Graf Yoster gibt sich die Ehre

02.04.13

Adel verpflichtet - Graf Yoster gibt sich die Ehre!

TV-Erinnerungen von Pete

Die Fotos auf dieser Seite sind Screenshots aus den DVDs zur Serie, © Studio Hamburg

Ich kann heute nicht mehr nachvollziehen, warum dem so war, aber in meinen Kindertagen übte der distinguierte "Graf Yoster" einen außergewöhnlichen Reiz auf mich aus – obwohl ich doch Serien und Filme bevorzugte, in denen es ordentlich krachte und geballert wurde, und in denen die Guten den immerwährenden Kampf gegen die Bösen führten und auch gewannen.

Vergleichsweise ruhig und gemächlich ging es jedoch in dieser Vorabendserie des ARD-Regionalfernsehens zu, die im Herbst 1967 erstmals und in Schwarzweiß ausgestrahlt wurde. Damals war ich acht Jahre alt, und ich erinnere mich noch sehr genau daran, dass ich voller Neugier darauf brannte, den Mann mit dem "komischen Namen" kennen zu lernen.  Vielleicht lag es auch genau an diesem doch ungewöhnlichen und zugleich wohl klingenden Namen, dass ich an der Serie interessiert war – "Graf Yoster" war für eine deutsche Serie schon ein ungewöhnlicher Charaktername.

 

Die Serie erzählt mit einigem Augenzwinkern die nicht alltägliche Geschichte des Grafen Yoster, hervorragend gespielt von Lukas Amann, und dessen Diener und Chauffeur Johann, ebenso routiniert und sympathisch dargebracht von Wolfgang Völz.

 

 

Das Besondere an dieser Krimiserie ist, dass sie nahezu gänzlich ohne Gewalt, Mord und Totschlag auskommt, wenn man von einigen kleinen Scharmützeln absieht, die sich Johann mit den Spitzbuben liefert und die vom feinen Herrn Grafen mit Tadel quittiert werden. Vielmehr ist "Graf Yoster" eine Krimiserie, die offenbar auch von "Mit Schirm, Charme und Melone" beeinflusst war und den subtilen Humor der Engländer teilweise recht gelungen übernommen hat.

So erleben wir also mit, wie Graf Yoster sich von seinem Diener und Vertrauten in seinem Rolls Royce (übrigens ein echter Rolls Royce, den Wolfgang Völz persönlich fahren durfte / musste, was nicht gerade einfach war) durch ganz Europa kutschieren lässt, um für seine Kriminalromane zu recherchieren. Denn Seine Durchlaucht ist nicht nur ein reicher Schlossbesitzer in den bajuwarischen Bergen, sondern auch ein gefeierter Krimiautor. Seiner Leidenschaft für das Verbrechen ist es auch zuzuschreiben, dass er sich ausgerechnet einen ehemaligen Knacki als Diener nahm – Gotthold Weinhofer, genannt "Johann", ist zwar gelernter Zuckerbäcker, blickt aber auch auf eine eher unrühmliche Karriere als Tresorknacker, Einbrecher und in diversen anderen Sparten des Verbrechertums zurück.

 

Dank Graf Yoster entsagte er dem gesetzlosen Dasein und trat in dessen Dienste, zumal es sich auf einem Schloss wesentlich angenehmer lebt als hinter schwedischen Gardinen, und zumal es im Schloss auch einen Tross durchaus ansehnlicher weiblicher Bedienter gibt, denen man nachstellen kann. Obwohl Johann allem, was einen Rock trägt und bei drei nicht rechtzeitig entfleucht ist, mit seinem etwas eigenwilligen Charme nachstellt, bleibt ihm das Glück einer harmonischen Beziehung respektive einer großen Liebe jedoch versagt.

 

 


Gaststar Louise Martini

Dass Herr Graf selbst durchaus kein Kostverächter ist, zeigt sich im späteren Verlauf der Serie, als diese bereits in Farbe produziert wurde und man den Grafen auch mal in einschlägigen Reeperbahn-Etablissements antrifft, wo er die für die 70er Jahre bereits obligatorischen "nackten Tatsachen" so manch anerkennenden Blickes würdigt … 

Auf seinen Recherche-Reisen geschieht – wie Kommissar Zufall es will – meist ein Verbrechen oder es wird geplant, und man tritt an Graf Yoster heran, um sich bei der Aufklärung oder Verhinderung des Schurkenstreichs dessen Hilfe zu versichern. Da kann der blaublütige Gevatter natürlich nicht "Nein" sagen, und so schlittert er von einem Kriminalfall in den nächsten. Das ist natürlich auch von Vorteil, kann er die Fälle anschließend doch literarisch verarbeiten.

Wie bereits erwähnt, spielt sich das Ganze eher undramatisch ab und lebt von den Dialogen und dem Zusammenspiel des feinen Herrn Grafen mit seinem eher grobschlächtigen und raffiniert-einfältigen Diener. Dieses Zusammenspiel aber macht die ersten knapp 40 halbstündigen Episoden der Serie zu einem Genuss für Auge und Ohr.

 

Wenn Johann und der Graf sich im Rolls Royce unterhalten, haut Johann dem Adligen seinen Knastjargon um die Ohren, was den Herrn Grafen natürlich sofort dazu nötigt, ihn wieder verbal auf das richtige Gleis zu bringen. Und so erlebt man, wie zwei Welten, die gegensätzlicher kaum sein können, hier permanent aufeinander prallen – natürlich zum großen Vergnügen des Zuschauers. 

Dass Johann durchaus auch seine "handwerklichen" Qualitäten besitzt, zeigt sich des Öfteren, wenn Herr Graf sich genötigt sieht, nächtens in diverse Räumlichkeiten einzudringen oder sich in eine Bredouille manövriert hat, aus der ihn nur rohe Kräfte wieder befreien können. Dann darf Johann ordentlich zulangen und so manchen Halunken aufs Kreuz legen bzw. zu Boden oder ins Reich der Träume schicken. Tote gibt es von Seiten der beiden ungleichen Streiter für Recht und Gerechtigkeit nie zu beklagen, und Mordfälle sind auch eher selten …

 

 

 

Weiter mit Petes Ausführungen zu den Farbfolgen, den Gaststars und den DVD-Tipps zur Serie geht es auf Seite 2!

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