Die Superstars der 70er

 

29.05.11

Exklusiv-Bericht von Fritz Tillack, ehemals Bravo-Redakteur

Ich gehöre noch zu einer Generation von Jugendlichen, die - das gebe ich gerne zu - richtige Halbstarke waren. Ich kann mich noch gut  daran erinnern, als ich das erste Mal Mitte der 50er Jahre bei dem Titel "Rock Around the Clock" (dieser Titel stammt aus dem Film "Saat der Gewalt"), gesungen von Bill Haley, einen  Stuhl im Kino zertrümmerte. Natürlich hatte das für mich böse Folgen!

Der Rock'n Roll erreichte seinen Höhepunkt mit Elvis Presley und vielen anderen Stars aus dieser Zeit. Am 26. August  1956 wurde eine neue Filmzeitschrift geboren: BRAVO! Die Macher von damals glaubten wohl selber nicht an diesen großen Erfolg, aber sie sollten sich irren. Auch ich war von Anfang an ein treuer Leser dieser Zeitschrift, wenn auch nur unter der Bettdecke, aber ich gehörte einfach schon damals dazu.

 


Der King: Elvis

 


 

Die großen Vier: Paul, Ringo, George und John

Es war natürlich nur verständlich, dass ich den Wunsch hatte, dazu zu gehören, aber dies sollte noch lange dauern.

Mittlerweile bewegte sich was in der Musik-Szene - der Rhythmus änderte sich, neue Namen tauchten am Pop-Himmel auf. Eine Band veränderte die Fanwelt völlig! 1964 waren sie zum ersten Mal auf der Titelseite der BRAVO (Ausgabe vom 26. Mai). Bisher kannte diese Band eigentlich nur die Jugend in Hamburg, doch das änderte sich nun schlagartig. Die BRAVO-Leser wollten alles über diese Band aus Liverpool wissen. Die Fans in der ganzen Welt gerieten bei ihrer Musik aus dem Häuschen und wenn sie persönlich auftauchten, gab es für sie kein Halten mehr - diese Band setzte Maßstäbe, wie man sie bisher nicht kannte: Die Beatles!

 

Aber machen wir nun den Sprung in die 70er Jahre. Ständig tauchten in den Hitparaden und bei BRAVO neue Namen auf, ich war zu dieser Zeit quer in Deutschland als DJ unterwegs. BRAVO war für mich die wichtigste Informationsquelle, so konnte ich mein Musikprogramm bestens nach den Hits dieser Zeitschrift gestalten. Würde ich nun alle Namen in der Zeit von 1970 bis 1974 aufzählen, dann würde das den Rahmen sprengen, aber sie gehörten ohne Zweifel zu den größten internationalen Top Bands und Stars: Bee Gees, Rolling Stones, Shocking Blue, Lords, Tremeloes,  usw. usw.

 

LICHT AUS! SPOT AN!

Die 70er Jahre bescherten uns viele schöne Musikstunden im TV. Das Schöne daran, wir waren noch unter uns, denn die Privaten gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 1965 eröffnete der Beat Club seine Pforten, Uschi Nerke und ihr Team versorgten uns mit allen musikalischen Neuheiten. Am 9. Dezember 1972 schloss der Beat-Club mit der 83. Ausgabe seine Pforten, die Fans waren darüber nicht glücklich. Uschi Nerke wurde zu einer Kultfigur dieser Generation.

Wenn man von Kultfiguren spricht, dann gehört er ohne Zweifel dazu -  gemeint ist natürlich Ilja Richter. Dieser Typ war etwas ganz neues in der TV-Szene.  Ich durfte ihn 8 Jahre lang persönlich jeden Monat live in den Studios des ZDF in München-Unterföhring erleben.

 

Jeden Monat bewegte sich die Fangemeinde der damaligen BRAVO- Lieblinge nach Unterföhring. Natürlich durften nur die ins Studio, die das Glück hatten, eine Eintrittskarte für die aktuelle Show bekommen zu haben.  Aber das schöne war, dass sich alle Interpreten  ihren Weg durch die Fans zum Eingang kämpfen mussten. Auch wir BRAVO-Leute machten da keine Ausnahme, denn unseren Mitarbeiter-Ausweis bekamen wir erst von Bert Bucher, dem Aufnahmeleiter dieser Kultsendung.

Würde ich nun die Namen aller 70er-Jahre-Stars nennen, die in der Disco  aufgetreten sind, dann würde ich einige Seiten extra benötigen, aber einige sollen nun doch genannt werden, denn bei ihrem Erscheinen gerieten die meist weiblichen Fans aus dem Häuschen.

 

Zum Beispiel die  Bay City Rollers (über sie wurde ja schon ausführlich an anderer Stelle berichtet). Wir haben – so war es Brauch bei BRAVO - eines Tages ihre Original-Klamotten, die sie in "Disco" getragen hatten, in einer BRAVO-Ausgabe verlost, konnten allerdings nicht  ahnen, was uns da erwartete: Die Damen am Empfang riefen mich an und teilten mir mit, dass ca. 100  Mädchen da seien, die den Verantwortlichen für diese Verlosung sprechen wollten ... Das war ich – ich war für alle Leseraktionen, Otto-Wahl-Traumtreffs und Eventshows verantwortlich.  Für mich galt immer:  die Leser sind unsere Kunden und haben daher ein Recht auf exklusive Behandlung. Ich fuhr also vom vierten Stock zum Empfang und wurde schon mit großer Begeisterung begrüßt. Ich nahm die Mädchen dann mit in mein Büro - meine damalige Mitarbeiterin und ich fragten, was sie eigentlich genau wollten, denn die Gewinner der Verlosung waren noch nicht ermittelt. Um es kurz zumachen: sie wollten nur einmal die Klamotten sehen und anfassen! Wir schlossen also unseren Schrank auf und erlaubten, dass alle einmal die wertvollen Klamotten in die Hand nehmen konnten, dabei konnten wir auch dabei beobachten, dass da einige kleine Fäden aus den Schals gezogen wurden -  aber das gehörte einfach dazu.

 

Bei der BRAVO-Super-Disco  1976 in der Berliner Deutschland-Halle  fielen 340 Mädchen wegen BCR in Ohnmacht. Die Bildzeitung schrieb am nächsten Tag:  "BRAVO hat nichts dazu gelernt". Zur Erklärung: bei der Veranstaltung im März 1973 wurde ein Mädchen beim Verlassen des Löwenbräu-Kellers tot getrampelt.

Wenn wir schon in Berlin sind, dann muss man  an dieser Stelle auch eine Band nennen, die man auf keinen Fall mit BCR vergleichen durfte, aber sie gehörten einfach zu den ganz großen aus Deutschland. Ich meine natürlich die Teens!

Ich kann mich noch gut an ihr erstes Konzert im Münchner Bürgerbräu-Keller erinnern, nicht einmal 100 Fans waren zu diesen von BRAVO organisierten Auftritt gekommen.

 

Zu allem Unglück gab es auch  noch eine Bombendrohung, der Saal musste aus Sicherheitsgründen geräumt werden -  ein übler Scherz. Kurze Zeit später traten die Teens im Circus-Krone-Bau in München auf (hier waren auch schon die Rolling Stones und die Beatles auf der Bühne), die Ordner hatten alle Hände voll zu tun, denn die Fans spielten einfach verrückt, die Bühne war übersät mit Stofftieren aller Art (ja, ich stand am Rande der Bühne), aber es war einfach super.

 

Zurück zur Disco: Ich erinnere mich an eine Geschichte mit den  Rubettes – damals war ich mit meiner Frau im Backstage-Bereich dabei. Meine Frau bemerkte, dass eine Gitarre total verschmiert war und putzte sie erst einmal richtig blank, worauf hin sich die Jungs mit einem dicken Bussi bedankten – Herz, was willst du mehr?

Natürlich muss man auch sie erwähnen, denn sie war zwar die Kleinste, aber dafür große Klasse -  Suzi Quatro. Wo sie auftauchte, bebten die Studios. 1975 durfte ich ihr gemeinsam mit einem BRAVO-Leser den Goldenen Otto, den sie für 1974 bekommen hatte, nach einer Disco-Aufzeichnung im Hilton-Hotel in München überreichen, es wurde für alle eine lange Nacht.

 

Eine bezaubernde Geschichte erlebte ich auch mit Bonnie Tyler in einem Hamburger Hotel. Wir waren vorher bei einer BRAVO-Disco in Kiel und fuhren nach der Veranstaltung wieder nach Hamburg zurück. Bonnie Tyler war noch auf ihrem Zimmer, das direkt neben meinem lag. Ich saß an der Hotel Bar und wartete auf sie. Neben mir saß eine ältere Dame, die schon etwas angegriffen aussah und mich plötzlich ansprach – ob ich denn nicht wüsste, wer sie sei? Ich wusste es leider nicht! Es war Evelyn Künnecke, ein Star aus vergangenen Tagen. Ich stellte ihr dann Bonnie vor – na ja, begeistert war sie nicht. 

Es gäbe noch sehr viele schöne Geschichten, die ich mit den Bands, Stars und Sternchen erlebt habe, aber dann müsste ich ein Buch schreiben.

Einige Fotos auf dieser Seite entstanden mit freundlicher Unterstützung von Herbert Hauke www.rockmuseum.de. Vielen Dank hierfür!

Nachdruck auch auszugsweise bitte nur mit vorheriger Genehmigung des Autoren.

Bild rechts: Fritz Tillack heute.

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