Wohin, Herr Graf?

Das wurde allerdings anders, als die Serie in Farbe produziert wurde. Damit wurden auch die Fälle etwas dramatischer. Nachdem die Schwarzweiß-Episoden in drei Staffeln abgedreht worden waren, blieb es lange ruhig um den "Krimigrafen" und dessen Diener, doch offenbar zeigte sich das französische Fernsehen von den beiden derart amüsiert, dass man Mitte der 70er Jahre die Serie als deutsch-französische Co-Produktion fortsetzte.

Überhaupt hatte der Graf eine besondere Affinität zu Frankreich, denn die überwiegende Zahl der Straftaten, mit denen er zuvor konfrontiert worden war, spielten sich im Land der Feinschmecker ab. Und so bekommt Johann, inzwischen um ein paar Pfunde schwerer geworden, nun einen Oberlippenbart und in Person der gräflichen Nichte Charlie – von Johann als "durchgeknallte Durchlaucht" bezeichnet, seine persönliche Nemesis.

 

Denn Charlie, gespielt von der Französin Beatrice Romand, entpuppt sich als quirliges und kaum zu bändigendes Energiebündel, das sich regelmäßig in Schwierigkeiten bringt und Johann und seinem Herrn den Schlaf und auch den letzten Nerv raubt. Die französisch-deutschen Episoden hatten nun eine Laufzeit von 50 Minuten, waren etwas derber und rasanter und auch etwas freizügiger. Inhaltlich entbehrten sie aber bereits über viele Strecken des Charmes, den die schwarzweißen halbstündigen Episoden enthalten hatten. Da halfen auch gewisse Kalauersprüche, wie sie in den Synchronisationen der Siebziger Jahre üblich waren, nicht. 

 

 

Eine weitere Änderung erfuhr die Serie dann auch mit dem Vorspann und der Schlusssequenz. Anfangs wurde in den frühen Folgen immer das gräfliche Schloss gezeigt. Der Graf erscheint, erklärt Johann, wohin die Reise geht, und man sieht dem Rolls Royce nach, wie er durch das Tor fährt. Am Ende einer jeden Folge fragt Johann: "Wohin, Herr Graf?" und erhält zur Antwort: "Nach Hause, Johann." Dieser Satz ("Nach Hause, Johann") ist in Deutschland ungefähr genauso populär geworden wie der nie im TV zu hören gewesene "Hol' schon mal den Wagen, Harry" aus der Krimiserie "Derrick". Selbst heute noch erlebe ich Leute, die in einen Wagen steigen, der Fahrer fragt: "Wohin?" und erhält zur Antwort "Nach Hause, Johann" oder "Zum Theater, Johann" oder "Zum Supermarkt, Johann", ohne dass der Fahrer "Johann" heißt und auch sonst mit einem Diener und Chauffeur nichts gemein hat.

 

In den Farbfolgen aber ist alles anders – Seine Durchlaucht residiert in einem anderen, bei weitem nicht mehr so ansehnlichen Schloss, Johann stellt ihn mit den Worten: "Das ist das Schloss meines Grafen; das sind die Krimis meines Grafen (die er im Kofferraum des Rolls mit sich führt); das ist der Johann meines Grafen (ein, wie ich meine, selten dämlicher Satz), und das ist Herr Graf selbst – Graf Yoster, gibt sich die Ehre", vor und der Schlussdialog fehlt völlig. Noch schlimmer wird es dann in der letzten Staffel, als man dazu überging, die 50-Minuten-Folgen wieder in zwei Teile zu je 25 Minuten zu splitten. Da wurde dann auch diese neue Vorspannsequenz beschnitten und den Episoden jeglicher Charme genommen.

 

 

Die Serie beschert uns vor allem in den frühen Schwarzweiß-Episoden nicht nur Beispiele, welch großartige Arbeit deutsche Drehbuchautoren zu leisten in der Lage waren, sondern auch ein Stelldichein beliebter Gaststars – Ursula Herwig, (die kürzlich verstorbene) Louise Martini in einer großartigen Rolle, Herbert Fleischmann, Klaus Schwarzkopf, Alexander Kerst, Klaus-Jürgen Wussow, Günther Ungeheuer, Gerd Baltus, die wunderschöne Erika Remberg und auch Günther Stoll (einige davon unten im Bild), um nur einige zu nennen, begegnen uns in dieser tollen Serie. Auch die französischen Gaststars werden erstklassig synchronisiert - handwerklich gibt es an "Graf Yoster gibt sich die Ehre" absolut nichts auszusetzen.

 


Klaus Schwarzkopf


Herbert Fleischmann


Klaus-Jürgen Wussow


Gerd Baltus


Günther Schramm


Günther Ungeheuer

 


Horst Naumann


Reinhard Glemnitz


Gisela Trowe


Gitty Djamal


Eva Pflug


Udo Vioff

 

Leider vermochte es die Serie nicht, den hohen Qualitätsstandard der frühen Episoden dauerhaft zu halten, und so verlor auch ich in meinen Jugendjahren nach Ende der schwarzweißen Staffeln etwas das Interesse an dem Krimigrafen, da es zwischenzeitlich spannendere und turbulentere Produktionen gab. Nachdem nun aber die komplette Serie als DVD-Edition – wieder mit umfassenden Informationen im Booklet von Hans Schaffner versehen – recht günstig zu erstehen ist, schlug ich zu und wurde fast 50 Jahre nach der Erstausstrahlung erneut in den Bann dieses deutschen Fernsehkrimiklassikers gezogen. Auch an den Farbepisoden hatte ich ein gewisses Vergnügen, aber die Begeisterung flachte dann wegen der recht uninspirierten Handlung und der schlechteren Dialoge doch etwas ab. Das Ende der Serie mit dem Schlussgag versöhnte mich dann wieder etwas, und so bleibt für mich "Graf Yoster gibt sich die Ehre" immer noch einer meiner liebsten deutschen Serienklassiker, insbesondere, da sich in verschiedenen Episoden das berühmte Nostalgiegefühl einstellte und mich in jene wunderbaren Kindertage zurückversetzte …

 

Die beiden DVD-Editionen zur Serie, erschienen in der Reihe "Straßenfeger", kann ich jedem Fan deutscher Serienklassiker getrost empfehlen, denn ein Vergnügen ist es allemal, Lukas Amann und Wolfgang Völz zusammen agieren zu sehen.

 Das I-Tüpfelchen sind schließlich zwei ausgedehnte und sehr informative Interviews
mit den beiden Hauptdarstellern.

Und damit empfehle auch ich mich … 

 

Vielen Dank an Pete, der sich somit auch für weitere TV-Erinnerungen auf TV-Nostalgie empfohlen hat!
Wer nun Lust bekommen, sich diese Serie selbst (wieder mal) anzusehen, der kann die beiden DVD-Boxen direkt über diese Seite bestellen, natürlich aber auch bei jedem anderen (Online-)Händler kaufen, z. B. bei :

 

 

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Straßenfeger 27 - Graf Yoster gibt sich die Ehre, Folgen 1 - 36 [5 DVDs]

Straßenfeger 28- Graf Yoster gibt sich die Ehre, Folgen 37 - 62 [5 DVDs]

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