Beatclub ...

06.04.13

Kaschi mochte weder Hitparade noch Disco - sein Musikgeschmack war ein ganz anderer! Hier berichtet er selbst, was ihm am besten - und warum - gefiel ... (alle Bilder: Copyright Radio Bremen)

"Ist dieses langmähnige Etwas mit der Banane aus dem Urwald gelockt worden?
Man sollte den Beat-Club nicht mit dem Zoo verwechseln!"

(HÖRZU-Leserbrief nach einem Jimi-Hendrix-Auftritt, zitiert in "Spiegel" 35/1968)

 


Schon seriös, aber noch nicht bei der
Tagesschau:
Wilhelm Wieben

Am 25. September 1965 kündigte der spätere Tagesschausprecher Wilhelm Wieben den ersten "Beat Club" an mit den Worten: "Guten Tag, liebe Beat-Freunde! Nun ist es endlich soweit. In wenigen Sekunden beginnt die erste Show im Deutschen Fernsehen, die nur für Euch gemacht ist. Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beatmusik nicht mögen, bitten wir um Ihr Verständnis: Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten für junge Leute!". Er ahnte sicher nicht, dass diese Ansage noch nach über 40 Jahren immer wieder hervorgekramt werden würde.

Noch viel ahnungsloser als Wilhelm Wieben war ich zum damaligen Zeitpunkt. 1965 schwärmte ich als Siebenjähriger für Kater Mikesch, Lassie und Huckleberry Hound. Ich kannte ein paar Kinderlieder, etwas später Schlagersänger à la Heintje, Heino oder Ricky Shayne. Langhaarige Musiker waren alles ganz furchtbare "Bietels". "Ich werde nie lange Haare haben, niemals!" tönte ich mit etwa 9, 10 Jahren im Brustton der Überzeugung. Meine Eltern glaubten mir nicht … und sollten recht behalten!

 

Um 1970 herum, mit 12 Jahren, änderte sich für mich alles. Schlagermusik wie in der "Hitparade" wurde für mich Sinnbild des Unerträglichen! Hatte ich noch ein Jahr zuvor Rex Gildo mit "Dondolo" die Daumen gedrückt, lehnte ich diese "Fuzzis" jetzt rundherum alle ab – "Verlogen!" Davon wollte ich nichts mehr wissen! Die Haare wurden lang und länger, in der Schule wurde aus dem Musterschüler ein Flegel, der den Lehrer anbrüllte. Das Spielzeug wurde aus dem Zimmer verbannt und weggeschmissen, der Schallplattenbestand komplett ausgewechselt. Creedence Clearwater Revival war die erste Rockband, von der ich mir Singles kaufte. Die erste LP hieß "Fireball" von Deep Purple. Damit wurde ich "marktfähig" in der Schule beim gegenseitigen Plattenausleihen zum Aufnehmen auf Kassettenrecorder oder Tonband (Telefunken in meinem Fall). Schnell lernte ich Led Zeppelin, Black Sabbath, Uriah Heep, Golden Earring, Birth Control, UFO, Pink Floyd, Jethro Tull, Beatles und Stones kennen. Auch die Oldies aus den 50ern kamen gut: Bill Haley, Chuck Berry, Little Richard und natürlich Elvis.

 

Im Radio gab es bei uns auf NDR 2 "Die Internationale Hitparade" und den "Club". Oft habe ich mit dem Mikrofon vorm Radiogerät gehockt, ständig zitternd, dass keiner beim neuesten Supersong gerade ins Zimmer reinstolpert. Von dieser Musik wollten die Erwachsenen nichts wissen – und das war gut so! Die 68er Revolte hallte Anfang der 70er noch kräftig nach, und die Musik war wie die langen Haare das Bindemittel, das Erkennungszeichen!

In der Glotze lief an Musikalischem immer noch die "Hitparade" mit dem unsäglichen Heck, dann viel an Oper und Operette ("Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre"), dazu der langweilige "Blaue Bock" ("Ich begrüße aufs Herzlichste Herrn Kammersänger …"). In den Abendshows wie "Drei mal Neun" mit Wim Thoelke auch das übliche Schlager-Einerlei, wenn auch internationaler zugeschnitten – alles nicht mehr meine Welt!  

 

Wenn samstags mal nicht die "Hitparade" nervte, kam dafür "disco" mit Ilja Richter. Hier traten neben den Tralala-Sängern auch mal Bands auf, die mich interessierten: Alice Cooper, T.Rex, Sweet, Slade, Deep Purple, später auch Bob Dylan und Cat Stevens. Aber die alberne Moderation verdarb vieles. Hinter dieser Musik stand eine Protesthaltung – davon war in "disco" dank Ilja Richter aber nichts zu spüren. 

Doch irgendwann entdeckte ich Sonnabend nachmittags den "Beat Club"! Mit einer Moderatorin Uschi Nerke, die hinter dieser Rockmusik stand, die sie präsentierte. Dass die Sendung von Radio Bremen schon seit ein paar Jahren lief, merkte ich erst später. Hier kam der rebellische Charakter rüber, hier gab es keine Albernheiten, keine Schlagerfuzzis mit Herzschmerztralalaliedern. Ansonsten fand Rockmusik in Reinkultur damals im Fernsehen praktisch nicht statt! Der "Beat Club" war einmalig!


Uschi Nerke 1965

 

Dumm war nur, dass, kaum hatte ich den "Beat Club" entdeckt, er gerade auslief. 1972 war Schluss: ein Special über die Osmonds ("Crazy Horses" war klasse!) markierte das Ende. - Allerdings wurden die Folgen aus den 60ern recht schnell wiederholt. An Video-Recorder war noch nicht zu denken, weshalb ich auch den schlechten Fernsehton mit Mikrofon auf meine arg strapazierten Tonbänder bannen musste. Nicht gerade Hifi - aber besser als nichts war es allemal! So lernte ich mit ein paar Jahren Verspätung die Anfänge des Beat kennen (Gerry & The Pacemakers, Rattles, Lords, Hollies, Animals, Troggs, Equals, Sonny & Cher, Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich sowie die bremische Band The Mushroams mit dem späteren Fußballnationalspieler Dieter Zembski). Ebenso die Hippie-Zeit und ihre Musik: Kinks, Who, Beach Boys, Donovan, Bee Gees, Procol Harum, Moody Blues, Yardbirds, Manfred Mann, Scott McKenzie, Mamas and Papas, Simon and Garfunkel, Canned Heat, Janis Joplin, Joan Baez, Jimi Hendrix, die Festivals von Monterey und Woodstock, den Kultfilm (hier passt der Begriff mal wirklich!) "Easy Rider" usw. Zusätzlich zu Uschi Nerke machte der englische Co-Moderator Dave Lee Travis seine Faxen.

 
 

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit Kaschis musikalischen Erinnerungen!

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