Das Gold am Krähenberg

Dazu kam, dass die Erwachsenen allesamt suspekt waren, insbesondere natürlich das Gaunerpärchen, mit dem quasi das Böse Einzug hielt in Granhyttan; dass die beiden Dreck am Stecken hatten, daraus wurde von Anfang an kein Hehl gemacht. Was jedoch vom Hausmeister, der Lehrerin und dem Metzgermeister zu halten war, da war man als junger Zuschauer lange im Ungewissen. Obwohl ich dem Metzger Lagerström buchstäblich alles zugetraut hätte, wie er da in Staffans Beisein am Hackblock stand …

"Unheimlich echt" wirkte die Serie auf mich, weil ich all diese Elemente der Serie so aus dem wirklichen Leben kannte: die ländliche Abgeschiedenheit, die Wälder, den Schnee, das Herumstrolchen eben dort und im gar nicht so nahen Steinbruch, wo auch ein verfallenes Haus stand, in das unsere Fantasie ohne große Mühe alles Mögliche und Unmögliche hineingeheimnissen konnte.

Nichts, was da nicht hätte passieren können; durchaus auch denkbar, dass da ein "Schatz" zu finden gewesen wäre, den einem andere wieder abjagen wollten, skrupellos, mit allen Mitteln …

 

 

"Das Gold am Krähenberg" war also keine Serie, die man sich als Kind anschaute und dann mit Freunden nachspielte: Sie spiegelte die eigene Welt ja schon wider, nur eben angereichert um jene Prise Spannung, Gefahr und Abwechslung, die einem selbst im Leben manchmal ein bisschen abging – und die man dann doch lieber nur im Fernsehen genoss.

Es fiel mir jedenfalls leicht, mich in dieser Serie wiederzufinden und mich zu identifizieren mit Staffan, zumal auch die anderen Kinder so gezeichnet waren, dass man solche Typen eben auch selbst kannte: das etwas ältere Mädchen, das die burschikose "Mutter der Kompanie" war; den Jungen, der vor ihr nicht als Feigling dastehen wollte; und der andere, der pünktlich zu Hause sein musste, weil er sonst wirklich kein Abendbrot bekommen hätte.

 

Es passte einfach alles perfekt zusammen beim "Gold am Krähenberg" – und es passten die Zuschauer dazu. Ich glaube, vor allem das kann als Erklärung für den Kultstatus dieser Fernsehserie herhalten. Da sie in den Siebzigerjahren nur viermal ausgestrahlt wurde, gibt es im Grunde nur eine einzige Generation, die "Das Gold am Krähenberg" a) aus buchstäblich eigener Anschauung kennt und b) zum Zeitpunkt der Ausstrahlungen genau in jenem Alter war, in dem diese Thematik verfing; es werden vor allem in den Sechzigern geborene Kinder und Jugendliche gewesen sein, die "Das Gold am Krähenberg" seinerzeit guckten und mithin zwischen sieben und fünfzehn Jahren alt waren: für jüngere war die Geschichte nicht geeignet, älteren wäre sie vielleicht schon zu kindisch gewesen – oder wenigstens hätten sie das behaupten müssen … J

 

 

"Das Gold am Krähenberg" ist also nicht einfach nur eine, wie man so sagt, "gute Serie". Es ist einer jener seltenen Fälle, in denen sich auf glückliche Weise eins zum anderen fügt und etwas herauskommt, das sich nicht beliebig nachmachen lässt. Und so entstehen die echten Perlen der Fernsehunterhaltung, die auch nach Jahrzehnten noch glänzen.

Timothy Stahl, USA, im November 2011

 
 

Text des Titel- und Abspannlieds (von Thorstein Bergmann)

Sinkt die Sonne und es dunkelt,
ist nicht alles Gold, was glänzt.
Mit dem Leuchten, das dann funkelt,
hat die Nacht ihr Haupt bekränzt. 
 
Golden blinken tausend Sterne,
die sie sich ins Haar gesteckt.
Und mit Silber nah und ferne
hat der Mond den Fluss bedeckt.
 
 

Der Autor (links ein Foto aus der "Krähenberg"-Zeit)

Timothy Stahl, Jahrgang 1964, ist gebürtiger Amerikaner, wuchs aber in Deutschland auf. Erst 1999 kehrte er in die USA zurück. Dort lebt er heute mit Frau und Kindern in Las Vegas, Nevada. Beruflich ist er als Übersetzer und Autor tätig.

Durchs TV-Forum geistert er unter dem Namen seines Lieblingsschurken aus Kindheitstagen, Zoppo Trump, der in der Augsburger Puppenkiste dem kleinen König Kalle Wirsch das unterirdische Leben schwer machte.

Wer ihm schreiben möchte:

 

 
 

Wer nach Tims Ausführungen nun Lust auf ein Wiedersehen oder ein Kennenlernen der Serie bekommen hat, kann sich diese direkt über diese Seite bestellen, natürlich auch bei jedem anderen Händler, z. B. bei

 

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