Lancer

05.04.13

vom Westernexperten Pete

LANCER hieß die Serie, die mit einem ansprechenden Vorspann (Das Brandzeichen der Lancer-Ranch) und einer eingehenden Titelmelodie aufwarten konnte. In Deutschland lief sie Anfang der 70er im sonntagnachmittäglichen ARD-Programm und läutete so etwas wie das Ende des großen TV-Western ein. Offenbar war die Serie in der ARD (und dort waren seit "Maverick" und "Am Fuß der Blauen Berge" wahrlich kaum Westernserien gelaufen) als Gegenstück zu den ZDF-Westernhighlights "Die Leute von der Shiloh Ranch" oder auch "Big Valley" gedacht, aber die Rechnung wollte nicht so recht aufgehen.

Warum? Ganz einfach - wenn man Lancer heute betrachtet, hat man das Gefühl, zwischen zwei Welten zu wandern. Einmal hat die Serie schon noch Qualitäten und Atmosphäre der Spät-Sechziger, andererseits sind aber auch die Einflüsse der Siebziger bereits deutlich spürbar. Da wird streckenweise, wie das gegen Ende von "Bonanza" war, mit matter Kamera und Zeitlupe gearbeitet, und oftmals kommen die Geschichten nur recht langsam in Gang.

 

 

Dabei hätte LANCER zu einem Hit (auch in den USA) werden können. Die Darsteller waren durchweg sympathisch, es gab kaum Gewalt und die Stories hoben sich oftmals erfrischend von dem Einerlei vieler Westernserien ab. Man achtete darauf, nicht sehr oft die selben Schauspieler in immer verschiedenen Rollen auftreten zu lassen (dies war in BIG VALLEY beispielsweise aus Kostengründen der Fall), und man achtete auf schauspielerische Qualitäten. Es gab zahlreiche humorvolle Episoden, deren Humor aber nicht an den Haaren beigezogen und aufgesetzt wirkte wie beispielsweise bei "Bonanza" (ich sag' nur: "Hoss als Osterhase"), sondern wirklich noch aus der Situation und der Geschichte heraus entstand.

Warum also war die Serie kein Erfolg?

 

Man kann für die USA nur vermuten, dass es am unaufhaltsamen Abstieg des Fernsehwestern lag. LANCER kam einfach zu spät, hatte zu wenig Action und war oftmals zu gefühlsduselig und "brav" für eine amerikanische Westernserie und amerikanische Verhältnisse bzw. den Geschmack der Amerikaner. In Deutschland dürfte sicherlich die Zensur einen maßgeblichen Anteil an dem eher dürftigen Erfolg dieser Serie gehabt haben, die ziemlich schnell in Vergessenheit geriet, bis Leo Kirch sie ins Programm nahm. Denn man kürzte zahlreiche Episoden drastisch auf 43 Minuten herunter, um nur ja den lieben Kleinen am Sonntag Nachmittag keine Schießerei präsentieren zu müssen (hatte hier vielleicht der Bayrische Rundfunk gar die Hand im Spiel?).

Nun, man ging mit Lancer ziemlich hart ins Gericht. Sogar im Vorspann wurde die Szene, in der man Schüsse nur hört und Johnny Lancer im Sattel schwankt, teilweise komplett geschnitten (bei "Sheriff Cade" gab es im Nachtprogramm ähnliche Dummheiten, denn es war uns dort nicht zuzumuten, zu sehen, wie Gewehre aus dem Gewehrregal geholt wurden), oder aber man ersetzte die akustischen Schüsse durch das Zischen eines Lassos, das nun wirklich zu der Sequenz passte wie die Faust aufs Auge.

 

Der Schlusskampf in der Pilotfolge war derart verhunzt, dass dem Cutter offenbar jeglicher Sinn und Verstand gefehlt haben muss. Und in einigen Episoden verzichtete man sogar auf die Tag-Scene, also die "entspannende" Szene am Schluss, in der es meist eh nur Geplänkel und Gelächter gab. Es gab mitunter am Ende einer Folge ganz rapide Schnitte, dann die ohnehin verkürzte Abspannmusik, das war's. Zum Glück hat Premiere versucht, die Folgen möglichst in Originallänge zu zeigen, was jedoch auch nicht immer gelang. So sind manche Episoden gar 51 Minuten lang (für amerikanische Verhältnisse zu lang), andere dagegen nur 43 Minuten kurz.

Worum geht es bei Lancer? - Das lest Ihr auf der nächsten Seite...

 

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