Wolfgang Buresch

29.05.11

Zwei alte Hasen ...?

Wolfgang Buresch, der "Vater" des Hasen Cäsar, war so nett, TV-Nostalgie ein kleines Interview zu geben - und sogar Cäsar hat mir eine Frage beantwortet, obwohl diesmal eher Wolfgang Buresch im Mittelpunkt stand - sicher nicht leicht für Cäsar!

 


Cäsar und Wolfgang Buresch am 11.12.06,
fotografiert von Henning Harperath von TV-Kult,
vielen Dank an Henning!

Herr Buresch, Sie hatten am 11. Dezember mit Cäsar zusammen eine Vorstellung in der Stadtbibliothek Essen. Waren Sie nicht ein wenig skeptisch, ob man Cäsar überhaupt noch kennt bzw. ob die Kinder von heute Cäsar kennen und sehen wollen? Immerhin bezeichnen Sie sich selbst als "zwei alte Hasen"...

Ja, ich wies den Veranstalter darauf hin, dass der Cäsar bei heutigen Kindern nicht mehr bekannt sei. Doch er meinte, dass ja auch viele Erwachsene kommen würden, die mit dem Cäsar groß geworden sind. Er hatte recht. Es war eine sehr schöne Veranstaltung.

Cäsar hat moderiert, d. h. er hat die 'Wuppertaler Puppenspiele' angesagt, in deren Stück an zwei Stellen eingegriffen und zum Schluss kam er als Weihnachtsmann verkleidet, um dem Kasper etwas zu schenken. Nicht nur die zuschauenden Kinder und Erwachsenen hatten viel Spaß, auch wir Puppenspieler.

Cäsar war ein früher Held meiner Jugend, natürlich interessiere ich mich am meisten für ihn. Alles was danach kam – Maxifant und Minifant, Plumpaquatsch und Meikel Katzengreis – war natürlich wunderbares Kinderfernsehen (für vieles war ich aber auch schon ein wenig zu alt), aber Cäsar war meiner Meinung nach unschlagbar. Seien Sie ehrlich – ist Cäsar auch Ihr besonderer Liebling? Oder gibt es eine Figur, die für Sie persönlich noch "bedeutender" ist, in der mehr Herzblut steckt als bei Cäsar?

 

Ich kann die Frage so nicht beantworten. Jede meiner Figuren repräsentiert einen Teil oder einen Wunsch von mir: in meinem ersten eigenen Programm, Stoffel und Wolfgang spielte ich als Wolfgang einen für damalige Verhältnisse wünschenswerten Vater, der mit seinem Kind (Stoffel) so umging, wie ich es mir von allen Vätern gewünscht hätte. In der darauf folgenden Sendereihe gab ich mit dem Hasen Cäsar den Sehnsüchten vieler Kinder der damaligen Zeit eine Gestalt. Cäsar war vorlaut, unangepasst, hinterfragte die Behauptungen Erwachsener und hatte keinen Respekt vor falschen Autoritäten. Plumpaquatsch hatte ich als Erfolgsprogramm konzipiert, an dem gleichermaßen Kinder und Senioren (also die meisten Zuschauer des damaligen Tagesprogramms) Spaß haben können, und die Überlegungen realisierten sich. Und bei Meikel Katzengreis schließlich ging es um das ausloten und ausprobieren von dem, was man heute Comedy nennt.

Zurück zu Ihrer Frage: Die Puppe, die ich auf der Hand habe, ist meine jeweilige Lieblingsfigur, da in allen Typen, die ich gespielt habe und spiele, auch ein Stück meiner Persönlichkeit steckt.

Wenn ich mir Ihre Biografie anschaue (auf der Website www.wolfgangburesch.de) fällt auf, dass Sie "Puppenspieler" gelernt haben. Sie waren ja damals erst 18, als Sie damit anfingen. Später dann machten Sie ja noch eine pädagogische Zusatzausbildung. Schon mit 24 Jahren waren Sie und Cäsar ein Team... Wäre so etwas heute noch möglich beim Fernsehen? War es damals leichter oder schwerer beim Fernsehen?

Ich war zunächst von 1965 bis 1971 freier Mitarbeiter beim Fernsehen. Es gibt auch heute einige 24jährige, die beim Fernsehen als freie Mitarbeiter beschäftigt werden.

Grundsätzlich war es jedoch sicherlich leichter beim Fernsehen zu arbeiten, da es ein neues Medium war. Alle Beteiligten lernten beim 'Programm machen' das 'Programm machen'; es war halt die Pionierzeit.

Wer hat eigentlich die "Nebendarsteller" zu Ihren Puppen ausgesucht, also Arno Görke, Susanne Beck z. B.? Haben Sie das selbst gemacht? Und warum haben Sie sich für sie entschieden?

Die Partner meiner Puppen habe immer ich selbst ausgesucht. Für Schlager für Schlappohren  mit Hase Cäsar  z. B. hat der WDR ein Casting mit verschiedenen Schauspielern veranstaltet. Arno Görke war der erste der beteiligten Kollegen, der keinen Blick auf mich als Puppenspieler verschwendete, sondern ausschließlich mit dem Hasen kommunizierte. Also war mir sofort klar, das wird eine wirkliche Freundschaft zwischen den beiden.

Wie Cäsar entstanden ist, kann man u. a. in Ihrem Buch "Kinderfernsehen" (Link auf der vorigen Seite), aber auch seit kurzem auf der Website www.hase-cäsar.de nachlesen. Hätten Sie jemals gedacht, dass der mutige Hase so erfolgreich wird und nach 40 Jahren immer noch beliebt ist?

Darüber hatte ich nie nachgedacht, doch es freut mich natürlich sehr.

Wie bleibt man so jung, wie Sie es immer waren? Wie versetzt man sich so gut in Kinder rein?

Ich kann, wenn ich mit Puppen spiele, meine eigenen kindlichen (nicht kindischen!) Anteile ausleben. Das heißt, zunächst muss ich sie bei mir selbst akzeptieren, und vermutlich trägt das wesentlich dazu bei, von Kindern akzeptiert zu werden und sicherlich hilft es, sich in sie hineinversetzen zu können.

Seit einigen Jahren sind Sie pensioniert. Was machen Sie? – Kann man einfach "aufhören"? Gibt es neue Projekte, an denen Sie arbeiten?

Der  NDR hat mich pensioniert, nicht das Leben. Ich gehöre zu denen, die das Glück hatten, sich immer mit dem überwiegenden Teil ihrer Arbeit identifizieren zu können. Und das ist mit der Pensionierung natürlich noch viel leichter geworden. Jetzt kann ich, zumindest theoretisch, nur noch das machen, was mich freut. Und das tue ich.

Einerseits engagiere ich mich ehrenamtlich, z. B. beim Hamburger Puppentheater e.V. Dieser Verein fördert seit über 50 Jahren das Puppenspiel durch Veranstaltungsreihen für Kinder, andererseits durch Fortbildungsveranstaltungen für Amateure und interessierte Laien (Webseite: www.hamburgerpuppentheater.de) Seit zwei Jahren bieten wir darüber hinaus sehr erfolgreiche Workshops für Kinder und Multiplikatoren an, in denen Hand- und Klappmaulpuppen gebaut und die ersten Grundlagen für das Spiel vermittelt werden.

Daneben arbeitet ich freiberuflich weiter in den Bereichen, von denen ich etwas verstehe. Ich entwickle Sendekonzepte, arbeite als Dramaturg bei seriellen Kindersendungen und Filmen für Kinder mit und mache bei unterschiedlichen Puppenbühnen Regie-Coaching, d. h., ich sehe mir die Stücke während der Inszenierung an und versuche, die eigenen Entwicklungen der Spieler durch den professionell-abständigen Blick von außen zu optimieren.

Außerdem schreibe ich Aufsätze und Artikel, gebe solche Interviews usw., usf...

Grundsätzlich rede jedoch nicht über Projekte an denen ich gerade arbeite.... aber ich bin natürlich überhaupt nicht abergläubisch!

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