
29.05.11
Exklusiv-Bericht von Fritz Tillack, ehemals Bravo-Redakteur
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Ich
gehöre noch zu einer Generation von Jugendlichen, die - das gebe ich gerne
zu - richtige Halbstarke waren. Ich kann mich noch gut daran erinnern,
als ich das erste Mal Mitte der 50er Jahre bei dem Titel "Rock Around the
Clock" (dieser Titel stammt aus dem Film "Saat der Gewalt"), gesungen von
Bill Haley, einen Stuhl im Kino zertrümmerte. Natürlich hatte das für mich
böse Folgen!
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Die großen Vier: Paul, Ringo, George und John |
Es war natürlich nur verständlich, dass ich den
Wunsch hatte, dazu zu gehören, aber dies sollte noch lange dauern. |
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Aber machen wir nun den Sprung in die 70er Jahre. Ständig tauchten in den Hitparaden und bei BRAVO neue Namen auf, ich war zu dieser Zeit quer in Deutschland als DJ unterwegs. BRAVO war für mich die wichtigste Informationsquelle, so konnte ich mein Musikprogramm bestens nach den Hits dieser Zeitschrift gestalten. Würde ich nun alle Namen in der Zeit von 1970 bis 1974 aufzählen, dann würde das den Rahmen sprengen, aber sie gehörten ohne Zweifel zu den größten internationalen Top Bands und Stars: Bee Gees, Rolling Stones, Shocking Blue, Lords, Tremeloes, usw. usw. |
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LICHT AUS! SPOT AN!
Die 70er Jahre bescherten uns viele schöne
Musikstunden im TV. Das Schöne daran, wir waren noch unter uns, denn die
Privaten gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 1965 eröffnete der Beat Club
seine Pforten, Uschi Nerke und ihr Team versorgten uns mit allen
musikalischen Neuheiten. Am 9. Dezember 1972 schloss der Beat-Club mit der
83.
Ausgabe seine Pforten, die Fans waren
darüber nicht glücklich. Uschi Nerke wurde zu einer Kultfigur dieser
Generation.
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Jeden Monat bewegte sich die Fangemeinde der
damaligen BRAVO- Lieblinge nach Unterföhring. Natürlich durften nur die ins
Studio, die das Glück hatten, eine Eintrittskarte für die aktuelle Show
bekommen zu haben. Aber das schöne war, dass sich alle Interpreten ihren
Weg durch die Fans zum Eingang kämpfen mussten. Auch wir BRAVO-Leute machten
da keine Ausnahme, denn unseren Mitarbeiter-Ausweis bekamen wir erst von
Bert Bucher, dem Aufnahmeleiter dieser Kultsendung. |
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Zum Beispiel die Bay City Rollers (über sie wurde ja schon ausführlich an anderer Stelle berichtet). Wir haben – so war es Brauch bei BRAVO - eines Tages ihre Original-Klamotten, die sie in "Disco" getragen hatten, in einer BRAVO-Ausgabe verlost, konnten allerdings nicht ahnen, was uns da erwartete: Die Damen am Empfang riefen mich an und teilten mir mit, dass ca. 100 Mädchen da seien, die den Verantwortlichen für diese Verlosung sprechen wollten ... Das war ich – ich war für alle Leseraktionen, Otto-Wahl-Traumtreffs und Eventshows verantwortlich. Für mich galt immer: die Leser sind unsere Kunden und haben daher ein Recht auf exklusive Behandlung. Ich fuhr also vom vierten Stock zum Empfang und wurde schon mit großer Begeisterung begrüßt. Ich nahm die Mädchen dann mit in mein Büro - meine damalige Mitarbeiterin und ich fragten, was sie eigentlich genau wollten, denn die Gewinner der Verlosung waren noch nicht ermittelt. Um es kurz zumachen: sie wollten nur einmal die Klamotten sehen und anfassen! Wir schlossen also unseren Schrank auf und erlaubten, dass alle einmal die wertvollen Klamotten in die Hand nehmen konnten, dabei konnten wir auch dabei beobachten, dass da einige kleine Fäden aus den Schals gezogen wurden - aber das gehörte einfach dazu. |
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Bei der
BRAVO-Super-Disco 1976 in der Berliner Deutschland-Halle fielen 340
Mädchen wegen BCR in Ohnmacht. Die Bildzeitung schrieb am nächsten Tag:
"BRAVO hat nichts dazu gelernt". Zur Erklärung: bei der Veranstaltung im
März 1973 wurde ein Mädchen beim Verlassen des Löwenbräu-Kellers tot
getrampelt. |
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Zu allem Unglück gab es auch noch eine Bombendrohung, der Saal musste aus Sicherheitsgründen geräumt werden - ein übler Scherz. Kurze Zeit später traten die Teens im Circus-Krone-Bau in München auf (hier waren auch schon die Rolling Stones und die Beatles auf der Bühne), die Ordner hatten alle Hände voll zu tun, denn die Fans spielten einfach verrückt, die Bühne war übersät mit Stofftieren aller Art (ja, ich stand am Rande der Bühne), aber es war einfach super. |
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Zurück zur Disco: Ich
erinnere mich an eine Geschichte mit den Rubettes – damals war ich mit
meiner Frau im Backstage-Bereich dabei. Meine Frau bemerkte, dass eine
Gitarre total verschmiert war und putzte sie erst einmal richtig blank,
worauf hin sich die Jungs mit einem dicken Bussi bedankten – Herz, was
willst du mehr? |
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Eine bezaubernde
Geschichte erlebte ich auch mit Bonnie Tyler in einem Hamburger Hotel. Wir
waren vorher bei einer BRAVO-Disco in Kiel und fuhren nach der Veranstaltung
wieder nach Hamburg zurück. Bonnie Tyler war noch auf ihrem Zimmer, das
direkt neben meinem lag. Ich saß an der Hotel Bar und wartete auf sie. Neben
mir saß eine ältere Dame, die schon etwas angegriffen aussah und mich
plötzlich ansprach – ob ich denn nicht wüsste, wer sie sei? Ich wusste es
leider nicht! Es war Evelyn Künnecke, ein Star aus vergangenen Tagen. Ich
stellte ihr dann Bonnie vor – na ja, begeistert war sie nicht. Einige Fotos auf dieser Seite entstanden mit freundlicher Unterstützung von Herbert Hauke www.rockmuseum.de. Vielen Dank hierfür! Nachdruck auch auszugsweise bitte nur mit vorheriger Genehmigung des Autoren. Bild rechts: Fritz Tillack heute. |
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