EM 1972

05.04.13

von Carsten "Kaschi"

Die Spielzeit 1970/71 nach der temperamentvollen WM in Mexiko ist vor allem wegen der Ereignisse direkt nach Saisonende in Erinnerung geblieben: der Präsident von Kickers Offenbach, Horst Gregorio Canellas, machte mit Tonbandaufnahmen auf einer Pressekonferenz öffentlich, dass im turbulenten Bundesliga-Abstiegskampf mehrere Spiele verschoben worden waren! Eine solche Krise hatte es im deutschen Profifußball noch nicht gegeben! Bielefeld, Oberhausen und Offenbach mussten die Liga in den Folgejahren verlassen. Auch die Nationalmannschaft blieb von den Konsequenzen nicht verschont! Mit den Schalkern Klaus Fichtel, "Stan" Libuda und Bernd Patzke (mittlerweile bei Hertha BSC Berlin) standen aktuelle, mit dem Kölner Manfred Manglitz und den Braunschweigern Lothar Ulsaß und Max Lorenz ehemalige, mit Klaus Fischer und Rolf Rüßmann (Schalke 04) zukünftige Nationalspieler im Brennpunkt des Skandals und wurden nicht mehr bzw. auf lange Zeit nicht im A-Team eingesetzt. Auch für die Berliner Nachwuchshoffnungen Volkmar Groß (Torwart) und Arno Steffenhagen war Schluss mit dem DFB-Team. Die Zuschauerzahlen in der Bundesliga sanken in den beiden folgenden Jahren auf ein Rekordtief.

Fußballerisch hingegen war es eine Glanzzeit des deutschen Fußballs: Borussia Mönchengladbach holte mit Netzer als Regisseur seine zweite Meisterschaft, trotz Torpfostenbruchs! Im Jahr darauf stellte Bayern München neue Rekordmarken auf, Gerd Müller traf satte 40mal, auch im neu eröffneten Olympiastadion!

Doch dahinter trumpfte eine junge Schalker Mannschaft auf, die aber nur eine Saison lang jubelte – dann hatte sie sich durch den Skandal selbst zerstört! Mönchengladbach scheiterte im Europapokal so schön und tragisch wie sonst kein Team: erst im damals noch neuen Elfmeterschießen am FC Everton, dann trotz eines sensationellen 7:1 über Inter Mailand an der Bierdose, die Roberto Boninsegna am Kopf traf. "Mein" Werder Bremen versuchte nach Jahren des Abstiegskampfes durch eine hektische Einkaufspolitik 1971, mit den „Millionaros“ wieder an die Spitze zu kommen – vergeblich! – International feierte der holländische Vereinsfußball mit Ajax um Johan Cruyff und Piet Keizer sowie Feyenoord um Wim van Hanegem und Rinus Israel Europa- und Weltpokaltriumphe über die etablierten Spitzenvereine.

ARD-Sportmoderator Klaus Schwarze, eigentlich ein Handball-Spezialist, hatte das "Tor des Monats" in England entdeckt und in die Sportschau eingeführt. Das Spiel um die fünf schönsten Tore des Monats, das zum Jahresende in das "Tor des Jahres" einmündete, wurde zum Dauerbrenner. Erster Schütze des schönsten Tores 1971 wurde der dänische Außenstürmer von Borussia Mönchengladbach, Ulrik Le Fèvre, der einen Ball zweimal über Schalker Verteidiger hinweg hob und dann volley einschoss! Zu den bekanntesten Moderatoren und Kommentatoren der Sportschau gehörten damals neben Klaus Schwarze noch Ernst Huberty, Addi Furler, Dieter Adler, Hans-Joachim Rauschenbach ("Wenn es Suppe regnet, soll man nicht mit der Gabel dastehen!"), Manfred Vorderwülbecke, Fritz Klein, Günter Wölbert, Werner Zimmer, Eberhard Stanjek, Oskar Klose, Rudi Michel, Holger Obermann, Peter Jensen und andere. Bei den DFB-Pokalauslosungen schlug stets die große Stunde von Wolfhard Kuhlins. Die Bundesligaergebnisse am Samstag erschienen auf einer sachlich gehaltenen schwarzen Übersichtstafel, auf der aber zunächst nur die Paarungen erkennbar waren. Die Ergebnisse wurden erst beim Verlesen des Moderators sichtbar. Auch nur von 6 Spielen – drei blieben noch offen, weil von ihnen Filmberichte gezeigt werden sollten.


Klaus Schwarze

 


H.-J. Rauschenbach


Dieter Adler


Addi Furler


Eberhard Stanjek


Fritz Klein

 


Wolfhard Kuhlins


Günter Wölbert


M. Vorderwülbecke


Peter Jensen

 


Arnim Basche

In der ZDF-Sportreportage sonntags, meistens mit Spitzenspielen aus den 5 Regionalligen, zum Saisonende dann mit der Bundesliga-Aufstiegsrunde und "Sport aus aller Welt",  waren Rolf Kramer, Oskar Wark, Volker Tietze, Radsportexperte Klaus Angermann, Wolfram Esser, Kurt Lavall und Arnim Basche häufig zu sehen. "Sport aus aller Welt" endete meistens mit kurzen Ausschnitten von einem ausländischen Schlagerspiel, überwiegend aus England. Alsbald gab es dann auch das abendliche "Sport am Freitag", oft mit Magdalena Müller, weil die Bundesliga immer öfter auf diesen Wochentag auswich. – Auch die "Sportschau" brachte sonntags eine Ausgabe, oft mit ähnlichen Berichten wie zuvor die "Sport-Reportage".


Klaus Angermann

 


Magdalena Müller


Oskar Wark


Rolf Kramer


Wolfram Esser


Kurt Lavall

 

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