar, das Konzept sei später von Warner Bros. gestohlen worden. Lee selbst hätte die Serie allerdings gar nicht drehen können, starb er doch 1973 an einer Gehirnblutung, also mitten in der Produktion, und war davor mit der Produktion seiner fünf berühmten Karatefilme beschäftigt. David Carradine war ohnehin die erste Wahl für die Rolle des Kwai Chang Caine gewesen, und bemerkenswerterweise hatte er, wie er selbst seinen Freunden bei einem Essen nach der Fertigstellung von "Kill Bill" erzählte, keine Ahnung von amerikanischem Kampfsport.

Er hatte die Kampfkunst erst beim Drehen gelernt. Toll ist die Figur des Kwai Chang Caine allemal. In Rückblenden wird sein Leben und Reifen als Shaolin Mönch erzählt. Er lernt viel von seinen Meistern, lernt zu kämpfen und die menschlichen Werte und die buddhistischen Regeln zu lieben und zu akzeptieren.

 

Die Rolle des Kwai Chang Caine brachte Starruhm für David Carradine, der damals ein ziemlich wildes Leben führte und auch wilde Filme drehte. Meist waren dies allerdings "Low Budget"–Produktionen, aber einmal durfte er in einem meiner Lieblingsfilme mit "meinem Helden" Chuck Norris antreten und sich mit ihm ein Wahnsinns-Duell liefern - "McQuade der Wolf" (der inoffizielle Vorgänger von "Walker Texas Ranger"). In einer Doppelfolge von "Kung Fu" gewährte man ihm sogar die Ehre, mit seiner damaligen Lebenspartnerin Barbara Hershey eine tragische, mit Kampfszenen angereicherte Liebesgeschichte zu spielen. Seine "Hommage" erlebte Carradine schließlich mit dem zweiten Teil des Quentin-Tarantino- Erfolgs "Kill Bill", als er gegen Uma Thurman antritt.

 

 

Ich habe fast alle David Carradine Filme gesehen und bin ein Fan von ihm. Meist spielt er die Bösen, aber die spielt er richtig fies. Ich mochte und mag ihn seit "Kung Fu". Die Neuauflage der Serie fand ich nicht mehr so gut – ich tat mich schwer damit, den behäbigen Caine in der Neuzeit agieren zu sehen.

 

Obwohl man manchmal den Eindruck hat, dass die Produzenten nicht genau wussten, ob sie nun den Western oder dem Karatefilm huldigen wollten, schrieb die Serie Fernsehgeschichte als eines der innovativsten und gewagtesten Projekte in Sachen Abenteuerserie. Produzent und Regisseur Jerry Thorpe ahnte nicht mal ansatzweise, dass David Carradine so viel mehr in die Figur des Caine steckte als ursprünglich geplant war. Carradine wusste auch zu erzählen, dass er oft gar keine Ahnung vom Script hatte und erst vor Beginn der Szene einen Blick auf seinen Dialog warf und dann einfach loslegte: "Du schaust dir an, was du zu sagen hast, gehst hin und machst dein Ding, so wie du es dir vorstellst. So einfach ist das."

 

 

Viele empfinden heute die Serie als behäbig, langweilig. Ich habe die komplette Serie im englischen Original geschaut und muss sagen, dass trotz einiger wirklich langweiligen und vielleicht sogar überflüssigen Folgen dennoch ein beeindruckendes Stück Fernsehen entstanden ist, das auch heute noch sowohl Westernfans als auch Easternfans zu unterhalten weiß (wobei ich als Easternfan die Kampfszenen heute natürlich eher belächle, kann Caine doch nach kurzer Konzentration Gefängniszellen öffnen, als wären die Schlösser aus Wachs, Gitterstäbe verbiegen, als wären sie Knetmasse und Handschellen lösen, als hätte man nie einen Schlüssel dafür gebraucht.

 

Wo Bruce Lee und seine Kollegen nur einmal kurz hintreten und dem Gegner die Knochen brechen, muss Caine dann doch mehrfach draufhauen oder zutreten, weil die Gegner halt einfach nach dem ersten Tritt nicht liegen bleiben wollen. Aber seine Philosophie ist es ja auch, nach Möglichkeit nicht zu töten und nur kampfunfähig zu machen. Überdies hatte die amerikanische Jugendschutzbehörde vorgeschrieben, dass jede Folge maximal zwei Minuten an Kampfszenen beinhalten durfte. In einigen Folgen wird es dann allerdings doch zu albern, wenn Caine gegen Dämonenwesen, die er sich unter Einwirkung von Gift oder im Fieber einbildet, kämpfen muss.

 

Auch bei der Auswahl der Gegner machte man sich nicht allzu viele Gedanken, tauchen da doch plötzlich Chinesen auf, die JAPANISCHE Kampftechniken und Waffen benutzen, oder gar Ninjas, die gefürchteten Schattenkrieger aus Japan, die nicht mal einem Shaolin-Priester gewachsen sind. Und als dann in einer Folge noch ein Kämpfer auftaucht, der die Kunst der nepalesischen Llamas beherrscht, sich mittels Gedankenkraft zu verdoppeln oder Trugbilder zu erschaffen, war es doch etwas zuviel des Guten. Genauso albern waren auch die Szenen, in denen der Kaiser seine Armee zu dem Shaolin-Tempel schickt und die Heerführer dann mit einem halben Dutzend Männer den Tempel belagern. Das erinnerte stark an die alte Robin-Hood-Serie von 1955, in der ein Sheriff von Nottingham mit zwei Mann vor einer Burg auftauchte und ihnen den Befehl gab, die Burg zu "umzingeln"...

 

Dennoch ließen es sich zahlreiche bekannte und beliebte Gaststars nicht nehmen, in "Kung Fu" aufzutreten, sei es Jim "Matt Clark" Davis oder Albert Salmi ("Petrocelli"), sei es Patricia Neal oder Rhonda Fleming, sei es Pat Morita oder der Sänger Jose Feliciano oder Andrew Prine, sei es John Vernon oder ein grandioser Leslie Nielsen. Die beiden genialsten Gaststars der Serie, die in nahezu jeder Folge auftraten, waren allerdings Phillip Ahn und Keye Luke als Caines Meister.

Rechts: auch zwei bekannte Gaststars: John Anderson, Clu Gulager.

 

Man mag über "Kung Fu" denken, was man will – für mich ist es ein Stück meiner Fernsehjugend, und ein gewagtes Experiment amerikanischer Fernsehgeschichte, für das den Produzenten heute noch ein Lob gebührt. Ich habe es genossen, die Serie wiederzusehen (zumal erstmalig im Original) und sie mit "reiferen Augen" gesehen, und ich werde mich auch gerne weiterhin daran erfreuen, auch wenn – das gebe ich zu – mir "normale" Westernserien der 50er und 60er oder Karatefilme der 70er und 80er dann doch lieber sind.

Aber allein David Carradine ist es wert, immer mal wieder einen Blick auch auf "Kung Fu" zu werfen.

 

Insgesamt gab es 62 Episoden, von denen uns in Deutschland die meisten leicht gekürzt gezeigt wurden und drei Episoden vorenthalten wurden.

 
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Soweit zu Petes persönlichen Erinnerungen an "Kung Fu". Um auch ein wenig Gefühl für diese Serie zu bekommen, bevor ich sie hier auf diese Seite stelle, habe ich mir die ersten drei Folgen, aus denen auch die Screenshots stammen, angesehen und muss sagen, dass ich positiv überrascht war. Natürlich ist die Serie langatmig - aber ist das nicht alles, wenn wir es mit heutigen Serien vergleichen? "Kung Fu" ist wirklich einen Blick wert, wie Pete sagte - und ich kann darüber hinaus die DVDs empfehlen (momentan nicht ganz billig), die in hervorragender Qualität zu haben sind, für eine Serie, die fast 40 Jahre alt ist, sind Bild und Farben gestochen scharf. Die Links führen zu Amazon, aber natürlich sind diese auch bei anderen Händlern zu haben, z. B. bei

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