Die seltsamen Methoden...

05.04.13

...des Franz Josef Wanninger

(Text von Pete)

Anfang und Mitte der Sechziger Jahre hatten Kriminalserien mit ländlichem Lokalkolorit Hochkonjunktur. Im hohen Norden konnten wir die Männer von der "Hafenpolizei" beim Einsatz begleiten, machten einen Abstecher über das "Hafenkrankenhaus", um später dann mit Polizeiwachtmeister Walter Hartmann, der "Weißen Maus" aus der Serie "Polizeifunk ruft" Streife zu fahren. Eine der erfolgreichsten Krimiserien von Anfang der Sechziger Jahre aber war "Funkstreife ISAR 12", die uns mit einer bajuwarischen Streifenwagenbesatzung in den Einsatz in und um München schickte. Damit wurde der Grundstock für eine der beliebtesten deutschen Vorabendserien gelegt, denn bei der Funkstreife begegneten wir dem großen Volksschauspieler Fritz Strassner, der bereits den Sessel des Chefs der Münchner Kripo ausfüllte, und einem jungen Heißsporn mit dem Namen Maxl Graf, der sich mit den Münchner Streifenpolizisten herumprügeln musste und sich mit ihnen gar Schießereien lieferte.

 

Mit dem Fernsehen gewannen natürlich auch die bayrischen Volkstheater (durch entsprechende Übertragungen der Stücke im TV) zusehends an Beliebtheit, und bald gehörte Maxl Graf zu jenen beliebten Volksschauspielern, die auf die Rolle des jugendlichen Liebhabers oder pfiffigen Knechts festgelegt waren. Später, als seine Schläfen schon grau wurden, löste ihn der junge Gerhard Lippert (der spätere Bergdoktor) in diesen Rollen ab. Aber eine der Hauptattraktionen des bayrischen Theaters hatte sich in zahlreichen Heimatfilmen der 40er, 50er und 60er Jahre einen Namen gemacht, und so blieb es natürlich nicht aus, dass dem bärbeißigen Hünen aus dem Alpenland die Hauptrolle einer bayrischen Krimiserie auf den Leib geschrieben wurde: Beppo Brem hieß der Naturbursche mit der Krachledernen, der alles überragte und wirkte wie ein alpenländischer Preisbulle. Die Lederhose hängte er an den Nagel, um sie nur noch bei Gastauftritten in Heimatfilmen anzuziehen. Dafür trug er nun einen Anzug und plagte sich mit einem ewigen Bandscheibenleiden herum, oder, wie er es ausdrückte, mit "der Hex", die ihn plagte.

 

 

Sein Rollenname war Franz Josef Wanninger, und er war seines Zeichens Kriminalinspektor bei der Münchner Kripo. Weil er aber seinen Kollegen Fritz Strassner, der den Kriminalrat Mitterer spielte, schlecht die Beinarbeit erledigen lassen konnte und sich sein arroganter preußischer Kollege Steiner, gespielt von dem stocksteifen Wolf Ackva, dafür zu schade war, brauchte Wanninger einen Assistenten. Den fand man in Maxl Graf, der nun die Seiten wechselte und nicht mehr der böse Bube war, sondern als Kriminalassistent Fröschl eben diesen Halodris das Leben schwer und jeder hübschen Sekretärin des Münchner Polizeipräsidiums ("Geh, Schatzi, sei doch net a-so. Gehma ins Kino, mir zwoa...?") den Hof machen durfte.

Mit diesem Team, das gleich drei äußerst beliebte Volksschauspieler ins Rennen schickte und ihnen auch in Nebenrollen einige Stars des Komödienstadls zur Seite stellte, konnte einfach nichts schief gehen. Von 1964 bis 1971 löste Franz Josef Wanninger auf unvergleichliche Art und mit ausgesprochen seltsamen Methoden jeden der weit über 100 Fälle.

 

 

In den ersten fünf Staffeln, die noch in schwarzweiß gedreht worden waren, gab es eine bunte Mischung von Verbrechern: Diebe, Räuber, Mörder, Bombenleger, Einbrecher, Waffenschmuggler, etc. Später, in den Farbstaffeln, wurde die Serie dann wesentlich harmloser (und leider auch reizloser) und Wanninger nur noch zur Staffage, um für Einschaltquoten zu sorgen.

 

Aber bleiben wir in den Sechziger Jahren. Franz Josef Wanninger steckt also, sehr zum Missfallen seines ehrgeizigen Kollegen Steiner, seine Nase nicht nur in die eigenen, sondern auch in dessen Fälle. Wo die normalen Ermittlungsmethoden, auf die Kollege Steiner so schwört, nicht zum Erfolg führen, taucht Wanninger ins Milieu ab und ermittelt undercover. Er kennt seine Pappenheimer und weiß, wie er selbst aus dem verstocktesten Bauerntrampel noch eine wichtige Information herausholen kann. Kriminalassistent Fröschl steht ihm treu ergeben zur Seite und arbeitet viel lieber für den Franz Josef als für den Steiner.
Das Gespann Wanninger/Fröschl spielte sich in die Herzen der Zuschauer. Von Beginn an wurde die Serie zum Hit und war ein Dauerbrenner und eine der erfolgreichsten Produktionen des Bayrischen Rundfunks. Mich begleitete Wanninger von einem Mordfall an, bei dem er den Mörder in einem Moorbad in eine Falle lockt. Das beeindruckte mich damals sehr, und seitdem gehörte Wanninger für mich zum Pflichtprogramm. Durch meine Eltern vorgeimpft, mit denen ich freitags die Heimatfilmklassiker der ARD und samstags den Komödienstadl anschaute, war mir Beppo Brem und später auch Maxl Graf ebenso vertraut wie Fritz Strassner, Gustl Bayrhammer und viele andere Volksschauspieler.

 

 

Erst in den 70er Jahren verlor Wanninger an Potenzial. Der übergewichtige Fritz Strassner verschwand erst einmal aus Gesundheitsgründen von der Bildfläche und tauchte später um etliche Kilos erleichtert und ziemlich gealtert auf den bayrischen Bühnen und im "Königlich Bayrischen Amtsgericht" wieder auf. Selbstverständlich folgte ihm der strebsame Steiner im Polizeipräsidium nach und war nun Vorgesetzter des inzwischen beförderten Inspektors Fröschl und dessen Kollegen Kettwig, etwas farblos dargestellt von Claus Biederstedt.

 

Wanninger selbst war im Ruhestand und wurde immer seltener von Fröschl und Kettwig um Mithilfe bei der Klärung von Verbrechen gebeten. Denn diesmal ging es nicht mehr um Kapitalverbrechen, sondern Fröschl und Kettwig verschwendeten, wenn sie mal was arbeiteten und nicht nur die Zeit totschlugen, ihre Talente an Diebstähle, kleine Betrügereien und Gaunerstückchen. Damit ereilte den "Wanninger" ein ähnliches Schicksal wie den nordischen "Polizeifunk ruft", der in "Hamburg Transit" zum eher anspruchslosen Langweiler abfiel. Aber um 1970 herum waren auch die Heimatfilme in der Zuschauergunst gesunken und verschwanden allmählich aus den Kinos, und das schlug sich auch auf die Lokalkolorit-Serien nieder. Erst das "Königlich Bayrische Amtsgericht" aus der Feder von Georg Lohmeyer vermochte wieder die Zuschauer zu begeistern. Beppo Brem, Fritz Strassner und Max Graf aber sahen wir neben dem Amtsgericht nur noch im "Komödienstadl".

Was bleibt, ist die Erinnerung an einen der beliebtesten deutschen Krimihelden - Franz Josef Wanninger. Mich hat diese Serie in meiner Kindheit begleitet und zählt auch heute noch, zumindest in den frühen Folgen, zu meinen liebsten Serien. Das bayrische Dritte wiederholt derzeit 13 Episoden der ersten Staffel. Franz Josef Wanninger's seltsame Methoden sind also tatsächlich, um es mit der Fortsetzung der Serie zu sagen, unsterblich...

 

 

Für das Bildmaterial wieder mal herzlichen Dank an Ingo!

Auch diese nostalgische Serie der 60er ist auf DVD erschienen, hier direkt zu bestellen, aber auch über :

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Die seltsamen Methoden des F.J. Wanninger (Folgen 1-21 s/w) [3 DVDs]

Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger, Folgen 22-36 [3 DVDs]

Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger, Folgen 37-52 [3 DVDs]

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