Was man hier zu sehen bekommt ist mehr als 6 Stunden Heimatfilmkino für das Wohnzimmer vom Allerfeinsten. Verglichen mit heutigen Serien wie Bergdoktor und Bergwacht, die zwar auch gewisser Dramatik nicht entbehren, und in denen es auch kräftig "menschelt", komprimiert aber "Wolken über Kaprun" auf 25 Minuten Stoffe, die man auch in abendfüllenden Heimatfilmen der Fünfziger und Sechziger Jahre auf der großen Leinwand findet.

 

Dabei wirkt das, was hier von F. J. Gottlieb routiniert inszeniert wurde, selten unglaubwürdig. Es gibt zwar einige Momente, die durchaus heute so nicht mehr denkbar wären, wie zum Beispiel die wunderbare Szene, als Reuterer eine junge Frau in der Hütte aufnehmen muss, die alsbald in den Wehen liegt, und er in seiner Verzweiflung meint: "Trinken Sie erst mal einen Schnaps, dann geht's Ihnen besser" - heute undenkbar, würden doch sämtliche Krankenkassen und Mediziner auf die Barrikaden gehen, aber umgebracht hat's die Frau nicht, und dem Baby hat's auch nicht geschadet..., aber diese Momente sind ziemlich rar. Überhaupt wird auch geraucht und getrunken, aber das war eben damals so, und ein Ingenieur, der ohne seine geliebte Pfeife unterwegs gewesen wäre, wäre in meinen Augen eher unrealistisch. Die Pfeife gehört eben zu Reuterer.

 

Mit viel Liebe zum Detail werden wir Zeuge von dramatischen Abenteuern im Hochgebirge, immer begleitet von grandiosen Aufnahmen der schneebedeckten Bergwelt rings um das Kraftwerk Kaprun. Seien es Touristen in Bergnot, seien es erfahrene Bergsteiger, die in Not geraten, seien es Lawinenopfer oder sei es ein gefährlicher Schläger, der für Wirbel sorgt - Thomas Reuterer hat alle Hände voll zu tun. Und sei das nicht genug, geraten auch immer wieder Kinder aus dem Ort in einen gefährlichen Schlamassel und müssen vor dem Tode bewahrt werden ...

Wie man es vom Heimatfilm kennt, erleben wir Szenen von höchster Dramatik und Spannung, untermalt von einer kongenialen Titelmusik und Hammondorgelklängen. Einzig störend wirkt, dass man zur Untermalung von dramatischen Szenen oft auch das Kreischen von Bergvögeln genommen hat - was es für Vögel sind, weiß ich nicht, aber sie nerven mitunter schon ein wenig.

Das Titelthema und die von Hörnern dominierte Musik würde jedem Heimatfilm eines Luis Trenker zur Ehre gereichen. Die Geschichten sind packend, mitreißend und spannender, als es jemals eine deutsche Heimatserie der 80er, 90er oder des neuen Jahrtausends gewesen ist oder werden könnte. Dazu sind heutige Geschichten einfach zu dialoglastig, zu verschachtelt. Bei "Wolken über Kaprun" geht’s ziemlich rasch zur Sache.

 

 

Ein Faktor, der die Serie sehenswert macht, ist natürlich die Darstellerriege. Allen voran "Traumschiff-Doc" Horst Naumann. Zugegeben, er hat den bayrischen Akzent nicht so drauf und man fragt sich manchmal, was ein Preuße verdammt noch einmal auf der Alm und in den Bergen rumzukraxeln hat, aber er ist in der Rolle einfach großartig. Nie overacting, nie zu dominierend, einfach prima gespielt, und die Idealbesetzung des rauen Ingenieurs Reuterer. Doris Kirchner, die man aus zahlreichen Heimatfilmen der 60er Jahre kennt, spielt Maria, seine Angebetete, und beide spielen großartig zusammen - die Harmonie stimmt, wenn Doris Kirchner, was äußerst positiv wirkt, auch keine Schönheit ist - sie ist eine nicht unattraktive, aber eben doch eher herbe und dennoch sehr sympathische Frau (die dem heutigen Schönheitsideal in den modernen Serien so gar nicht entsprechen würde, aber dadurch umso glaubwürdiger wirkt), die sich in dieser rauen Gebirgswelt zu behaupten weiß.

 

Unterstützt werden die beiden von einer Reihe Darsteller, die eher nur den Liebhabern und Kennern des Heimatfilm-Kinos häufiger begegnet sein dürften, doch Namen wie Fred Bertelmann ("Der lachende Vagabund"), Sieghard Rupp ("Kressin") oder Marianne Schönauer ("Der Kurier der Kaiserin", "Im Auftrag von Madame") sind ein Begriff. Vor allem Fred Bertelmann ist in einer Rolle zu sehen, in der er so intensiv spielt, wie man ihn im Kino selten sah - und er hat diesmal eine Unsympathen-Rolle, die sich erst am Ende wandelt.

 

 

Für mich ist "Wolken über Kaprun" ganz großes Heimat-Heimkino, wie man es besser nicht hätte inszenieren können. Schade, dass nur 13 Episoden produziert wurden, aber die haben es in sich. Heute angeschaut, bietet die Serie für die Fans des Genres und für TV-Nostalgiker, die sich auf dieses Genre einlassen möchten, gleichermaßen pures Vergnügen. An solchen Serienproduktionen sollten sich heutige Senderredaktionen und Produzenten mal ein gehöriges Beispiel nehmen, dann wüssten sie, wie man wirklich gute und spannende Fernsehunterhaltung abliefern kann!


Bei mir hat "Wolken über Kaprun" einen Ehrenplatz in der Sammlung erhalten.

 

 

Wer nach Petes Schilderungen jetzt Lust bekommen hat, selber mal nach Kaprun zu reisen, und sei es nur per DVD, kann diese bei allen gängigen Händlern, u. a. bei beziehen, aber auch direkt über diesen Link, der zu Amazon führt (Vorsicht, zur Zeit ist die DVD nur noch bei Dritthändlern zu horrenden Preisen zu bekommen - sucht nach der günstigsten Variante):

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