Tarzan

05.04.13

(Text und Bilder von Pete)

"Aaaaaaaooooooooooaaaaaaaaahhhhhhh!!!" Wer kennt ihn nicht, diesen berühmtesten Schrei, den jemals ein Mensch auf der Kinoleinwand ausstieß?  Er ist das unverkennbare Markenzeichen von Tarzan, dem Affenmenschen, dem Herrscher des Dschungels. Der Schriftsteller Edgar Rice Burroughs schuf mit "Tarzan der Affenmensch" einen der fantastischsten und schillerndsten Helden des Abenteuer- und Fantasy-Kinos (und natürlich der Literatur). In unzähligen Filmen wurde der nur mit einem Lendenschurz bekleidete und mit einem Dolch bewaffnete Affenmensch vor der Filmkamera verkörpert, und der wohl berühmteste Film-Tarzan, Johnny Weissmüller, nimmt in einigen Interviews sogar für sich in Anspruch, den berühmten Triumphschrei des Dschungelhelden erfunden bzw. kreiert zu haben.

Der Affenmensch wurde jedoch meist als nicht sehr intelligentes Wesen dargestellt, das sich nur mit gutturalen Wortfetzen artikulieren konnte ("Ich Tarzan...du: Jane!") und seine Feinde mit roher Gewalt bekämpfte und besiegte. Das änderte sich schlagartig mit Lex Barker und Gordon Scott, die einen anspruchsvolleren und entwickelten Tarzan gaben. Es durfte nicht ausbleiben, dass sich mit dem Siegeszug des Fernsehens und dem Verlangen nach neuen Stoffen der Herr des Dschungels auch im Fernsehstudio von Ast zu Ast schwingen und der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen musste.

 

Im Jahre 1966 wurde die Idee geboren, Tarzan vor die Fernsehkameras zu holen. Es sollte aber nicht die Familienserie im Dschungel, also eine Art "Tarzan’s Familie Robinson", werden, deshalb musste Jane wegfallen. Tarzans Sohn "Boy" aus den Filmen wurde übernommen und in "Jai", einen kleinen Waisenjungen aus einer Mission, umgetauft, und Tarzans wichtigster Gefährte blieb der Schimpanse Cheetah.

Aber – woher einen Tarzan nehmen, den noch niemand kannte? Die Dschungelmänner wuchsen in den 60ern ja nicht gerade auf den Bäumen, und man konnte auch nicht jeden X-beliebigen Schauspieler in einen Lendenschurz stecken. Da erinnerte sich Produzent Sy Weintraub an einen jungen, gutaussehenden Texaner, der schon mal für die Kino-Rolle des Tarzan gecastet worden war und damals gegen Mike Henry den Kürzen gezogen hatte. Der Bursche war schon in verschiedenen Western und TV-Shows aufgetaucht und bei der Damenwelt recht beliebt. Sein Name: Ron Ely.

Sy Weintraub machte Nägel mit Köpfen, wie das nun mal so seine Art war. Flugs verpasste man Mister Ely einen Lendenschurz, das dazugehörige Messer, einen kleinen Jungen namens Manuel Padilla Jr. und einen Affen namens Cheetah und jagte ihn durch die brasilianischen Sets eines Films mit dem Titel Jungle Boy.

 

Ron Ely gab sein Bestes, aber die Natur machte der Produktion einen Strich durch die Rechnung. Naturgewalten zerstörten immer wieder das Set, die Crew wurde von Hitze und blutsaugenden Stechmückenschwärmen geplagt und Ron Ely verbrannte sich Arme und Beine, als er halbnackt durch die brennenden Sets gehetzt wurde.

Ron Ely war ein echter Texaner und hart im nehmen und weigerte sich, von Stuntmen gedoubelt zu werden. Er sprang von Felsen und Bäumen, ritt, schwang sich an Lianen durch den Film-Urwald, balancierte am Rand eines Wasserfalls entlang, joggte im Dauerlauf durchs Unterholz und kämpfte mit Löwen, Leoparden und zwielichtigen menschlichen Bösewichtern, und er machte alles selbst. Er brach sich die Knochen, er blutete, aber er lächelte.

Die Kritiker nahmen Tarzan zunächst nicht sehr freundlich auf, aber Johnny Weissmüller gefielen die ersten Folgen, und das Publikum verlangte nach mehr. Man nahm die Dialoge zugunsten der Action etwas zurück und machte weiter. Sogar ranghohe Gaststars wurden verpflichtet wie beispielsweise Diana Ross und die Supremes, und so fanden sich die jungen Soul-Röhren in Nonnenkleidern im afrikanischen Film-Dschungel wieder, um von Tarzan und seinen starken Armen gerettet zu werden.

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