High Chaparral

29.06.13

von  Pete

Die Bewohner von "High Chaparral"

Die Serie weckt bei mir besonders intensive Erinnerungen, denn zum einen mochte ich als Kind einen der Hauptdarsteller, Henry Darrow alias Manolito Montoya, nicht besonders, weil er immer nur am Grinsen war. Dafür kann natürlich Henry Darrow nichts, aber die ewige Grinserei ging mir auf die Nerven. Manolito grinste, wenn er eine Senorita beglückte, er grinste im Zweikampf und wenn er einen Gegner erschoss. Nur wenn seine (Film-)Schwester Linda Cristal alias Victoria Cannon mit ihm ins Gericht ging, verging selbst Henry Darrow das Grinsen.

Aber egal, es gab noch andere Gründe, warum ich damals, in den frühen 70er Jahren, diese Serie mit zwiespältigen Gefühlen anschaute: Zum einen ging es entweder darum, die High Chaparral Ranch gegen mexikanische Nachbarn zu verteidigen, zum anderen gegen stets marodierende Apachen. In all den 98 Folgen gelang es Big John Cannon erst nach etwa der Hälfte der Serie, einen Waffenstillstand mit den Indianern zu schließen. Danach nahm auch die Qualität der Serie seltsamerweise ein wenig ab, und die Abenteuer wurden harmloser und humorvoller.

Auch war für mich ein Western, in dem Mexikaner die Hauptrolle spielen, kein Western. Ich bin kein Rassist und hab auch nichts gegen Mexikaner, aber mir fiel es immer schwer, die Jungs, die kaum was zu Essen auf den Tisch kriegten, dennoch mit silberbeschlagenen Sätteln, bestickten Wagenrad-Sombreros auf dem Haupt und den teuersten Schießeisen, die man finden konnte, im Holster rumlaufen bzw. –reiten zu sehen. Irgendwie waren das nicht meine Westernhelden, und deshalb mag ich auch heute noch keine Western, in denen Mexikaner die Hauptrolle spielen.

 

In jungen Jahren lag ich in lauen Sommernächten im Bett und las... ein Fernsehbuch aus dem Schneider-Verlag mit dem Titel "High Chaparral – Blue und Manolito in den Händen der Apachen" (wo sollen die beiden auch sonst sein?). Dumm war nur, dass nach 21.00 Uhr das Krachen der Winchestergewehre und das Belfern der Revolver aus dem Wohnzimmer zu mir ins Kinderzimmer herüberdrang und mich nicht nur vom Lesen abhielt, sondern mich auch neugierig auf das "wahre" High Chaparral machte. Ich schlich also (Cochise hätte mich glattweg adoptiert, hätte er es mitgekriegt) in Ermangelung von Mokassins barfuss in den Flur und verbarg mich hinter dem Schuhschrank, von dem aus man einen guten Blick auf die Mattscheibe erhaschen konnte. Und so kam ich also auch überwiegend heimlich in den Genuss der für die damalige Zeit doch recht brutalen Abenteuer der Cannon-Familie von High Chaparral...

 

 

Erzählt wird die Geschichte von Big John Cannon, der in den 1870er Jahren im noch wilden und unzivilisierten und vor allem weitgehend unfruchtbaren Arizona-Territorium eine Ranch bewirtschaften will – gegen alle Widerstände gründet Big John Cannon die Ranch High Chaparral. Leider stellt sich sein geliebtes Eheweib schon gleich nach der Ankunft im gelobten Land einem Apachenpfeil in den Weg, und so muss Big John sich was einfallen lassen, um seinen naiven Sohn Blue Boy durchzubringen. Um sich mit seinem mexikanischen Nachbarn Don Sebastian Montoya, der von Nachbarschaftshilfe so gar nichts hält, zu arrangieren, heiratet Big John die schöne Victoria, Tochter von Don Sebastian, und kriegt auch gleich deren jüngeren Bruder Manolo, genannt "Manolito", dazu. Damit ist Padre Sebastian alle Mühe los, seine schon reife Tochter an den Mann zu bringen und seinen nichtsnutzigen Sohnemann in die Wüste zu schicken. Soll sich der Gringo doch mit den beiden rumärgern...

Und so dauert es auch gut zwanzig Folgen lang oder sogar noch etwas länger, bis Blue Boy die Mexikanerin als Stiefmama akzeptiert und Big John den ersten liebevollen Kuss mit Victoria tauscht. Victoria aber nennt ihn so lange, jedenfalls bis zum ersten Kuss, nicht etwa "John", sondern "Senor Cannon". Ja, auch Beziehungskisten gab es im Wilden Westen. Sich näher zu kommen, dazu blieb ja auch kaum Zeit, denn der Kampf gegen das unwirtliche Land, gegen Banditen, Klapperschlangen und Skorpione und vor allem gegen Apachen kostete viel Zeit, Mühe, Schweiß, Blut und teure Munition.

 

Nun ja, im Laufe der Serie behauptet sich die Cannon-Familie im Land und alles geht seinen geregelten Gang. Friede, Freude, Tortillas... könnte man denken. Wenn, ja wenn da nicht ein gewisser Buck Cannon wäre, der jüngere Bruder von Big John. Dieser Buck Cannon ist ein sonderbarer Mensch, der nach getaner Arbeit oder auch vor getaner Arbeit nur an eines denkt: An sein Vergnügen. Und das findet meist im Saloon von Tucson statt. Buck Cannon geht keiner Schlägerei aus dem Weg, ist stets mehr betrunken als nüchtern, streitet sich mit seinem Bruder, liegt seiner Schwägerin zu Füßen, und hasst Indianer. In Don Sebastians nichtsnutzigem und stets zu dummen Streichen aufgelegtem Sohnemann Manolito hat er einen treuen Freund gefunden, und beide sind ein Herz und eine Seele, die es sich in den Kopf gesetzt haben, aus dem Milchbubi Blue Boy einen "Mucho Hombre", einen ganzen Kerl, zu machen. Das kann natürlich nur schief gehen, und so finden sich die drei immer wieder in den prekärsten Situationen wieder, die man sich denken kann.

David Dortort, der geistige Vater und Produzent von "Bonanza", kreierte mit "The High Chaparral" einen eher ungewöhnlichen Familienwestern, der zwar zur Konkurrenz für Bonanza, allerdings aber auch nicht zum ernstzunehmenden Rivalen des Ponderosa-Erfolges wurde. Leider war die Show ziemlich brutal und Buck Cannons Scherze ziemlich derb, so dass nach vier Jahren die letzte Klappe fiel. Bis dahin aber hatten sich die Hauptdarsteller längst in die Herzen einer stetig wachsenden Fangemeinde gespielt.

 

 

Was machte den großen Unterschied zu "Bonanza" aus? Natürlich die Tatsache, dass "The High Chaparral" ungemein rauer war. Dazu kam, dass Blue Boy Cannon (gespielt von Mark Slade) ein kaum ernstzunehmender Charakter war. Im Gegensatz zu "Little Joe" Cartwright, der sich selbst gerne als Little Joe vorstellt, hasst Blue Boy seinen Nickname. Er hasst es auch, stets wie ein kleiner Junge behandelt zu werden. Seine Versuche, sich als Mann in einer Männerwelt zu behaupten, scheitern meist kläglich. Er ist zwar mutig, aber ebenso dickköpfig wie leichtsinnig, ein miserabler Schütze und ein noch schlechterer Faustkämpfer. Es dauert bis fast zur vorletzten Staffel, bis Blue Boy Cannon endlich mal zeigen kann, was in ihm steckt. Ohne Blessuren geht das dann aber auch nicht ab. Irgendwie hat man sowieso den Eindruck, dass sich die Charaktere in "High Chaparral" sehr langsam entwickeln.

Neben Leif Erikson, der bereits als Gaststar in zahlreichen Western sowie in "Bonanza" zu sehen war (wo er sich als Nachbar mit Ben Cartwright einen furchtbaren Faustkampf liefert) ist vor allem Cameron Mitchell in der Rolle von Buck Cannon erwähnenswert, und natürlich die schöne Linda Cristal als Victoria Cannon.

Cameron Mitchell kam nach zahlreichen kleinen und kleinsten Filmrollen in USA und Europa nach Tucson, als man gerade High Chaparral aus der Taufe heben wollte, und wurde sofort für die Rolle des Buck engagiert. Es war seine wichtigste Hauptrolle. Bemerkenswert ist, dass Cameron Mitchell sich offenbar geweigert hatte, Cowboystiefel zu tragen, denn er latscht immer in irgendwelchen Tretern mit Profilsohle aus Gummi rum. Er war der erklärte Spaßmacher am Set, kam super mit Kindern und Pferden zurecht und alle mochten ihn. Nach "High Chaparral" verheizte man ihn jedoch nur noch als Gangster in Krimiserien oder sogar als irrer Killer in dem bei uns verbotenen Horrorthriller "Der Bohrmaschinen-Killer". Er starb im Jahre 1994 an Lungenkrebs. Für High Chaparral brachte er übrigens einen vollendeten Südstaaten-Akzent vor die Kamera, was in der deutschen Fassung natürlich völlig fehlt. Im Original zeigt sich, dass gerade wegen dieses Akzents und seiner dazu gehörigen Mimik Cameron Mitchell ein großartiger Schauspieler und ein Gewinn für diese Serie war.
 

 

Linda Cristal, die "Victoria Cannon", war eine geborene Argentinierin und prädestiniert für die Rolle. Sie spielte mit ihrem südamerikanischen Temperament und ihrem Charme alle an die Wand. Besonders ihre temperamentvollen Ausbrüche sind wirklich beeindruckend. Ihre Rolle bekam sie quasi in allerletzter Minute, denn David Dortort hatte bereits andere Schauspielerinnen gecastet, und man war davon ausgegangen, dass die Rolle bereits vergeben sei, als Linda Cristal davon hörte. Sie stocherte nach und ging David Dortort auf die Nerven, bis er auch sie castete, und damit war Victoria Cannon geboren. Zuvor hatte Linda in John Waynes Regiedebüt und finanziellem Debakel "The Alamo" eine der weiblichen Hauptrollen gespielt. Nach "High Chaparral" blieben auch für Linda nur noch Nebenrollen übrig, aber sie war ein gerne gesehener Gast auf amerikanischen Bildschirmen. So sah man sie unter anderem in "Sheriff Cade"  sowie in einer beachtenswerten Co-Star-Rolle in dem hervorragenden Charles Bronson-Klassiker "Mr. Majestyk – Das Gesetz bin ich". Bemerkenswert an ihr war und ist, dass Linda nur in 29 der insgesamt 98 Episoden von High Chaparral“ nach Drehbuchvorgabe arbeitete. Danach improvisierte sie nur noch und machte ihre Sache so gut, dass jeder ihrer Auftritte perfekt war.

 

Henry Darrow, der den "Manolito" gab, war mit sichtlichem Spaß bei der Sache, aber auch für ihn hieß es nach "High Chaparral" nur noch Nebenrollen zu spielen. Dennoch, als Manolito Montoya wird er Westernfans unvergesslich bleiben. Um Mark Slade, den "Billy Blue Boy Cannon" ist es ruhig geworden. Er spielte zwar in zahlreichen Krimiserien wie "CHIPS" oder "Cagney & Lacey" Nebenrollen, und trat auch noch in Filmen auf, aber der große Erfolg blieb ihm versagt. Er betreibt ziemlich erfolgreich eine Künstleragentur, hat aber mit Schauspielerei nichts mehr am Hut. Dennoch, obwohl er nicht gerade einen wunderbaren Part hatte, gab er in "High Chaparral" sein Bestes und gehört einfach zu dieser Serie wie Little Joe zu Bonanza (In Bonanza spielte Mark Slade übrigens auch in einer Folge mit).

Ich bin erst wieder zu High Chaparral gekommen, als ich kürzlich zahlreiche Episoden der Serie im englischen Original angeboten bekam. Für mich ist es ein Vergnügen, beim Archivieren diese Serie wiederzusehen und vor allem Cameron Mitchell’s Slang zu genießen, obwohl die Serie nie zu meinen absoluten Lieblingen zählen wird. Dennoch... sie hat ihren Platz in meinem Archiv gefunden, und ich bin froh darum. Auch euch empfehle ich, auf eine Wiederholung von High Chaparral in einem der Privatsender zu achten. Denn wiederholt wird sie bestimmt – spätestens, wenn sie in Premiere durchgelaufen ist...

 

Nun hat es auch diese Westernserie nach Deutschland geschafft und kann bei allen gängigen Händlern gekauft/bestellt werden, sei es z. B. bei Amazon oder auch bei

 

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