MS Franziska

05.04.13

Die Geschichte einer Binnenschiffer-Familie auf dem Rhein

Ich war 16, als "MS Franziska" das erste Mal über die Bildschirme flimmerte - nämlich am 2. Januar 1978, als eine der ersten "Montagsserien" der ARD. Einige sollten sich anschließen, aber wenige kamen an die Beliebtheit dieses Motorschiffes heran. Das lag nicht nur an der hervorragenden Besetzung und den Drehbüchern von Heinz Oskar Wuttig, der schon so viele schöne Familienserien geschrieben hatte - nein, es lag auch daran, dass es eben keine gewöhnliche Familie war, die da vorgestellt wurde.

Es war eine Binnenschifferfamilie auf dem Rhein. Und sie spielte in Leutesdorf am Rhein, das ist ca. 10 km von dem Ort entfernt, wo ich großteils aufgewachsen, zur Grundschule und zur Realschule gegangen bin... Vielleicht auch ein wenig das Gefühl von "Heimat", warum mir diese Serie, die nicht gerade 16jährige als Zielgruppe hatte, so gut gefiel.

 

Paul Dahlke spielte den Binnenschiffer Jakob Wilde. Sein jüngster Sohn Paul, dargestellt von Ulrich von Dobschütz, mit seiner Familie hilft ihm bei der Arbeit auf dem Motorschiff "Franziska" auf dem Rhein. Klaus Knuth und Bruno Dietrich spielen seine beiden anderen Söhne, und Jochen Schroeder seinen Enkel Niko.

Ute, eine Besucherin meiner Homepage, hat mir freundlicherweise die Ausschnitte aus ihrer Fernsehzeitschrift zur Verfügung gestellt, so dass ich Euch die Inhalte der acht Folgen schildern kann. Ich übernehme sie ohne jede Änderung oder Kommentar.

 

Dazu einige Fotos aus der ersten Folge "Familientag" und die schöne Titelmelodie, die mir von Martin zur Verfügung gestellt wurde, dem ich auch - wie Ute - ganz herzlich danke. Eventuell gibt es später auch noch eine Dia-Show.

1. Folge: Familientag

Die "MS Franziska" gehört dem Rheinschiffer Jakob Wilde, der sich mit Mühe gegen die Konkurrenz der Reedereien behaupten muss. Seine drei Söhne, die ebenfalls auf dem Rhein schippern, reden ihm zu, den unrentablen Kahn zu verschrotten. Doch Jakob will noch nicht auf seine "Franziska" verzichten. - In der ersten Folge muss Jakob einem Schiff, das steuerlos auf dem Rhein treibt, ausweichen. Folge des abrupten Manövers: Maschinenschaden. Und das ausgerechnet am alljährlichen Familientag bei Tante Martha...

 

2. Folge: Im Grünen Hahn

Für Binnenschiffer Jakob bricht eine Welt zusammen: er muss sich aus Altersgründen bei der Gesundheitsbehörde melden. Sein Enkel Niko hingegen beginnt einen neuen Lebensabschnitt: er muss in die Schifferberufsschule auf dem Schulschiff "Rhein". Bei einem nächtlichen Landgang - der verboten ist - wird er von zwei seiner neuen Freunde kräftig unter Alkohol gesetzt. Er schafft es nicht mehr, an Bord zu gehen. Am nächsten Morgen ist Niko erstaunt, wo er aufwacht.

 

3. Folge: Kurze Reise

Kurz vor Straßburg liegt die "Franziska" an einer Schleuse fest, die wegen einer Polizeifahndung geschlossen wurde. Gesucht wird ein Deserteur der Fremdenlegion. Polizisten "kämmen" alle Schiffe durch. Ohne Erfolg. Als die Aktion abgeblasen wird, kann Aavje aufatmen. Sie weiß, dass sich der Legionär auf der "Franziska" versteckt hat. Das hätte böse Folgen haben können. Ob Jakob etwas von ihrer heimlichen Hilfe für den Gesuchten bemerkt hat? Es scheint, er hat vorerst andere Sorgen ...

Rechts: Niko Wilde (Jochen Schroeder)

 

4. Folge: Probefahrt

Die "Franziska" liegt auf einer Werft in Duisburg: Schraubenschaden. Jakob bleibt an Bord und nutzt die Zwangspause, um mit Freunden zu plaudern. Paul, Aavje und Christa sind zur Tante gefahren. Sie wollen ihr beim Hausputz helfen. Paul geht es nicht gut, er hat Bauchschmerzen. Trotzdem lässt er sich von Bruno überreden, mit nach Duisburg zu kommen, um ein Schubboot zu besichtigen. An Bord der "Mannesmann III" bricht Paul zusammen. Der Sanitäter diagnostiziert eine Blinddarmentzündung. Eine aufwändige Rettungsaktion bringt Paul gerade noch rechtzeitig auf den Operationstisch.

 

 

5. Folge: Pfannkuchen und Genever

Die "Franziska" macht eine Reise nach Rotterdam. Dort erlebt Niko zum ersten Mal die perfekte Technik und die gewaltigen Dimensionen eines Ozeanriesen. Sein Entschluss steht fest: er wird später einmal zur See fahren. Jakob muss sich um eine neue Ladung kümmern. Das einzige, was angeboten wird, ist Erz, doch das ist nur etwas für Spezialschiffe. Die "Franziska" hat da nichts mehr zu melden. So muss sie leer wieder rheinauf fahren. Unterwegs wird bei Jakobs holländischem Freund Voorman eine Pause eingelegt. Niko begegnet dort Femke, in die er sich verliebt.

Rechts: Niko Wilde (Jochen Schroeder)

 

6. Folge: Verspätung

Ruth und Ernst Wilde geben eine große Party: sie wollen ihr neues Haus einweihen. Bruder Paul und seine Frau Aavje sind über die Einladung nicht besonders erfreut, versuchen aber, ihrem Neffen Niko zuliebe pünktlich in Köln zu sein. Auch Jakob sind solche Feiern zuwider. Nur Niko ist daran interessiert, dass die "MS Franziska" rechtzeitig in Köln einläuft, denn seine holländische Freundin Femke erwartet ihn dort auf dem Bahnhof. Bis Koblenz verläuft die Fahrt reibungslos. Doch dann kollidiert plötzlich ein unvorsichtiger Motorbootfahrer mit der "Franziska". Niko ist völlig verzweifelt. Wie soll er jetzt nach Köln kommen?

Links: Aavje Wilde (Femke Boersma)

 

7. Folge: Talfahrt

Die "MS Franziska" liegt im Hafen von Basel fest, weil Jakob Wilde erhebliche Schwierigkeiten hat, einen neuen Frachtauftrag zu bekommen. Als ihm schließlich eine Ladung von 800 Tonnen Splitt angeboten wird, greift er sofort zu. Sein Sohn Paul ist entsetzt. Der Wasserstand ist sehr niedrig, und der Wetterbericht könnte gar nicht schlechter sein: für die gefährliche Strecke im "Gebirge" bei Kaub ist Nebel angesagt. Paul wirft seinem Vater vor, mit dieser Reise die "Franziska" zu gefährden. Doch Jakob bleibt stur, denn schließlich ist es ein lohnender Auftrag. Die "MS Franziska" geht schwer beladen auf Talfahrt.

 

 

8. Folge: Auf Sloophelling

Das Schicksal der "MS Franziska" ist besiegelt: das Leck ist nicht mehr reparieren. Jakob lässt das havarierte Schiff zur Abwrackwerft schleppen. Noch einmal beweist der alte Fuchs seinen Geschäftssinn: er beginnt, seine "Franziska" auszuschlachten, verkauft Motor, Ankerwinden und feilscht um jeden Quadratmeter Plankenholz. Seinem Sohn Paul gegenüber hat er ein schlechtes Gewissen, denn durch seinen Starrsinn hatte er ihm den rechtzeitigen Absprung von der veralteten "Franziska" auf ein modernes Schubboot verbaut.

 

 

Weitere Fotos gibt es auf der nächsten Seite - hier erst einmal die Titelmelodie... und deren Geschichte, die mir der Komponist dieser wirklich wunderbar passenden Melodie, Peter Schirmann, selbst erzählte:

"Wolfgang Staudte rief mich an und bat mich nach Baden-Baden. Er habe eine Serie im Schneideraum, aber die drei Musikvorschläge, die von Kollegen in einer Art Wettbewerb eingereicht wurden, passten nicht so recht. Letzte Hoffnung: icke! Die eingereichten Melodien der drei Kollegen, die man mir anonym vorspielte, waren alle sehr gut - aber tatsächlich passte keine so richtig. Die Stücke stammten allesamt von renommierten Kollegen - ich war Seiteneinsteiger und hatte somit den Schwarzen Peter, ich musste gute Leute überzeugend übertreffen.

Als ich alle acht Folgen im Rohschnitt angesehen habe, war mir klar: das war Realismus pur, ganz ohne Fett. Und ich hatte die Lösung:

Was macht ein Partikular-Kapitän, der 70 Jahre alt ist, wie sein Schiff, und auch noch vom knorzigen Paul Dahlke verkörpert wird? Spielt der im Steuerhaus Akkordeon oder Geige? Hört der ständig Radio? Nee! Der pfeift 'n bißken durch die Zähne, vielleicht auch 'n bißken falsch vor sich hin und passt auf, dass der Kahn genug Wasser unterm Kiel hat!

Aus diesem Gedanken entwickelte sich die Titelmusik, die ohne Murren angenommen und übrigens auch von meinen Kollegen (unter anderem der von mir sehr verehrte Martin Böttcher und Dieter Reith) neidlos als passend empfunden wurde. Die Melodie von Dieter Reith - eine jazzige Melodie a lá "Die Straßen von San Francisco" - wurde dann noch als Hintergrund zum Stadtbummel in Rotterdam verwendet.

Staudte war happy. Ick ooch...

Als Ergänzung wäre noch zu sagen, dass  man die Melodie auch mit einer Mundharmonika oder einem Akkordeon hätte spielen können, aber das wäre zu einfach gewesen. Ein Klischee wie der Hochzeitsmarsch aus dem Sommernachtstraum oder der Brautchor aus Lohengrin - oder La Paloma, wenn in See-Stücken der gebräunte Stenz an der Ruderpinne bedeutend aussehen soll. Vielleicht ist ja aufgefallen, dass in MS Franziska sehr wenig Hintergrund-Musik verwendet wird. Staudte zeigte mir am Schneidetisch, wo er Musik haben wollte. Und als ich immer öfter "Nein, hier nicht" sagte, forderte er fast ärgerlich eine Begründung. Er schloss sich dann meinem Argument an, dass realistische Szenenfolgen, wenn sie denn sauber inszeniert und gespielt sind und für sich sprechen, durch Musik eher beeinträchtigt werden.

Wenn Jakob Wilde Terminschwierigkeiten hat, muss die Musik das nicht naseweis kommentieren, was sie eh nicht kann: "Hey Leute, hört mal alle her, grummel, grummel, Paukenwirbel, Jakob Wilde hat Schwierigkeiten, und ihr seid zu doof, das ohne grummel, grummel, Paukenwirbel, zu erkennen." Und dass es langweilig und staubig ist, 'ne Ladung Kali zu löschen, muss man nicht musikalisch verdeutlichen. Lieber nerviges Krangequietsche als nichtssagende Musiksauce."

Soweit der Bericht von Herrn Schirmann, dem ich herzlich danke, dass ich das veröffentlichen darf. Und nicht nur Wolfgang Staudte konnte sich da anschließen, denn genau das denke ich mir auch sehr oft bei Musikuntermalung. Nicht immer ist Musik passend. Diese ist es jedoch. Leider darf ich sie auf Grund einer fehlenden GEMA-Lizenz nicht mehr auf dieser Seite anbieten.

 

Am 22. April 2006 war ich zu Gast in der Talkshow "Samstagabend" mit Markus Brock im SWR (20.15 Uhr). Das Thema: "Auf dem Rhein daheim". Diese Seite über "MS Franziska" war der Anlass zu dieser Einladung - und die Tatsache, dass es wohl immer noch Fans dieser großartigen Serie gibt. Markus Brock fragte mich, was mir an "MS Franziska" denn so gut gefallen habe, und ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich mich nie auch nur eine Sekunde gefragt habe, ob die Serie wirklich authentisch war, etwas, das ich mich bei einigen Serien heute schon frage. Die Wildes waren keine abgehobenen Guldenburgs, keine komplizierten Sätze sprechenden Drombuschs, das waren einfache, schwer arbeitende Leute - Leute wie Du und ich, mit denen man sich identifizieren konnte. Und dass die Serie gut recherchiert war und auch in Binnenschifferkreisen sehr beliebt war, habe ich auch bei dieser Sendung erfahren! Hoffen wir also, dass der SWR meine Aufforderung ("Wiederholen!") zumindest in Erwägung zieht...

Die Serie ist im September 2007 auf DVD erschienen. Sie ist erhältlich u. a. bei Amazon, aber auch bei :

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