Ein Herz und eine Seele ...?
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Ein
paar Leserbriefe aus "HörZu" zur ARD-Premiere der Tetzlaffs Silvester 1973
veranschaulichen die Aufregung, die Alfred verursachte: "Endlich mal
eine Serie, bei der einem nicht vor Gähnen die Weisheitszähne rausfallen,
und schon bekommen es einige mit der Angst, das Gemüt des braven
Durchschnittsbürgers würde zerrüttet." |
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"Lieber Herr Tetzlaff, mit Ihrer Meinung liegen Sie dicht bei der Wahrheit, und das können so manche Zeitgenossen nicht vertragen." Zur Folge "Ladendiebstahl" meinte ein "HörZu"-Leser: "Was glauben denn die Negativkritiker der Serie, wie es in manchen deutschen Ehen zugeht? Für diese ist 'Alfred' nur eine etwas übertriebene Vaterfigur." Der WDR wollte in einer wissenschaftlichen Untersuchung herausfinden, ob Alfred möglicherweise Vorurteile bestärken würde, faschistoide Strömungen unterstützen würde. Das "Institut für empirische Psychologie" Köln konnte aber beruhigen: mit Alfred identifizierten sich nur wenige. Wohl aber erkannten in ihm viele ihre Nachbarn und andere Bekannte wieder …
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Als 1976 die
Serie neu aufgelegt wurde, waren Elisabeth Wiedemann und Diether Krebs nicht
mehr dabei. In Rückblicken auf die Serie ist mal von höheren
Gagenforderungen die Rede, mal von Einflussnahmen der SPD, die um
Wählerstimmen bei der 76er Bundestagswahl gefürchtet und deswegen zum
Verdruss von Diether Krebs eine Entschärfung von Alfreds Sprüchen verlangt
haben soll. Autor Wolfgang Menge ließ in einem "Spiegel"-Interview
(Nr.11/1998) zur Frage nach einer Neuauflage durchblicken, dass es Knatsch
im Team gab: " … sie waren damals auch privat selten ein Herz und eine
Seele. Elisabeth Wiedemann hätte vermutlich nicht für Geld und gute Worte
mit dem Ex-Kollegen Heinz Schubert arbeiten wollen." |
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Auch in der alten Besetzung hatten Slapstick-Elemente zum Konzept gehört – etwa, wenn Alfred Rotkohl kocht, dabei die auf den Fußboden gefallenen Reste per Handfeger aufkehrt und in den Kochtopf befördert: "Wenn das gut gewürzt wird, schmeckt das kein Mensch!" Doch solche Einlagen (wie auch die ständigen Anspielungen auf seine Körpergröße) waren Zutaten gewesen – in der Neuauflage dominierten sie. Hinzu kam, dass die Rolle der Else verändert wurde. Die stille Verzweiflung und die abgrundtiefe Enttäuschung, die Elisabeth Wiedemann der Else gab, transportierten eine bitterböse Botschaft über den Bildschirm. Als dann aber Helga Feddersen als Else regelmäßig Kontra gab und Alfred ständig über den nun wohlbeleibten Michael herzog ("Speckbulle!"), wurde der Konflikt verwässert. Folgerichtig kam die zweite Besetzung auch längst nicht so gut an bei den Zuschauern. Nach nur vier neuen Folgen war Schluss – mit der Ankündigung, dass Rita ein Baby erwartet. Vor Gericht stehend, schloss Alfred sein Plädoyer in eigener Sache mit: "Freispruch für Alfred Tetzlaff!" |
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Die insgesamt 25 Folgen umfassen einige Episoden, die zunächst in schwarzweiß im Dritten WDR-Programm gesendet und später – leicht variiert – noch mal in Farbe für die ARD ausgestrahlt wurden. Spätere Versuche, das Erfolgsrezept erneut anzuwenden ("Motzki", "Trotzki", "Das Lied zum Sonntag"), zogen längst nicht in dem Maße wie Familie Tetzlaff anno 1973/74. - Drei Folgen der ersten Besetzung werden bis heute regelmäßig zu bestimmten Feiertagen wiederholt – "Rosenmontagszug" zu Karneval, "Besuch aus der Ostzone" zum 3. Oktober, "Silvesterpunsch" zum Jahresende. Alfred Tetzlaff ist noch heute eine allgemein bekannte Fernsehfigur – auch bei den Jüngeren, die Mitte der 70er Jahre noch nicht geboren waren. Allerdings regt sich inzwischen keiner mehr über "Ekel Alfred" auf. |
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Zum einen natürlich, weil durch etliche Wiederholungen die Handlungen und Dialoge bekannt sind. Damals wurde tagesaktuell von einer Studiobühne vor etwa 60 Zuschauern aufgenommen und gesendet. Zum anderen aber auch, weil viele Jüngere heute wohl mit den politischen Grabenkriegen zu Zeiten des Kalten Krieges nichts mehr anfangen können. Sie dürften sich vermutlich weniger über die politischen Sprüche amüsieren, als vielmehr über den Familiendespot und die Slapstick-Elemente. |
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Mir geht es beim Wiedersehen so, dass ich immer wieder von Neuem erstaunt bin, wie genau die Charaktere getroffen sind! Es gibt Leute, die sich noch heute die Serie nicht angucken können, weil sie ihnen aufgrund eigener Erfahrungen zu nahe geht! Die 76er Folgen gehören für mich nicht wirklich zu dieser Serie. Das war plötzlich eine ganz anders zusammengesetzte Familie, die auch ins Millowitsch- oder Ohnsorg-Theater gepasst hätte. Aber was davor war, gehört zum Besten, was je bei uns im Fernsehen gelaufen ist! |
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Wer über die Tetzlaffs diskutieren möchte, kann dies gern im TV-Nostalgie-Forum machen, aber auch Kaschi würde sich über Post von Tetzlaff-Fans freuen: Kaschi konnte mittlerweile selbst mit Alfred sprechen - lest selbst, was er die letzten Jahre so gemacht hat ... |
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