77 Sunset Strip

05.04.13

Von Pete

Diese Serie sah ich erst relativ spät, nachdem ich zuvor die Comics und die Romane zur Serie gelesen hatte. Beeindruckt hat sie mich nie sonderlich, obwohl der kieksende "Kookie" eigentlich recht sympathisch war. Für Efrem Zimbalist konnte ich mich allerdings bei 77 Sunset Strip ebenso wenig begeistern wie bei FBI.

Aber es geht hier nicht um meinen persönlichen Geschmack, sondern um diese Detektiv-Serie an sich, der in den USA ein beachtlicher, fünf Jahre andauernder Erfolg beschieden war. Die Geschichte ist schnell erzählt - sie handelt von einem Detektiv-Büro, das unter der Hausnummer 77 am legendären Sunset Strip von Los Angeles eingerichtet wurde. Dort arbeiteten Stu Bailey, gespielt von Efrem Zimbalist, ein ehemaliger Regierungs-Agent, und sein Partner Jeff Spencer, gespielt von Roger Smith, ebenfalls ein ehemaliger Regierungs-Agent, als Privatdetektive.

 

Unterstützung bekamen sie von dem Parkplatzwächter des benachbarten Nobel-Restaurants "Dino's", der durch seine schlaksige Art und seine kieksende Stimme bestach und eine eigene Yuppie-Sprache kreierte. Edd Byrnes spielte den "Kookie" mit Bravour und wurde zum ersten Pop-Idol der Fernsehgeschichte. Seine stets mit Kamm gestylte Tolle war das Wichtigste für ihn, und die Kraftausdrücke wie "Wuchtbrumme" oder "Steiler Zahn" wurden zur Kult-Sprache der Rock'n Roll-Generation. Bei uns lieh Hans Clarin dem jungen Kookie die unvergleichlich kieksende Stimme, und im Original machte Edd Byrnes das natürlich selbst - mit Ausdrücken wie "keep the eyeballs rolling" für "aufmerksam bleiben", "play like a pigeon" für "eine Nachricht überbringen" und "a dark seven" für "eine nicht sehr erfolgreiche Woche". Im Laufe der Jahre wechselten die Charaktere - Jeff Spencer verließ die Show, dafür trat Richard Long (bekannt als Jarrod Barkley aus "Big Valley") ein, und Kookie selbst  wurde zum gleichberechtigten Partner und überließ seinen Parkplatzwächter-Job einem anderen Jungtalent. Ironie am Rande: Der zweite Pilotfilm, den man 1958 als Testballon ins Rennen schickte, erzählte die Geschichte eines von einem irren Killer gehetzten Mädchens, das von Stu Bailey (Efrem Zimbalist) beschützt wird. Und diesen Killer, der sich nach vollbrachter Mordtat mit dem Kamm durch die Tolle fährt, spielte niemand anders als Edd "Kookie" Byrnes.

 

Schwarm der Mädchen in den 60ern: Kookie

Damals war er noch nicht als Mitarbeiter des Detektivbüros am Sunset Strip Nummero 77 vorgesehen, aber die Teenager wollten ihn, und was die Teenager wollten, bekamen sie... (Heute wollen sie Daniel K., und was sie wollen, das kriegen sie heute auch... nur liegen zwischen Daniel und Kookie mehr als nur zwei Welten...). Anmerkung von mir: mit "Daniel K." war Daniel Küblböck gemeint, aber ... der ist ja längst wieder out, Kookie hingegen war es nie!

Als der Stern des Detektivbüros am Verblassen war, holte man den gewichtigen William "Cannon" Conrad als Regisseur und Jack Webb, den erfolgreichen Produzenten und Regisseur von "Polizeibericht - Dragnet", ins Team, doch auch diese Profis vermochten die Schussfahrt des Serienbootes Richtung Wasserfall nicht mehr aufzuhalten. Nach immerhin mehr als zweihundert Episoden fiel die Tür des Detektivbüros zum letzten Mal ins Schloss.

Ich selbst habe 77 Sunset Strip als eine sehr innovative Detektivserie in Erinnerung. Zum einen werde ich nie jene Folge vergessen, in der Kookie eine junge Bibliothekarin vor einem wahnsinnigen Mörder beschützen muss. Zum anderen sah ich in späteren Jahren eine Folge "ohne Worte" - 77 Sunset Strip war eine jener Serien, die als erste das Experiment wagten, eine Geschichte nahezu ohne Dialog zu erzählen. Die Spannung wird allein durch die Handlung erzeugt, und die Stichworte und Antworten auf alle Fragen werden mit Hilfe eingeblendeter Brieftexte oder Zeitungs-Überschriften gegeben.

 

Insofern bildete 77 Sunset Strip einen Meilenstein in der Entwicklung des amerikanischen Fernsehkrimis. In Deutschland lief die Serie von 1960 bis 1966, und 1976 wurde sie in den Dritten Programmen wiederholt. Später griffen die Privaten die Serie auf. Sie erfreute sich in den 60er Jahren so großer Beliebtheit, dass es in Deutschland eine auf wenige Hefte angelegte Comic-Reihe, dafür aber eine auf zahlreiche Taschenhefte angelegte Romanreihe gab, deren Abenteuer von einem deutschen Autorenteam geschrieben wurden.

 

 

 

 

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