Karl-Heinz Köpcke

10.08.14

Mister Tagesschau

Zur Tagesschau könnte man eine ganze Menge schreiben - über Ereignisse, Versprecher, Besonderheiten, ja, da wäre wirklich eine ganze Menge, was sich in über 50 Jahren angesammelt hat. Aber was fällt jemandem wie mir, der in den 60er und 70er Jahren groß  eworden ist? Wer fällt einem ein? Richtig: Karl-Heinz Köpcke. Der Mann, der die bekannteste Nachrichtensendung Deutschlands wie kein anderer geprägt hat. Und darum gebührt ihm natürlich auch hier eine eigene Seite.

Ich persönlich weiß nicht sehr viel über ihn - er war die Seriosität in Person, dementsprechend wurde auch nicht so viel über ihn berichtet, er war ja letzten Endes die Person, die berichtete... Aber Kaschi hat mir einiges an Material zur Verfügung gestellt, aus dem ich ein paar kleinere Berichte ausgewählt habe - danke an Dich.

 

So kannte (und liebte) man ihn:
Karl-Heinz Köpcke -
"Mr. Tagesschau"

 

Lieber Herr Köpcke,
Sie "verlassen" die Tagesschau? Am Donnerstag dieser Woche ein letztes "Guten Abend, meine Damen und Herren" und dann Aus und Schluss? Doch nicht etwa, weil sie am 29. September 65 werden und pensionsreif sind? Nach mehr als 5000 Auftritten in 28 Jahren? Verpflichtet Ihr Bekanntheitsgrad von 93 Prozent nicht? Und die stürmische Verehrerinnenpost? Gibt’s Ärger? Fängt etwa der Kollege Stöck wieder an zu stottern und treibt einen Perfektionisten wie Sie zur Weißglut? Oder ärgern Sie sich gar über die paar eigenen Versprecher? Über einen Bundesaußenminister, der zum Bundesaußenseiter wurde? Macht Ihnen gar die Langzeitwirkung Ihres 1974 allseits verrissenen Romans "Bei Einbruch der Dämmerung" noch zu schaffen? Die 50.000 Exemplare waren doch in 14 Tagen vergriffen! Oder wollen Sie sich wieder einen Schnauzer stehen lassen wie weiland 1974 und sorgen sich um die Bart-ab-Proteste? Oder hat Ihnen jemand die stets so korrekt sitzenden Krawatten geklaut? Alles gut und schön. Aber ein Stück telegene Nachkriegsgeschichte wie Sie sollte bleiben. Können doch genug andere gehen.


Ihr treuer Gebührenzahler (Offener Leserbrief von September 1987)

 

Und hier ein Artikel aus dem Gong zum Tod von Karl-Heinz Köpcke:

Vorbild einer ganzen Sprechergeneration: zum Tod von "Mr. Tagesschau" Karl-Heinz Köpcke

28 Jahre lang: Abend für Abend hatte er die Welt im Griff

Was heißt hier: "Er hat doch nur was vorgelesen?" Karl-Heinz Köpcke hat 28 Jahre lang als Tagesschau-Sprecher Nachrichten glaubhaft gemacht. Ein Millionenpublikum nahm ihm widerspruchslos das ab, was er sicher, seriös und ohne Emotionen verlas. So dass ihn bei seinem offiziellen Abschied vor vier Jahren sogar die ZDF-Konkurrenz lobte: "Er hat den bellenden Ton der Nachrichtensprecher abgeschafft".

 

Dafür wurde Köpcke geschätzt und geliebt. Das machte ihn zum Vorbild einer ganzen Sprecher-Generation. Von diesem "Symbol" heißt es jetzt Abschied zu nehmen. Köpcke starb drei Tage vor seinem 69. Geburtstag. Er hat den Kampf gegen den Krebs verloren.

Seine Ausstrahlung hatte er zum Markenzeichen der ARD werden lassen. So würdigte ihn der NDR als "Diener der Zuschauer, der sich nicht in den Vordergrund drängte". Und so war sein Bildschirm-Abschied am 10.09.1987 lässig, locker und leise. Er sagte einfach zu letzten Mal zu seinen Zuschauern "Guten Abend, meine Damen und Herren". Dann ging er. Körbeweise hatten Fans mit Dankesbriefen, Blumen und Geschenken von "ihrem Köpcke" Abschied genommen. Er zeigte sich gerührt.

 

Schon immer begleiteten die Fernsehzuschauer ihren "Mr. Tagesschau" mit großem Interesse. Seine Fans überschütteten ihn mit guten Ratschlägen, als er einmal wegen einer Hals-Nasen-Ohren-Erkältung nicht auf dem Bildschirm erschien.

Einen Aufschrei der Entrüstung erregte eines Tages sein Schnauzbart, mit dem er sich nach einem Urlaub vor die Kamera setzte. Der Bart musste wieder ab. Und die Modewelt diskutierte wochenlang, als er eine Fliege um den Hals trug anstatt der gewohnten Krawatte. Hunderte von Frauen baten um "Gnade für Köpcke", als ihm der Rausschmiss drohte, weil er aus Protest gegen den ihm beigesetzten neuen Tagesthemen-Redakteur deutlich hörbar mit dem Papier raschelte und demonstrativ gegähnt hatte.

Privat lebte Karl-Heinz Köpcke zurückgezogen. "Ich bin ein langweiliger Mensch", sagte er einmal. Auf die Jahre nach den Nachrichten habe er sich aber immer gefreut. Da wollte er mit seiner Frau vor allem reisen und endlich das tun, was ihm während seiner Dienstzeit verwehrt wurde: mit Werbung Geld verdienen
.

Doch es kam alles anders. Die geplante Kreuzfahrt auf einem Traumschiff musste abgesagt werden, weil er einige Tage zuvor erkrankt war: Krebs! Es folgten vier schwere Jahre. Dazu kam noch ein Beinbruch. Gerade machte er die ersten Gehversuche, da erreichte ihn die Hiobsbotschaft: seine Frau war gestorben. Ebenfalls an Krebs.

Er musste an der Wirbelsäule operiert werden, litt unter unsagbaren Schmerzen. Am Ende hatte er nur noch den Wunsch, die letzten Tage seines Lebens in seiner Wohnung zu verbringen.

 

Seine  Kollegen nahmen bewegt von ihm Abschied. Hajo Friedrich, Ex-Tagesthemen-Moderator: "Von Köpcke habe ich gelernt, wie man intelligent spricht, auch spröde Nachrichten kultiviert vorträgt. Dafür bin ich ihm dankbar."

Köpckes Urne wurde neben seiner Frau Gertie beigesetzt.

Übrigens erscheint im September 2014 ein bisher nicht veröffentlichtes Buch von Karl-Heinz Köpcke, das über diese Seite bestellt werden kann. Ein Teil des Erlöses wird einem guten Zweck gespendet.

 

Kommentare verschiedener Zeitungen zum Tod von Karl-Heinz Köpcke:

Süddeutsche Zeitung: "Zwei Versprecher und ein einmaliges Räuspern sind dem mit den Ehrentiteln wie "Mr. Tagesschau", "Mr. Nazionale" oder gar "Mr. Deutschland" Dekorierten nachgewiesen worden. Vermutlich ein Korrektsprechen-Weltrekord."

 

Tz: "Seine Nachfolger haben eine Popularität, wie einst Köpcke sie hatte, gar nicht erst erreicht. Weil er so korrekt und unauffällig zugleich Tragödien und Tratsch vom Blatt las, wurde er zum Star. Doch er ließ es uns nie merken."

 

Abendzeitung: "Karl-Heinz Köpcke hinterlässt eine Vorstellung von seriöser Lässigkeit, die prägend war für den öffentlichen Teil des öffentlich-rechtlichen Fernsehens."

 

 

 

 

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