Deux ans de vacances

12.07.09

Sabine hat - gerade zur Weihnachtszeit - sehr viele Anfragen sowohl zum Buch als auch zur französischen Version des Vierteilers erhalten. Deshalb hier einige Ergänzungen von ihr:

 

Als 12-jährige fand ich das Buch - wie schon erwähnt - enttäuschend. Es ist so ganz anders als der Vierteiler.

Die Jungs sind sehr edel und gut. Die Dialoge sind idealistisch. Es ist ein Lehrstück, wie man sich in Gefahr und Not demokratisch organisiert, um auftauchende Probleme zu lösen.

Dabei sollte muss man aufpassen, dass man ein Exemplar erwischt, in dem nicht allzu viel gekürzt wurde.

Es hat mich ja fast mal der Schlag getroffen, als ich endlich das französische Original in Händen hielt und es etwa doppelt so dick war als die deutsche "Übersetzung".

Oder sollte man da nicht besser sagen: Interpretation???

 

Daher: Finger weg von der Wondratschek-Übersetzung (Fischer).

Besser ist Diogenes. Da fehlt zwar immer noch einiges, aber das ist tolerierbar. 

Der Vierteiler wiederum zeigt, wie sich diese Jungengruppe von einem Haufen Streithammel in eine Gruppe verwandelt, die zusammenhält. Das gefällt mir am besten. 

Die Charaktere verändern sich, allerdings auch nicht zu Friede, Freude, Eierkuchen. Das wäre auch nicht realistisch. Gestritten wird zwar immer noch, aber die Gruppe steht immer im Vordergrund.

Mein Lieblingsteil ist der Dritte, wo sich die Grenzen während des Sturms verwischen. Dick entwickelt sich vom Diener, der den Jungen in der Messe das Essen servieren muss, zu einem wichtigen Gruppenmitglied.

 

Doniphan, der noch während des dritten Teils den Aristokraten heraushängt, aber dann doch merkt, dass alle am gleichen Strang ziehen müssen. Die Szene als er während des Sturms Gordon gegenüber "ausflippt" und ihm seine Angst vorheult, finde ich besonders stark. 

Morris entwickelt sich vom Besserwisser und Theoretiker zu einem Impulsgeber. 

Der Schiffsjunge Dick wird während des Sturms zur Bezugsperson, darf auf der Insel sogar bei der Bürgermeister-Wahl mitmachen und sucht auf der Insel am Ende allein nach denen, die sich von der Gruppe abgesetzt haben. 

Gordon, das empfindliche "Seelchen", der sich ebenfalls zusammenreißen und auch mal eine Kröte schlucken muss.

 

Der fröhliche Service, der sich seine emotionale Unabhängigkeit bewahrt. Er bleibt zwar in der Gruppe immer in Doniphans Nähe und ist bei jeder seiner Eskapaden dabei, allerdings nicht weil er ihn bewundert o.ä., sondern nur weil er nicht stillsitzen kann und seine Entdeckerfreude mit ihm durchgeht. Und der als einziger sein Heimweh zugibt. 

Brian, der sich ständig von Doniphan provozieren lässt und meist als erster zuschlägt. Der aber auf der Insel merkt, dass die Gruppe Schaden nimmt, wenn er so weitermacht (das wird in der französischen Version in einer Szene sogar noch deutlicher. Diese Szene wurde im Deutschen herausgeschnitten. In dieser Szene wird u. a. gefragt, wo sich Doniphan aufhält. Brian antwortet: "Sa Majesté chasse" – Seine Majestät ist auf der Jagd).

 

Am Ende werden Doniphan und er richtige Kumpel und ziehen zusammen los (auch hier gibt es im Französischen noch mehr Szenen als im Deutschen). Brian lässt sich von Doniphan sogar das Schießen beibringen, etwas das er am Anfang zutiefst verabscheut hat und das ständig Streitauslöser war. 

Das sind alles starke Szenen. Leider wurden so viele in der deutschen Version herausgeschnitten. Doniphan kommt im Deutschen schlechter weg, würde ich sagen. Die Entwicklung zwischen Brian und Doniphan kommt auch nicht so deutlich heraus. 

Mich fasziniert die Geschichte immer wieder aufs Neue. Gerade wegen dieser Veränderung. Natürlich ist es ein Abenteuerfilm. Aber die Macher haben Jules Vernes Anliegen nicht vergessen, eher in Alltagssprache übersetzt: so wie die Jungen im Buch redet dort keiner.

 

Es hilft auch sehr, dass die Dreharbeiten wegen einer Masern-Erkrankung unterbrochen werden mussten. Die Jungen sind im vierten Teil nicht nur drehbuchtechnisch älter geworden, sondern sind es tatsächlich.  

Ich würde nicht sagen, dass der Vierteiler "besser" ist als das Buch. Was heißt "besser"? Er ist auf das Wesentliche konzentriert. Sind die Jungen im Buch nicht viel zu edel und gut? Trotz aller Drehbuchfehler wirken die Jungen im Vierteiler auf mich menschlich, mit Fehlern und Schwächen.

 

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit der in Deutschland so nicht gezeigten Szene, in der der Unbekannte mit den Jungen spricht sowie erwähnenswerten Unterschieden.

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