Oh Mary!

06.04.13

Franks Begegnung mit Mary Tyler Moore

Anfang der 70er Jahre tauchte ein neues Gesicht im Regionalprogramm des Ersten auf. Mary Tyler Moore in der Rolle der Mary Richards eroberte den Bildschirm und mich auch. Erst im Rückblick weiß ich, dass diese Serie etwas Neuartiges für die damalige Zeit war. Sie zeigte eine junge, berufstätige, unabhängige Frau, die keine feste Beziehung hatte und auch keine wollte, auch wenn sie durchaus Männerbekanntschaften suchte. Das war ungewöhnlich, entsprach aber auch dem sich wandelnden Frauenbild jener Tage, macht allerdings die Serie in gewissem Maße zeitgebunden, denn heute ist das ja nun nichts Besonderes.

Doch für mich als 14jährigen zählte nur eins: Mary war attraktiv und sympathisch, dabei nicht mal blond (!) und ich verpasste möglichst keine Folge. Mary hatte gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich und wollte in einer anderen Stadt einen Neuanfang wagen. Und das, was sie vor allem auf ihrer Arbeitsstelle, der Nachrichtenredaktion eines Fernsehsenders in Minneapolis so alles erlebte, bereitete Vergnügen, auch wenn Marys Welt nicht immer heil war. Bei uns trug die Serie den Titel "Oh Mary!"

 

 

 

Da gab es den Chef, Mister Lou Grant: Harte Schale, aber weicher Kern.  Mary, die als Redaktionsassistentin und manchmal auch als Mr. Grants  Sekretärin arbeitet, bringt es mit seiner Unterstützung zum Schluss bis  zur Produzentin der Nachrichtensendung.

Ein netter Kerl ist Kollege Murray (Gavin Mc Leod, der spätere  Cpt. Stubing vom Love Boat) und seine Frau Marie (rein akustisch fand ich die  drei Namen Mary, Murray und Marie anfangs ziemlich verwirrend, da ich  vor allem den Vornamen Murray bis dahin noch nicht kannte). Dann ist da noch der geizige und obendrein absolut unerträglich  schleimige Nachrichtensprecher Ted Baxter (Ted Knight), der sich selbst für  den Größten hält, aber ständig eine Peinlichkeit nach der anderen abliefert, so dass ich mich als Zuschauer häufig "fremdschämte". Man wundert sich, dass ihn die etwas naive, aber sehr liebe Georgette (Georgia Engel)  dann im Verlauf der Serie heiratet. Und dann gibt es da noch eine weitere  Nervensäge, Sue Ann Nivens, gespielt vom "Golden Girl" Betty White,  die als "Perfekte Hausfrau" im Sender nicht minder von sich und ihren (hausfraulichen) Fähigkeiten eingenommen ist.

 


So begann die Sendung


Hier wohnte Mary

 

Dem Vorspann nachempfunden: die Statue vor dem Schauplatz der Serie in Minneapolis

Das feste Ensemble wird vervollständigt von Marys Freundin Rhoda Morgenstern (Valerie Harper), die nie verstehen kann, wie Mary immer wieder  die tollsten Männer abblitzen lässt. Ab und zu taucht auch noch Marys Vermieterin Phillys Lindström (Cloris Leachman) auf, die im gleichen Haus  wohnt und mit herablassendem Mitleid Marys Alleinleben (ohne Ehemann!)  beurteilt.

Im rückblickenden  Resümee überwogen beinahe die weniger  sympathischen Charaktere in dieser Serie, und selbst Mary wurde mit der  Zeit etwas nervig, da ihre Unfähigkeit, sich endlich mal an einen neuen Partner zu binden, sich nach meinem damaligen Empfinden und Verständnis  durch ein gewisses Maß an Zickigkeit ausdrückte. Andererseits wünschte  man sich schließlich auch als Zuschauer irgendwann mal ein Happy End,  das nie kam. Aber trotzdem denke ich mit Wehmut zurück, als der  Fernsehsender dichtgemacht wurde, Mary in der Schlussszene das Licht löschte und die Bürotür der Nachrichtenredaktion sich für immer schloss. Damit hatte  die "Mary Tyler Moore Show" ihr Ende gefunden.


Oben von links: Murray, Lou Grant, Ted Baxter,
unten von links: Sue Ann Nivens, Mary, Georgette

 

Anmerkung: Aus dieser Serie wurde das Spin-Off "Lou Grant" entwickelt. Der Chef von Mary ging nach Los Angeles, um dort die Lokalredaktion der Los Angeles Tribune zu leiten. Diese Serie war eine der wenigen, die erfolgreicher waren als das Original.

 

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