Ekkehardt Belle

29.06.13

 

Gespräch mit Ekkehardt Belle am
27. November 2005 

Ekkehardt Belle schreibt, genau wie ich, hin und wieder in den tvforen. Daher habe ich ihn einfach mal angeschrieben und gefragt, ob er sich vorstellen könne, einen kleinen Beitrag zu meiner Homepage zu leisten. Dieser Beitrag sah so aus, dass ich am 27. November ein kleines telefonisches "Exklusiv-Interview" mit ihm führen konnte – "David Balfour" kam zwar darin so gut wie gar nicht vor, aber Ekkehardt Belle hat mit dem Schauspieler-Dasein vor der Kamera auch abgeschlossen.

Seit etwa zwanzig Jahren dreht Ekkehardt Belle keine Filme mehr. Hat er keine Angebote mehr bekommen?

tvforen-User kennen dieses Foto schon, denn dort
wurde es als erstes gezeigt:
Ekki Belle mit seiner Nichte beim Abschlussball

"Nein. So war es nicht. Ich habe ganz bewusst Schluss gemacht damit, weil ich es wollte. Es würde mich auch gar nicht mehr reizen. Der Grund klingt ein wenig merkwürdig: ich kann Synchronrollen bekommen ohne große Anstrengung, ich muss deshalb zu niemandem nett sein oder ihm irgendwo ‚reinkriechen’ – meine Güte, wenn ich daran denke, was junge Schauspieler heute so alles anstellen, um eine Rolle zu bekommen! Wie anstrengend das alles ist. Und was kommt dabei heraus? Ein paar Drehtage, und danach geht man wieder Klinken putzen. Ich bin 300 Tage im Jahr beschäftigt, kann sehr gut davon leben, und mehr wollte ich nie. Man würde sich wundern, wie viele der jungen Schauspieler mich heute fragen, ob ich nicht eine Synchronrolle mit ihnen besetzen kann. Schauspielerei ist ein hartes Geschäft, und nur wenigen geht es wirklich gut, dass sie sich die Rollen aussuchen können. Im Grunde genommen ist Synchronarbeit eher etwas für Spießer. (Ich bin natürlich keiner!)"

Also nicht zum "Star" geboren? Warst Du nicht schon eine Art "Kinderstar"?

"Das ist richtig. Meine Geschwister und ich posierten schon recht früh für Werbefotos für den Kaufhauskonzern Horten. Mein Vater arbeitete dort als Personaldirektor  und er hatte früher den Wunsch, Schauspieler zu werden. Es ist möglich, dass ich dadurch – unbewusst – in die Schauspielerrolle reingedrängt wurde. Als wir nach München zogen, haben mein Bruder und ich uns sofort bei einer Agentur vorgestellt, weil wir unser Taschengeld auch weiter aufbessern wollten. Ich war damals etwa 12, 13 Jahre alt und wurde entdeckt. So kam das alles. Aber ich hatte nie das "Feuer" wie andere, auch keine "Message", die ich rüber bringen wollte. Deshalb fiel es mir auch relativ leicht, mit 30 zu sagen "Mit der Schauspielerei ist Schluss". Ich habe sogar mal eine Rolle abgesagt, für die ich 25.000 Mark Gage bekommen hätte, weil ich bereits für eine Synchronarbeit bei der Bavaria zugesagt hatte. Die brachte nur ein Fünftel ein, aber die waren einfach früher dran."

 

Trotzdem noch einmal zu David Balfour und der damaligen Zeit – Du warst ja ein Teenie-Idol. Die Bravos waren voll mit Geschichten. War Dir das angenehm, oder wurde es manchmal zu viel?

"Ja, die Bravos waren wirklich voll – vor allen Dingen wurde alles ziemlich aufgebauscht. Der Unfalltod meines Bruders, die Beziehung mit Aude Landry, die Trennung von ihr – aber trotzdem: im Vergleich zu heute war das harmlos. Den Rummel um meine Person habe ich nicht als unangenehm empfunden. Ich lebte schon in München, da kannte mich ohnehin jeder. Die Popularität half natürlich ein bisschen – ich kam überall rein, und es schmeichelt natürlich, wenn man ein "Star" ist. Aber ich habe mich nie als Star gefühlt. Ein "Star" wird man, wenn man sehr, sehr erfolgreich ist in seinem Metier, und das über lange Zeit. Jeder kann ein Star sein, es ist vollkommen egal, was man macht. "Star-Search" oder "Deutschland sucht den Superstar"– was soll das? Ich kann doch keinen Star suchen. Ich kann ein Talent, einen guten Sänger, suchen. Ein Star wird man erst später."

Wer ist aus Deiner Sicht denn ein "Star"? Wen findest Du richtig gut?

"Mario Adorf. Ein wunderbarer Schauspieler. Auch meinen Freund und Trauzeugen Heiner Lauterbach schätze ich sehr. International Tom Hanks – ich habe gestern wieder "Forrest Gump" angeschaut. Es kommt nicht oft vor, dass ich konzentriert einem Film folge, ich bin ein typischer Zapper. Nur Nachrichtensendungen verfolge ich regelmäßig, und hin und wieder schaue ich mal einen Tatort. Ich finde Maria Furtwängler als Kommissarin sehr gut, unsere Münchner Kommissare hingegen sind nicht so mein Fall."


Bravo-Stars: Ekkehardt Belle und
Aude Landry

 


Die Unterschrift stammt von seiner Schwester

Hm, zum Thema Heiner Lauterbach... Hat er Dir nicht damals die Freundin ausgespannt?

"Ja, ich stand damals kurz vor der Hochzeit mit Aude Landry! Wir waren alle jung, sind oft zu viert um die Häuser gezogen, haben viel getrunken... Ich war damals ziemlich böse auf ihn, wir haben etwa ein halbes Jahr nicht miteinander gesprochen, aber heute bin ich ganz froh, wie es gekommen ist. Und mit Heiner bin ich heute noch gut befreundet, er war ja auch ein paar Jahre später mein Trauzeuge. Mit Aude Landry habe ich seit Jahren keinen Kontakt mehr, als wir das letzte Mal voneinander hörten, lebte sie in Köln, ich hatte ihr damals einen Job in der Werbung vermittelt."

Wen synchronisiert Du? Kennt man Dich auch aus Serienrollen?

"Steven Segal, Rutger Hauer z. B. habe ich schon synchronisiert. Ich habe mittlerweile zwischen 2000 und 3000 Filme oder Serienfolgen gesprochen. Den Lorenzo Lamas habe ich in "Renegade" und in "Immortal" synchronisiert." War er Dir sympathisch? "Die Rolle oder der Schauspieler muss einem nicht unbedingt sympathisch sein. Oft macht man aber die Entwicklung des Schauspielers mit, wenn man ihn ständig spricht. Bei Kevin Sorbo als "Hercules" habe ich es miterlebt. Der war ja eigentlich Model und kein wirklich guter Schauspieler, als er anfing. Aber nach der ersten Zeit, als er seine Texte nicht mehr so auswendig gelernt runterspulte und richtig anfing zu spielen, hat es mir großen Spaß gemacht, ihn zu synchronisieren. Auch den Michael Moriarty in "Law and Order" habe ich gesprochen."

Und privat?

"Ich lebe in München mit meiner Frau, mit der ich seit 23 Jahren glücklich verheiratet bin." Hast Du Kinder? "Einen Sohn, den meine Frau mit in die Ehe gebracht hat. Er ist 25 Jahre alt und würde gern auf die Hochschule für Film und Fernsehen gehen. Er ist ein recht begabter Lyriker, hat sich auch schon an Werbetexten versucht."

 

Ekkehardt sprach mich noch auf das Autogramm an, das ich in meiner "Nostalgie-Galerie" veröffentlicht habe (oben noch einmal abgebildet). "Ich habe das Autogramm damals nicht selbst unterschrieben. Nach "David Balfour" erreichten mich ca. 25.000 Autogrammwünsche, und ich hätte die gar nicht alle selbst erfüllen können. So wurden meine Geschwister mit eingespannt. Dein Autogramm stammt von meiner Schwester, dem Schriftzug nach zu urteilen. Ich fände es schön, so eines noch als Andenken zu haben, weil ich keines mehr aus der damaligen Zeit mit ihrer Unterschrift habe. Sie starb im letzten Jahr." Das schicke ich ihm natürlich gern zu, dafür hat Ekkehardt mir ein anderes geschickt.

Danke an Ekkehardt, der so bereitwillig meine Fragen beantwortet und auch ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert hat. So was ist nicht selbstverständlich, und ich denke, dass die Fans, die er zweifellos noch hat, das auch zu schätzen wissen.

 

Na, und nach dem Interview haben wir uns dann endlich auch mal persönlich kennen gelernt - das Bild  wurde am 10. Juni 2007 im Münchner Hirschgarten von meiner Schwester Karin fotografiert

 
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