Als Twix noch Raider hiess...

08.06.13

War die Werbung der 70er noch ein wenig rührend in ihrer Suggestion, wir müssten perfekt sein hinsichtlich Achselnässe und Mundgeruch, so sagte uns die Werbung der 80er, dass wir noch perfekter sein mussten! Models, die beinahe magersüchtig anmuteten (nur wusste man damals noch nicht, dass es so etwas wie Magersucht gab, die waren einfach nur dürr), behaupteten, dass sie so bleiben wollten, wie sie sind... nämlich viel zu dünn. Dafür aßen sie dann Lebensmittel ohne Geschmack - nichts gegen die Artikel von "Du Darfst" - die waren schon in Ordnung, aber geschmacklich bestimmt nicht mit einem Lebensmittel, das nicht künstlich entfettet oder gesüßt wurde, zu vergleichen...

Meine damalige Kollegin Ute, spindeldürr und zuckersüß, behauptete allen Ernstes, der "Du-Darfst-Joghurt" schmecke viel besser als der "Zott-Sahne-Joghurt" (mein damaliger Lieblingsjoghurt). Nein, da wog ich doch lieber ein paar Kilos mehr und durfte essen, was ich wollte...

Auch Lätta, eine Halbfett-Margarine, war für die jungen und ernährungsbewussten Leute gemacht. Rama war für Familien, denn "Rama macht das Frühstück gut" - die Spots mit der Rama sah ich recht gern, ich mochte es, wenn glückliche, große Familien um den Frühstückstisch saßen und mit dem Messer in die Rama fuhren...

Irgendwie schien die große Zeit der Waschmittelwerbungen vorbei zu sein - gut, es gab das Sanso-Schäfchen und den nicht-neuen-sondern-mit-Perwoll-gewaschenen Pullover, aber die Werbung der 80er zeigte uns hauptsächlich, dass es zwar wichtig war, weiße und weiche Wäsche zu haben, aber mindestens genauso wichtig,  einen perfekten Körper zu haben, ohne den Genuss zu vergessen... Im übrigen sind Lätta, Du Darfst und Rama von der gleichen Firma - der Union Deutsche Lebensmittelwerke.

Das Maggi-Kochstudio zeigte uns, dass man mit Fix-Produkten aus der Tüte die tollsten Sachen machen konnte, und die Binding Brauerei behauptete, das alkoholfreie Clausthaler habe "Alles, was ein Bier braucht"... Na ja...

Eine der eingängigsten Werbungen überhaupt war die von Bonduelle - leider habe ich den legendären Mais-Song nicht auftreiben können, aber der von den Erbsen und Möhrchen ist auch sehr schön.

Doch noch etwas zur Körperpflege: die Werbung entdeckte den Mann! Der Duft von Axe provozierte die Frauen, mit dem Duft von Gammon konnte einem alles passieren, und beim City-Men sagte man nur: "Dieser Mann - dieser Duft". Und für Cliff stürzte man sich auch mal einfach von der Klippe...

 

 

Der beliebte Schauspieler Günter Strack warb für Malteserkreuz Aquavit und behauptete allen Ernstes: "Man gönnt sich ja sonst nichts" - fiel einem ein wenig schwer aufgrund seiner Körperfülle... Ich bezweifle, dass er jemals "Du Darfst" und "Lätta" zu sich genommen hat... Aber trotz allem war Strack sicher ein guter Werbeträger.

Auch die Werbung für Tiernahrung boomte. Ich arbeitete damals bei einem Handelsunternehmen, und ich weiß, wie viel wir damals mit Effem (u. a. Whiskas und Chappi) umsetzten. Es schien wirklich, als ob wir mehr für Tiernahrung als z. B. für Körperpflege ausgaben... Es gab plötzlich Hunderte von Sorten an Tiernahrung, es war unglaublich - unsere Haustiere schienen einen abwechslungsreicheren Speiseplan zu haben als ihre Herrchen und Frauchen.

Es gab noch Raider, den Pausensnack - 1992 wurde aus Raider plötzlich Twix. Es ist merkwürdig, ich habe mich bis heute nicht daran gewöhnen können - erst vor kurzem habe ich an der Kasse in unserer Kantine ein "Raider" verlangt...

 

 

 

Eine kleine Extra-Geschichte habe ich natürlich auch noch! Obwohl Milka die Kuh bereits 1972 einfärbte, gehört die Milka-Kuh auch in die 80er und die 90er, sie ist ein wahres Kult-Objekt geworden. Aber wie wurde die Kuh lila? Wer kam auf diese Idee? Natürlich eine Werbeagentur - nämlich die Frankfurter Agentur Young & Rubicam. Natürlich mußte ein besonders prächtiges Exemplar her - und das fand man im schweizerischen Simmenthal. Werner Kuhnen hieß der Bauer, Adelheid die Kuh. Sie wurde unter tierärztlicher Aufsicht mit wasserlöslicher Farbe besprüht, und auch nur auf die Seite, die porträtiert werden sollte. Es dauerte Stunden, immerhin mußte eine Schablone verwendet werden. Die Farbe fiel jedesmal ab, wenn Adelheid nur mit dem Schwanz wedelte. Damit sie den Blick überhaupt auf die Kamera richtete, musste ein Mann hinter der Kamera ständig ihre Aufmerksamkeit wecken.

 

Weitere berühmte Kühe waren Schwalbe und Perle - alle beide aus der Schweiz, Schwalbe ebenfalls von Bauer Werner Kuhnen, Perle hingegen aus dem Nachbarort. 1982 entschied man sich, die Kuh ein wenig ruhen zu lassen und stattdessen den Schwerpunkt auf die guten Zutaten zu legen. Es gab massenhafte Proteste! Und 1984 war dann auch die Kuh wieder da...

Schwalbe machte 1991 Schlagzeilen, als Werner Kuhnen sie schlachten wollte. Die Bildzeitung wütete, deutsche Tierschützer protestierten zuhauf, und Suchards PR-Chef witterte Morgenluft: er bot Werner Kuhnen eine monatliche Rente für Schwalbe an, wenn er sie leben ließe. Kuhnen willigte ein, zwei Jahre später bekam Schwalbe jedoch Arthrose und musste doch geschlachtet werden...

Mittlerweile dreht man die Milka-Spots nicht mehr in der Schweiz, sondern in Österreich - und auch die Kühe aus Simmenthal werden nicht mehr bevorzugt, obwohl es dort die gute Schweizer Alpenmilch gibt.

Die Milka-Kuh hat einen Bekanntheitsgrad von 98 Prozent - und ist damit neben Klementine und dem HB-Männchen eine der bekanntesten Werbefiguren in Deutschland.

Mein Streifzug durch die Werbung der 80er ist nicht so ausführlich geworden wie der durch die 70er, aber ich denke, dass es über die 70er auch wesentlich mehr zu sagen und zu schreiben gibt... Es war eben mein Jahrzehnt...

Hier wieder zwei Spots der 80er - leider musste ich die "musikalischen" Spots entfernen.
Das Raider-Foto stammt aus dem Fundus von "Mr. Magoo" aus den tvforen - auch an Dich vielen Dank!

Werbung der 80er
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Chappi
 
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Thai-Ginseng
 
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