WM 1966

05.04.13

von Carsten "Kaschi"

"Der Ball war drin!", soll er gesagt haben! Bundespräsident Lübke war wohl der einzige Deutsche, der anno 1966 dieser Meinung war …

Die Fußballweltmeisterschaft 1966 in England war die erste, die in großem Stil Einzug hielt in die Wohnzimmer der Nation. In den Fünfzigern fand Fernsehen noch überwiegend in Kneipen oder ähnlichen Versammlungsorten statt. Um 1960 herum wurde dann der millionste TV-Besitzer gezählt, doch die nächste WM 1962 war noch kein TV-Live-Erlebnis. Mit Telstar wurde der erste Nachrichtensatellit erst einen Monat nach der WM in Chile aktiviert. Vorher gab es keine transatlantischen TV-Übertragungen. Die Spiele in Südamerika liefen hierzulande also nur als Aufzeichnung ein paar Tage später und außerdem flogen Seeler und Co. nach durchwachsenen Spielen im Viertelfinale gegen Jugoslawien raus, früher als bei den Turnieren zuvor.

Die Zeit von Bundestrainer Sepp Herberger war abgelaufen, auch wenn er die Gründung der Bundesliga 1963 noch wesentlich mit vorangetrieben hatte. Bis dahin gab es fünf Oberligen, in denen die Teilnehmer einer Endrunde zur Deutschen Meisterschaft ermittelt wurden. In einem Endspiel wurde dann der Meister ausgespielt. Doch die neue Bundesliga führte zu einer Leistungskonzentration und zu international größerer Konkurrenzfähigkeit. Erster Bundesligameister wurde 1964 der Klub mit den damals professionellsten Strukturen, der 1.FC Köln.

Auf Herberger folgte 1964 sein Assistent Helmut Schön, mit den Co-Trainern Dettmar Cramer und Udo Lattek. Sein erster Erfolg war die gelungene WM-Qualifikation gegen Schweden und Zypern mit dem 2:1-Auswärtssieg in Stockholm 1965 als Höhepunkt. In diesem entscheidenden Spiel feierte Franz Beckenbauer sein Länderspieldebüt. 

1963 startete das ZDF mit seinem Programm und begleitete die Bundesliga und das gesamte Sportgeschehen Samstag abends mit dem "Aktuellen Sportstudio". Max Greger schuf eine swingende, unverwechselbare Titelmelodie. Das Programm wurde an einer Litfaßsäule im Studio angekündigt. Erste Moderatoren waren Harry Valérien ("Sapradi Bursch! Wo sammer? Ah – do sammer!"), Wim Thoelke ("Big Wim", später Showmaster von "Drei mal neun" und "Der Große Preis"), Gerd Krämer, Heribert Meisel und Rainer Günzler (zuständig auch für den Autotest im "Sport-Spiegel" und für sprachlose Interviewgäste wie den Boxer Norbert Grupe alias "Prinz von Homburg"). Das Torwandschießen, erfunden von Werner Schneider, ist bis heute das Markenzeichen der Sendung geblieben.

 

Erster Schütze mit vier von sechs möglichen Treffern war 1966 der Nürnberger Toni Allemann. 1974 versenkte Günter Netzer 5 Bälle. 6mal hat es bis heute (April 2006) noch keiner geschafft, zumindest nicht im "Sport-Studio" selber. Pelé und Eusebio trafen überhaupt nicht. Kurz danach kam mit Dieter Kürten ein Moderator hinzu, der lange Jahre die Sendung prägen sollte, nicht zuletzt durch Studiogäste, die sich die Perücken vom Kopf reißen ließen …

In den frühen 70ern stießen Heute-Moderator Hanns-Joachim Friedrichs und Eisschnellauf-Olympiasieger Erhard Keller zum Sportstudio.

Freitag nachmittags lief im ZDF "Die Sport-Information" mit der Vorschau auf das Wochenende und dem "Fragezeichen": "Was ist eigentlich … Penholder?", oft mit Karl Senne. Hintergrundberichte brachte "Der Sport-Spiegel" mit Alfons Spiegel als Moderator.

 

Harry Valerien

Gerd Krämer

Karl Senne

Rainer Günzler

 Die ARD hatte bereits seit 1961 die "Sportschau" im Programm, mit Ernst Huberty, dem Galopprennsport-Experten Addi Furler und Dieter Adler, Spezialist für Leichtathletik. Als Reporter verband Heinz Maegerlein etwa Eiskunstlaufberichte immer wieder mit philosophischen Betrachtungen. Anders bei Skirennen: "Tausende standen an den Hängen und Pisten." - Dazu kamen regionale Sportmagazine, bei uns die "Sportschau der Nordschau". 

Dieter Kürten

Alfons Spiegel

Ernst Huberty

 

Heinz Maegerlein

"Big Wim" Thoelke

Die Sportschau 1961

 

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Zu den Weltmeisterschaften 1970 und 1974 und zur Europameisterschaft 1972 geht es, wenn ihr auf den entsprechenden Link klickt.

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