Miami Vice

04.06.11

 

1984. Ronald Reagan war seit 3 Jahren Präsident der Vereinigten Staaten. Sein Wirtschaftsprogramm schien zu fruchten – gnadenlos. Es herrschte neureiche Goldgräberstimmung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und der vorherrschende Zeitgeist fußte auch im Fernsehen. 

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Alle anderen Serien wirkten im Vergleich so interessant wie ein toter Fisch auf einer grauen Zementplatte", urteilte die amerikanische Presse und befand: "Das Fernsehen wurde neu erfunden".  Die Euphorie galt einem Ereignis, das in der Tat die Ästhetik dieses Mediums revolutionieren wollte: Miami Vice.

 

Michael Mann, einst Drehbuchautor für "Starsky & Hutch" und mehr, hatte ein vollkommen neues Konzept für eine Krimi-Serie ausgetüftelt. Er wollte die Stimmung in einem modernen Casablanca einfangen, einem quasi rechtsfreien Raum, in dem Laster in Luxus und Schönheit erstrahlt. Wichtiger noch als die Handlung sollte die Ausstattung, die Schnittechnik und die Musik sein. Dies war in der Tat ein Vorhaben, an das sich noch niemand herangewagt hatte.

Am 16. September 1984 ging Manns Schöpfung erstmals auf Sendung. Die Resonanz übertrag alle Erwartungen. Miami Vice schlug pfeilschnell ein. Der Vorspann – prall gefüllte Bikinis, Jet-Set-Flair auf Pferdehufen, azurblauer Sonnenschein spiegelt im quirligen Wirbel superteurer Rennboote – und der peitschende Rhythmus der Titelmelodie gruben sich sofort ins Bewusstsein der Zuschauer. Die Musik von Jan Hammer setzte Akzente, trieb voran und geriet oft genug zum Hauptdarsteller. Im wilden Stakkato des Synthesizer-Sounds waren die Bilder zusammengeschnitten. Eine Bildkomposition wie aus einem Videoclip.

Die Realität der Kulisse "Downtown Miami" hatte nur bedingt Bedeutung. Einzig der schöne Schein zählte. Am Drehort galt das eherne Gesetz: keine Rot-, keine Braun- und schon gar keine Mausgrautöne. So wurden für die Außenaufnahmen Straßenpfeiler und ganze Fassaden frisch getüncht.

 

Ein weiteres tat das hypermodische Outfit der Hauptdarsteller. Bis zu achtmal wechselten sie pro Folge ihre Garderobe. Aber immer herrschten Farben vor, zu denen sich dahin nie ein Macho bekannt hatte: Pastell- und Bonbontöne boomten plötzlich. Bei der Jugend in Amerika erwachte ein ungewohntes Modebewusstsein. Namen wie Armani und Boss, Versace und Valentino rotierten nun auf jeder Zunge. Der Look von Miami Vice war der Look einer neuer Generation. Selbst die großen Kaufhäuser reagierten und richteten Miami-Vice-Abteilungen ein.

Der allgegenwärtige Wirbel kam den Schauspielern Don Johnson und Philip Michael Thomas sehr gelegen. Jahrelang waren sie dem Erfolg hinterhergekrochen.

Seit 1969 schon hatte der Farmersjunge aus Missouri, Don Johnson, versucht, in Hollywood Fuß zu fassen – umsonst. Außer drei gescheiterten Ehen ("Ex" Melanie Griffith heiratete er 1989 erneut), Affären (auch mit Barbra Streisand) und Rauschmittelkontakten aller Art hatte er dort nicht viele Erfahrungen sammeln dürfen. Dann erhielt er ein Angebot und wusste gleich: "Das war die Rolle, mit der ich mich auszeichnen konnte." Richtig – mit Designerschnitt und Dreitagebart schuf er ein neues Männerideal. Als König der Hippen verehrt, verlor er schnell die Contenance und geiferte öffentlich: "Wir sind größer als die Beatles." Und der Ruf von Größenwahn bleibt kleben.

 

Philip Michael Thomas gibt sich volkstümlicher. Der Mann aus Columbus/Ohio wuchs in Los Angeles auf, tat seine ersten Bühnenschritte im Kult-Musical "Hair" und studierte Theologie. Noch immer würzt er seine Dialoge mit Bibelsprüchen: "Jeder Erfolgstag von Miami Vice machte mich demütiger gegenüber dem Herrn, denn er der hat mich zum Erfolg bestimmt." Saubermann Thomas, der privat nicht einmal Aspirin einwirft, beschrieb Tubbs als "eine Katze mit neun Leben. Er ist gefährlich, wild und tödlich. Perfektion heißt sein oberstes Gebot."

In "Miami Vice" stießen Johnson und Thomas – Crockett und Tubbs – zunächst hart aufeinander. Sonny Crockett hatte Ideale. Das war, als er die Highschool verließ und ihm eine verheißungsvolle Karriere als Football-Star bevorstand. Doch dann kam Vietnam. Der schöne Traum zerplatzte. Bei der Polizei findet er Ersatz für den entgangenen Nervenkitzel auf dem Spielfeld. Seine geschiedenen Frau Caroline (Belinda Montgomery) und den sechsjährigen Billie sieht er selten. Mit seinem Alligator Elvis haust er auf der Yacht "St. Vitus’ Dance" im Hafen von Miami. Und dass er im harten Spezialdienst nicht den Humor verloren hat, ist seinem coolen Machismo zuzurechnen.

 

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