Chicago 1930

29.06.13

Die Unbestechlichen

von Pete

Ende der 70er Jahre tauchte für mich, nach zahlreichen anderen Serienhelden, die ihm vorausgegangen waren, ein Mann auf der Mattscheibe auf, der eine unglaubliche Bildschirm-Präsenz darstellte: Robert Stack hieß der Schauspieler, und sein Rollenname war - Elliott Ness! Diese Gestalt hat wirklich gelebt und ging in die Kriminalgeschichte Amerikas ein! Denn Inspector Elliott Ness war jener Mann, der das Imperium des Verbrecherkönigs Al Capone zu Fall brachte! Bereits in den Zwanziger Jahren hatte Ness den Kampf gegen den Alkoholschmuggel und andere Verbrechen im amerikanischen Mittelwesten aufgenommen. Den Höhepunkt erreichte dieser schier aussichtslose Kampf in den Straßen der Metropole, als Elliott Ness eine kleine Schar Auserwählter um sich versammelte - die einzigen Polizisten, die nicht korrupt waren und bedingungslos für das Gesetz eintraten. Sie waren Die Unbestechlichen - so taufte sie eine Tageszeitung,  und so hieß auch jene legendäre Fernsehserie, mit der Produzent Quinn Martin im Jahre 1959, gut 30 Jahre nach den Abenteuern der Unbestechlichen, Elliott Ness und seiner Truppe ein Denkmal setzte.

Die Serie war für damalige Verhältnisse ungemein brutal und blieb eine der spannendsten, aber auch brutalsten und damit umstrittensten amerikanischen Fernsehproduktionen aller Zeiten. Wie schon in den Serien "Invasion von der Wega" und "Auf der Flucht" waren die Geschichten fast dokumentarisch aufgezogen.

 

Ein Sprecher erzählte aus dem Off, welcher Verbrecher den Gegenspieler von Elliott Ness und seinen Getreuen gab und welcher Vergehen er sich schuldig gemacht hatte. Mal gab es gleich zum Auftakt Schießereien mit Maschinenpistolen und Revolvern, mal ging die Geschichte langsam an und endete mit kugelgespickten Leichen. Aber immer gipfelte sie in einem Showdown, bei dem die Unbestechlichen ein großes Geschäft für Al Capone und seine Spießgesellen zerschlugen... und das ging natürlich nicht ohne Krawumm-Effekt ab. Ness und seine Kollegen griffen nur allzu gern zum Schießeisen, und wenn es galt, den Mord an einem Polizisten zu rächen, gab man sich gar nicht erst damit ab, den Verbrechern ihre Rechte vorzulesen oder lange Fragen zu stellen - man ballerte einfach drauf los und ersparte dem Steuerzahler wieder, das Durchfüttern eines Gefangenen in Sing-Sing finanzieren zu müssen.

 

Über Die Unbestechlichen - Chicago 1930 kann man kontroverser Meinung sein, aber fest steht, dass es eine der erfolgreichsten amerikanischen Krimiserien aller Zeiten war und ist. Mit dem charismatischen Robert Stack hatte man den idealen Schauspieler für die Rolle des Elliott Ness gefunden. Er wurde übrigens erst zwei Tage vor dem Drehbeginn von Produzent Quinn Martin für die Rolle engagiert. Kein anderer Schauspieler hätte der Figur dieses stoische, beinharte und dennoch tief im Innern gefühlvolle Charisma verleihen können, wie Robert Stack. Die Produzenten hatten ständig mit der amerikanischen Zensurbehörde zu kämpfen - und wie erklärt man wohl am besten, dass die Serie angesichts der vielen von Kugeln durchsiebten Leichen nicht doch verboten wurde? Nun, zum einen war da der historische Gehalt der Serie. Zum anderen aber auch die Art, wie man Elliott Ness in erfundenen Abenteuern gegen allerhand Größen des amerikanischen Verbrechertums kämpfen ließ: Neben Al Capone war sein gefährlichster Gegner der von dem ebenso großartigen wie unsympathischen Bruce Gordon gespielte Frank Nitti, der stets um die Nachfolge auf Al Capones Thron bemüht war; da war Ma Baker, die als Chefin einer Verbrechersippe in die Geschichte einging; da war der kleinwüchsige Bugs Moran, in dessen Autowerkstatt das legendäre St. Valentine's Day Massacre stattfand; Dutch Schultz, einer der Verbrecherkönige der Ostküste, mischte mit, und sogar das erfolglose Attentat auf Präsident Franklin D. Roosevelt lieferte den Stoff für eine Doppelfolge.

 

Mit all diesen Verbrechern hatte der echte Elliott Ness natürlich nie etwas zu tun, aber das Rezept erfolgreicher "historisch belegter" Westernserien wie "Wells Fargo" oder "Eisenbahndetektiv Matt Clark" ergab auch hier einen wohlschmeckenden Kuchen... die Zuschauer waren Woche für Woche an den Bildschirm gebannt, um mit den Unbestechlichen auf Verbrecherjagd zu gehen.

Zweifellos waren es die unglaublich bösen Schufte, die der Serie einen weiteren Pluspunkt verliehen. Neville Brand gab einen großartigen Al Capone, Bruce Gordon war Frank Nitti, und sogar Peter "Columbo" Falk spielte einen Gangster. Der Erfolg der Serie war durchschlagend, aber er hielt sich nur vier Jahre lang, von 1959 bis 1963. In Deutschland liefen nur wenige Folgen Mitte der 60er Jahre, sicherlich ist auch dies der Brutalität zuzuschreiben. Erst Ende der 70er Jahre wiederholte man die Serie in einigen Dritten Programmen, und später im Privatfernsehen. Aber in den 70er Jahren war es ein Fernsehhighlight für mich, nicht zuletzt wegen der einzigartigen Atmosphäre und den großartigen Darstellern dieser in Schwarzweiß gedrehten Serie. Die Unbestechlichen - Chicago 1930 sind ein Fernsehdokument, das auch heute nichts von seiner Wirkung auf den Zuschauer verloren hat.

 

 

 

Mittlerweile sind zwei Staffeln der Serie erschienen, bestellbar u. a. bei Amazon, aber natürlich auch bei

 

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