Ein Herz und eine Seele ...?


Familie Tetzlaff am Küchentisch: heile Welt geht anders ...

Ein paar Leserbriefe aus "HörZu" zur ARD-Premiere der Tetzlaffs Silvester 1973 veranschaulichen die Aufregung, die Alfred verursachte:

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Wenn das die Alltagssprache des 'Volkes der Dichter und Denker' sein soll, dann kann ich nur mit Heine sagen: 'Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht!' Gute Nacht!"

"Endlich mal eine Serie, bei der einem nicht vor Gähnen die Weisheitszähne rausfallen, und schon bekommen es einige mit der Angst, das Gemüt des braven Durchschnittsbürgers würde zerrüttet."

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In welchem anderen Land ist es möglich, Staatsmänner in solch einer Weise zu beschimpfen und in den Dreck zu ziehen? Ich, der ich gern lache, sage nur Pfui und noch einmal Pfui zum Blödmann Alfred und seiner Familie."

 

"Lieber Herr Tetzlaff, mit Ihrer Meinung liegen Sie dicht bei der Wahrheit, und das können so manche Zeitgenossen nicht vertragen." 

Zur Folge "Ladendiebstahl" meinte ein "HörZu"-Leser: "Was glauben denn die Negativkritiker der Serie, wie es in manchen deutschen Ehen zugeht? Für diese ist 'Alfred' nur eine etwas übertriebene Vaterfigur." 

Der WDR wollte in einer wissenschaftlichen Untersuchung herausfinden, ob Alfred möglicherweise Vorurteile bestärken würde, faschistoide Strömungen unterstützen würde. Das "Institut für empirische Psychologie" Köln konnte aber beruhigen: mit Alfred identifizierten sich nur wenige. Wohl aber erkannten in ihm viele ihre Nachbarn und andere Bekannte wieder …

 


Michaels Eltern aus der DDR sind eingetroffen.
Alfred guckt derweil lieber Fußball.

 



In der Kneipe: Michaels Vater Otto Graf (Nikolaus Schilling) und Alfred tauschen Kriegserlebnisse aus.



Michael soll sie heil nach Hause bringen.


Frau Graf (Rosemarie Kühn) wundert sich über das Lutherhaus in Bochum, weil Luther doch
eigentlich bei ihnen an der Wartburg war ...

 


Eine Telefonzelle, von der aus man angerufen werden kann,
führt zu Konflikten unter den Anwohnern.

Als 1976 die Serie neu aufgelegt wurde, waren Elisabeth Wiedemann und Diether Krebs nicht mehr dabei. In Rückblicken auf die Serie ist mal von höheren Gagenforderungen die Rede, mal von Einflussnahmen der SPD, die um Wählerstimmen bei der 76er Bundestagswahl gefürchtet und deswegen zum Verdruss von Diether Krebs eine Entschärfung von Alfreds Sprüchen verlangt haben soll. Autor Wolfgang Menge ließ in einem "Spiegel"-Interview (Nr.11/1998) zur Frage nach einer Neuauflage durchblicken, dass es Knatsch im Team gab: " … sie waren damals auch privat selten ein Herz und eine Seele. Elisabeth Wiedemann hätte vermutlich nicht für Geld und gute Worte mit dem Ex-Kollegen Heinz Schubert arbeiten wollen."

Else wurde nun von Helga Feddersen gespielt, Michael von Klaus Dahlen. Doch der Pfiff der Serie war dahin. Klamauk beherrschte fortan die Szenerie.

 

Auch in der alten Besetzung hatten Slapstick-Elemente zum Konzept gehört – etwa, wenn Alfred Rotkohl kocht, dabei die auf den Fußboden gefallenen Reste per Handfeger aufkehrt und in den Kochtopf befördert: "Wenn das gut gewürzt wird, schmeckt das kein Mensch!" Doch solche Einlagen (wie auch die ständigen Anspielungen auf seine Körpergröße) waren Zutaten gewesen – in der Neuauflage dominierten sie.  

Hinzu kam, dass die Rolle der Else verändert wurde. Die stille Verzweiflung und die abgrundtiefe Enttäuschung, die Elisabeth Wiedemann der Else gab, transportierten eine bitterböse Botschaft über den Bildschirm. Als dann aber Helga Feddersen als Else regelmäßig Kontra gab und Alfred ständig über den nun wohlbeleibten Michael herzog ("Speckbulle!"), wurde der Konflikt verwässert. Folgerichtig kam die zweite Besetzung auch längst nicht so gut an bei den Zuschauern. Nach nur vier neuen Folgen war Schluss – mit der Ankündigung, dass Rita ein Baby erwartet. Vor Gericht stehend, schloss Alfred sein Plädoyer in eigener Sache mit: "Freispruch für Alfred Tetzlaff!"



Mutter Else (1976 von Helga Feddersen gespielt)

 


Michael (Klaus Dahlen, 1976)

Die insgesamt 25 Folgen umfassen einige Episoden, die zunächst in schwarzweiß im Dritten WDR-Programm gesendet und später – leicht variiert – noch mal in Farbe für die ARD ausgestrahlt wurden. 

Spätere Versuche, das Erfolgsrezept erneut anzuwenden ("Motzki", "Trotzki", "Das Lied zum Sonntag"), zogen längst nicht in dem Maße wie Familie Tetzlaff anno 1973/74. - Drei Folgen der ersten Besetzung werden bis heute regelmäßig zu bestimmten Feiertagen wiederholt – "Rosenmontagszug" zu Karneval, "Besuch aus der Ostzone" zum 3. Oktober, "Silvesterpunsch" zum Jahresende.

Alfred Tetzlaff ist noch heute eine allgemein bekannte Fernsehfigur – auch bei den Jüngeren, die Mitte der 70er Jahre noch nicht geboren waren. Allerdings regt sich inzwischen keiner mehr über "Ekel Alfred" auf.

 

Zum einen natürlich, weil durch etliche Wiederholungen die Handlungen und Dialoge bekannt sind. Damals wurde tagesaktuell von einer Studiobühne vor etwa 60 Zuschauern aufgenommen und gesendet. Zum anderen aber auch, weil viele Jüngere heute wohl mit den politischen Grabenkriegen zu Zeiten des Kalten Krieges nichts mehr anfangen können. Sie dürften sich vermutlich weniger über die politischen Sprüche amüsieren, als vielmehr über den Familiendespot und die Slapstick-Elemente.



Alfred und Tochter Rita (1976)


Frau Bergengrün (Tana Schanzara) probiert
das neue Telefon der Tetzlaffs aus.

 

Mir geht es beim Wiedersehen so, dass ich immer wieder von Neuem erstaunt bin, wie genau die Charaktere getroffen sind! Es gibt Leute, die sich noch heute die Serie nicht angucken können, weil sie ihnen aufgrund eigener Erfahrungen zu nahe geht!  

Die 76er Folgen gehören für mich nicht wirklich zu dieser Serie. Das war plötzlich eine ganz anders zusammengesetzte Familie, die auch ins Millowitsch- oder Ohnsorg-Theater gepasst hätte. Aber was davor war, gehört zum Besten, was je bei uns im Fernsehen gelaufen ist!

 

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Wer über die Tetzlaffs diskutieren möchte, kann dies gern im TV-Nostalgie-Forum machen, aber auch Kaschi würde sich über Post von Tetzlaff-Fans freuen:

Kaschi konnte mittlerweile selbst mit Alfred sprechen - lest selbst, was er die letzten Jahre so gemacht hat ...

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