Ein Mann will nach oben

06.04.13

Als ich für diese Seite mit Hilfe der vor kurzem auf DVD erschienenen Serie recherchierte, konnte ich mich zwar noch an erstaunlich viel erinnern, aber ich hatte sie ein wenig düsterer, ernster in Erinnerung, als sie letzten Endes war.  

Die Serie war ein Highlight im Jahr 1978 – sonntags um 20.15 Uhr saß die halbe Nation vor dem Fernseher und schaute Mathieu Carriere, Ursela Monn und Rainer Hunold zu, wie sie im Berlin um 1910 herum versuchten, "nach oben" zu kommen. Und auch ich saß gemeinsam mit meiner Mutter vor dem Fernseher.

Insgesamt deckt die Serie in 13 Folgen einen Zeitraum von etwa 15 Jahren ab.


Aber welcher Mann wollte denn nach oben?

 

Hauptfigur ist Karl Siebrecht, ein 16jähriger junger Mann, der nach dem Tod seines Vaters in Berlin Fuß fassen will. Bereits im Zug lernt er Rieke Busch kennen, ebenfalls 16 Jahre alt, ein Schulmädchen, das zu Hause für den labilen Vater und die kleine Schwester Tilda sorgt. Fortan gehört Karl praktisch zur Familie – genau wie Kalli Flau, ein ehemalige Matrose, mit dem sich beide anfreunden.

Nach anfänglichen Problemen und dem Versuch, als Bauzeichner zu arbeiten, wendet sich Karl dem Gepäcktransport am Berliner Bahnhof zu. Er schafft es, die alten Handkarren durch Pferdewagen zu ersetzen und bringt sogar die erst widerstrebenden Lizenz-Gepäckträger auf seine Seite. Nachdem er sich mit seinem Konkurrenten Wagenseil entzweit hat, kauft Karl eine Kneipe – und erst mit Hilfe von Herrn Gollmer gelingt Karl der Weg zurück ins Transportgeschäft. Diesmal sogar mit Autos!

 

 

Aber nicht nur die berufliche Karriere wird beleuchtet, auch die persönliche. Schon bald ist klar, dass Rieke in Karl verliebt ist und Kalli in Rieke. Bei Karl ist man sich nie so ganz klar darüber, was er für Rieke empfindet – er mag sie wohl sehr, aber Liebe ist es wohl nicht. So etwas wie Liebe fühlt Karl für Ilse Gollmer. Trotz alledem heiratet Karl Rieke nach dem Krieg, die beiden haben auch einen Sohn zusammen – Karlchen. Irgendwann trennen sich die beiden jedoch wegen Ilse – und Kalli kriegt endlich seine Rieke.  

Mathieu Carriere spielte Karl Siebrecht sehr distanziert, manchmal sogar recht kühl, die Schweizerin Ursela Monn (jedoch in Berlin geboren) die freche Rieke und Rainer Hunold Kalli Flau. Für alle drei Darsteller war es der große Durchbruch. Ursela Monn spielte später auch sehr viel Theater, große Fernsehkarriere machte Rainer Hunold, den wir u. a. als Anwalt in "Ein Fall für zwei" oder auch aus "Praxis Bülowbogen" kennen.

 

 

Die Serie war aber auch bis in die Nebenrollen stargespickt: Karl Michael Vogler spielte den ersten Förderer von Karl, Herrn von Senden. Günter Pfitzmann war sein fieser Schwager Kalubrigkeit, Inge Wolffberg Karls  Zimmervermieterin, Walter Buschhoff war Vater Busch, Harald Juhnke spielte hinreißend fies den Franz Wagenseil, Anita Kupsch seine Frau, Günter Strack war Automobilfabrikant Gollmer, in dessen Tochter, die von Ulli Philipp dargestellt wurde, Karl verliebt war. Und sogar die Dienstmänner am Bahnhof waren durchweg alle bekannt, allen voran der fiese Kiesow (Gerd Haucke).

Ich war 16, als die Serie erstmals im ZDF ausgestrahlt wurde, und eigentlich hätte ich mich ja mit den drei Hauptdarstellern, die etwa in meinem Alter sein sollten, identifizieren müssen. Das tat ich aber nicht, mir gefiel die Geschichte zwar sehr und ich sah jeden Sonntag zu, aber ich fühlte mich keineswegs gleichaltrig mit Karl oder Rieke.

 

 

Tja – und das machte die Serie trotz der guten Darsteller und der durchaus spannenden Geschichte damals für mich ein wenig unglaubwürdig. Beide – sowohl Karl als auch Rieke – sahen nämlich mindestens genauso alt aus wie ihre Darsteller, nämlich wie knapp 30. Besonders Ursela Monn, die ich für eine gute Schauspielerin halte und die auch gut spielte in der Serie, fand ich damals und auch heute für die Rolle der 16jährigen Rieke viel zu alt. Später passte es natürlich wieder.

Die Vorlage zur Serie schrieb Hans Fallada, das Buch erschien erst in den 50er Jahren nach seinem Tod.

Die Serie wurde mit Lob überschüttet und war - vollkommen zu Recht - ein großer Erfolg. So etwas wird heute leider nicht mehr gedreht. Einen kleinen Eindruck vom großen Erfolg bekommt man auf der Wikpedia-Seite zu "Ein Mann will nach oben".

 

Die Bilder stammen aus der vor kurzem erschienenen DVD-Box, die ich wirklich nur jedem ans Herz legen kann - selten kann man um die 40 Euro besser anlegen: für ein Stück Fernsehgeschichte. Bestellbar bei Amazon, aber auch u. a. bei :

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Ein Mann will nach oben (5 DVDs)

 


 

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