
11.07.2009
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Stephan ist tot Merkwürdig ist es schon. Da ist eine Serienfigur, die man im Grunde noch nicht einmal sonderlich mag. Man ist an sie gewöhnt, weil sie einen lange Jahre begleitet hat. Ein Mann mit Riesen-Tränensäcken und Toupet, kein schöner Mann, aber mit einer natürlichen Autorität und einer guten Aussprache - und das in Bayern! Ein Mann mit einem Titel, den es gar nicht gibt. Oberinspektor ist er. Mit einem Assistenten, der ebenfalls, wie er selbst, Kultstatus erlangt, auch mit einem Titel, den es nicht gibt. Nicht nur bei uns tobten Stephan und Harry über den Bildschirm, nein, sie liefen in über 100 Ländern der Erde. Er war unser erfolgreichster Serienexport, der Oberinspektor aus München. |
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Stephan sprach und wiederholte seine klugen, durchdachten Sätze nicht nur auf deutsch, nein, er sprach englisch, französisch, italienisch, spanisch, sogar chinesisch. Und überall liebte man ihn. Man wusste nicht immer, wo Deutschland lag, aber Derrick, den kannte man. Als die Serie damals startete, rechnete niemand mit dem großen Erfolg, denn zunächst schwächelte das Ganze. Das Konzept sah nämlich so aus, dass wir, die Zuschauer, den Mörder kannten, während Stephan und Harry noch im Dunkeln tapperten. Als man dieses Konzept, das für die Zuschauer nicht so spannend schien, änderte, ging die Erfolgsstory rund um die Welt los. Horst Tappert war bereits vor "Derrick" ein erfolgreicher Schauspieler, wir kannten ihn z. B. aus "Die Gentlemen bitten zur Kasse". Doch er ist wohl einer der wenigen Schauspieler, die man meist nur mit einer einzigen Rolle assoziiert: Derrick. Derrick war nicht Horst Tappert - Derrick war ein alter Junggesellte, der zwar auch mal eine Freundin haben durfte, aber sonst nur für seine Arbeit lebte. Der philosophierte, ein Gentleman-Polizist. Gewalt? Nicht bei Stephan Derrick. Derrick war nie grob und selten unfreundlich, er war aber auch keine Vaterfigur für seine Assistenten, er war der Duzfreund seines Assistenten Harry. Horst Tappert spielte Derrick nur. Trotzdem wird er für seine Fans immer "Stephan" sein. 281 Folgen und 24 Jahre hat uns Derrick begleitet, und dann wurde er - im Alter von 75 - noch zu Europol versetzt. Was für eine Karriere. Ich war 13, als Derrick erstmals auf Sendung ging, und 37 Jahre alt, als die Serie eingestellt wurde. Die ersten Folgen habe ich alle gesehen, erst später gingen mir die ständigen Wiederholungen, das sogenannte "Reineckern" gewaltig auf die Nerven. Doch dies war ja schließlich nicht Derricks Schuld. Die letzten 10 Jahre fanden weitgehend ohne mich statt. Ich war nie ein Krimi-Fan, aber trotzdem bekam ich natürlich mit, was bei Derrick so ablief. Denn Derrick war immer noch die beliebteste Krimiserie der Deutschen, an ihm vorbei zu kommen, war schier unmöglich. Nun ist Stephan gegangen. Ich bin sicher, mit Harry werden Millionen Fans auf der ganzen Welt um den Mann mit den großen Tränensäcken trauern. Auch ich habe heute gewaltig schlucken müssen, als ich die Nachricht hörte. Herr Oberinspektor, wir danken Ihnen. Harry würde sagen: "Machs gut, Stephan." |
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