An vier Abenden im ZDF: "Die Abenteuer des David Balfour".
Als neue Stars: zwei junge Schauspieler aus Deutschland und Frankreich.
Sie hatten sich vorher noch nie gesehen ...

... und plötzlich wurde es die große Liebe

ein Artikel aus der HÖRZU, Ausgabe 49/78, von Angelika Linden
(Copyright Text und Bilder liegen also bei der HÖRZU)

Ganz lässig sitzt er da – blondgelockt, die langen Beine übereinandergeschlagen – und starrt konzentriert auf die Studioleinwand. 

"Only when you are here, I’m really happy", seufzt David Balfour dort oben und sieht die schöne Schottin Catriona Drummond verliebt an. "Nur wenn du bei mir bist, bin ich wirklich glücklich", seufzt der Blondgelockte unten im halbdunklen Studio lippensynchron ins Mikrofon. Es klingt sehr glaubhaft. 

Ekkehardt Belle (24), Titelheld des großen ZDF-Vierteilers "Die Abenteuer des David Balfour", synchronisiert sich selbst. Die spannende Geschichte des schottischen Freiheitskampfes wurde im Sommer in englischer Sprache aufgezeichnet; jetzt, drei Monate nach Drehschluss, legt 'Ekke' seine deutsche Stimme auf die eigene Rolle.

Was ist das eigentlich für ein Gefühl – wenn man in der nüchternen Atmosphäre des Synchronstudios einem Mädchen wieder begegnet, mit dem einen doch wohl mehr als nur berufliche Partnerschaft verbindet? 

Ekkehardt Belle weicht aus, redet plötzlich von den Dreharbeiten in England und Schottland, von Teamgeist und Kameradschaft: "Hier gibt es das kaum. Wir haben zu viele Schauspieler, die nur ihre Eitelkeiten pflegen."

'Ekke’' nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn ihm etwas nicht passt, ist direkt, geradeaus, manchmal sogar verletzend. Dabei ist kein Rebell, sondern charakterisiert sich selbst als realistischen Träumer. Und ins Träumen scheint er immer dann zu geraten, wenn er von seiner Partnerin spricht: Aude Landry (17), taillenlange braune Haare, ein Gesicht wie eine junge Madonna. Die Französin ist die Darstellerin der Catriona Drummond, die eine entscheidende Rolle in David Balfours Leben spielt. Wirklich nur in Davids Leben?

Die Antwort darauf gibt ‚Ekke’ fast beiläufig: "Ich war vom ersten Tag an mit Aude zusammen – auch privat." Mehr ist ihm – vorerst – nicht zu entlocken. Statt dessen schwärmt er von dem "fabelhaften Regisseur" und von David McCallum, der in seinen Augen "ein wirklich großer Star" ist. "Fünf Monate haben wir gedreht, aber mit so einem Team vergeht einem die Zeit wie im Fluge." 

Er sagt "Team", meint aber Aude. Wie war das denn nun mit ihr und ihm?  "Na ja... Wir haben uns zum ersten Mal gesehen... Da hat es gleich gefunkt", sagt er, als sei dies so selbstverständlich und fügt hinzu: "Sie ist eine ganz ungeheuer gute Schauspielerin." 

Das wird es aber kaum sein, was beiden die stundenlangen Ferngespräche miteinander führen lässt – auf englisch. Denn Aude spricht kein Deutsch und er kein Französisch. Verständigungsschwierigkeiten haben die beiden trotzdem nicht. Und wenn die Sehnsucht zu groß wird, fliegt er eben nach Paris oder sie nach München. Die Fluggesellschaften könnten schon fast einen Liniendienst einrichten, nur für Aude und Ekkehardt. So oft sehen sich die beiden.

 

Also die ganz große Liebe auf den ersten Blick? "Ungefähr... So was soll es ja geben", murmelt der Jungmime und klappt zu wie eine Auster, der man die Perle entwinden will. Er ist zwar bereit, über sein Privatleben zu sprechen – "das gehört wohl zum Beruf" – aber ihm wäre es lieber, die Menschen würden sich mehr für den Schauspieler Ekkehardt Belle interessieren. Für ihn ist die Schauspielerei vor allem Handwerk. Und das hat er nicht auf einer Schauspielschule, sondern von "wirklich hervorragenden deutschen Kollegen" gelernt: "Die haben mich bei Theater-Tourneen so lange mit der Nase über den Bühnenboden geschleift, bis ich kapiert hatte, um was es ging, und keine Mätzchen mehr machte."

Er hat begriffen, dass Disziplin sein muss, und findet nichts fürchterlicher als "diese ausgeflippten Kreaturen, die ständig auf Identitätssuche sind".

 

Besonders an sogenannten progressiven Kollegen lässt er kein gutes Haar: "Fünf Minuten habe ich mal mit solchen Typen zusammen gesessen. Die reden einen Stuss zusammen... Da möchte man glatt die Schauspielerei aufgeben und Lastwagenfahrer werden." 

 

Wer ihm zuhört, könnte glauben, Ekkehardt Belle liebt seinen Beruf nicht, doch das täuscht. Er hat nur Angst, dass eines Tages keine Rollenangebote mehr kommen und der Gerichtsvollzieher vor seiner Tür steht, um alles wegzupfänden. Im gleichen Atemzug beteuert er, dass es ihm nichts ausmachen würde, etwas anderes zu tun, wenn er als Schauspieler nicht mehr gefragt ist.  

Er ist ein vernünftiger Wirrkopf, ein pessimistischer Optimist. Er hofft vieles und glaubt weniges. Schon gar nicht an das, was 'Balfour'-Regisseur Jean Pierre Decourt prophezeite: "Nach der Serie wird Ekkehardt ein Star sein." "Da haben sich schon viele Fernsehhelden getäuscht", meint der so Gelobte hellsichtig. "Der Beruf ist so schnelllebig. Da hat doch nichts Bestand. Weder Erfolg noch Partnerschaft." 

Auch die mit Aude nicht? 'Ekke' murmelt etwas, das klingt wie: "Das ist doch ganz etwas anderes ... Man kann ja nie wissen..." Steht auf und verschwindet, um ein Ferngespräch zu führen, natürlich mit Paris – mit Aude.

 

Vielen Dank an TV-Nostalgie-Forum-Mitglieder Mariposa (fürs Material) und Ekkehardt Belle, der nichts dagegen hatte, dass ich dieses doch sehr persönliche Stück "Geschichte" veröffentliche.

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Petra Nagel  ·  Feedback und Nachricht an mich   ·  Forum ·  Impressum · Datenschutz