Perry Mason

Auch wenn die Umsetzung der Buchvorlagen nicht immer ganz so glücklich war, was in fünfundvierzig Minuten auch nicht einfach zu bewerkstelligen war, so war die Serie doch sehr spannend und schauspielerisch erstklassig bis in die Nebenrollen. Raymond Burrs schelmisches Lächeln, das in der Eingangssequenz der Originalfassung um seine Mundwinkel spielt, weist bereits auf den Charakter seiner Figur hin. Mason ist ein Staranwalt, der sich richtig in seine Fälle verbeißt und alles für seine Mandanten herausholt. Insbesondere wenn es sich um junge, hübsche Ladies in Not handelt, ist Mason nicht zu halten, was ihm hin und wieder auch ein schnippisches Lächeln oder eine ebenso schnippische Bemerkung seiner Sekretärin Della Street einhandelt. Eine loyalere Assistentin als Della, mit deren Auftritt übrigens nahezu jeder Kriminalroman um Perry Mason beginnt, kann sich der Starverteidiger allerdings auch nicht wünschen.

Auch Barabara Hale, die ebenso im Kino wie im Fernsehen eine bekannte und beliebte Größe war, erwies sich als Idealbesetzung für die Rolle der Della Street und gewann für ihre Rolle einige Preise als beste Nebendarstellerin. Raymond Burr und Barbara Hale harmonierten so gut in der Serie, dass sich daraus eine innige  Freundschaft entwickelt sollte, die bis zu Raymond Burrs Tod 1993 anhielt.

Ihre Beziehung war jedoch rein freundschaftlicher Natur, denn Raymond Burr fühlte sich zu Männern hingezogen und war bis zu seinem Tod mit seinem Lebensgefährten zusammen, dem er auch den größten Teil seines beträchtlichen Vermögens vererbte, und Barbara Hale war verheiratet.

 

Doch mit Rat und Rat wandte sie sich immer gern an Raymond Burr, der ihr stets mehr als ein Kollege, nämlich einer der besten Freunde, war.

 

 

Als Dritter im Bunde des Mason-Teams war der hünenhafte William Hopper in der Rolle des gewieften Privatdetektivs Paul Drake zu sehen. Paul Drake unterhielt seine Büros auf der selben Etage wie Perry Mason und war ein stets gerne gesehener Gast in Masons Büro. Er machte Della Street öfters den Hof, doch sie himmelte eher ihren Chef Perry Mason an (in der Nachfolgeserie "Perry Mason kehrt zurück" heiratet Perry dann auch seine Della Street). In den Romanen sollten die beiden allerdings immer Chef und Assistentin bleiben.

Paul Drake erledigte die Laufarbeit für Perry Mason, und nicht selten kam es vor, dass Paul im allerletzten Moment mit den nötigen Beweisen für die Unschuld des Angeklagten im Gerichtssaal erschien. William Hopper war in zahlreichen B-Filmen der 50er Jahre, wie beispielsweise in dem Horrorfilm "The Flying Mantis", zu sehen. Seine athletische Gestalt stand allerdings etwas im Gegensatz zu der sanften Art des Privatdetektivs, die er in der Serie gab.

Aber was wäre Perry Mason ohne seine beiden ewigen Gegenspieler, die ihm das Leben bzw. die Fälle schwer machen? Wie schon in der Romanvorlage, bekommt es Perry Mason in der Serie immer wieder mit Staatsanwalt Hamilton Burger und Lieutenant Arthur Tragg von der Mordkommission Los Angeles zu tun.

 

Ist die Figur des Hamilton Burger treffend mit dem Schauspieler William Talman besetzt, der auf unsympathische Rollen festgelegt war und die Figur des Roman-Staatsanwalts hervorragend in die Serie zu transportieren vermag, so ist die Besetzung des Lieutenant Tragg etwas unglücklich gewählt. In der Romanvorlage kommt Tragg wesentlich jünger und agiler herüber als in der Fernsehfassung, wo Tragg bereits kurz vor der Pensionierung zu stehen scheint. Dennoch verleiht Darsteller Ray Collins mit dem stets verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel dem erfahrenen Polizeibeamten ein Gesicht, mit dem sich die Zuschauer identifizieren konnten. Er schien Perry Mason bei der Mörderjagd immer eine Nasenlänge voraus zu sein, ein alter Hase, der genau wusste, wo der Fuchs im Revier herumstrolchte. Und dennoch war ihm leider immer das Schicksal beschieden, die falschen Leute zu verhaften und vor Gericht zu bringen.

Hamilton Burger kocht regelmäßig vor Wut, wenn Perry Mason seine Anklage vor Gericht zerpflückt.

 

William Talman bringt dies hervorragend herüber und ist sich auch nicht zu schade, Perry Mason – wenn auch selten – zu seiner erstklassigen Arbeit und seinem Erfolg zu gratulieren und sogar mit ihm und Della Street zu Abend zu essen. Noch habe ich nicht die komplette Serie gesehen, da ich auf die englische Originalfassung warte, aber ich habe mir von Fans in den USA sagen lassen, dass es angeblich nur einen einzigen Fall gab, den Perry Mason verlor – indem sich sein Mandant als Mörder herausstellte und von ihm selbst entlarvt wurde. Ich bin also weiterhin gespannt.

Das Konzept der Serie führte, wie eingangs erwähnt – zu zahlreichen Ablegern bzw. Nachahmern in den USA, und auch die erfolgreiche deutsche Krimiserie "Ein Fall für Zwei" funktioniert nach dem Strickmuster von Perry Mason. Den Flair, die Atmosphäre und die schauspielerische Qualität des klassischen Fernseh-Anwalts Perry Mason konnte allerdings keine der Nachfolgeserien erreichen.

 

Für mich wird Perry Mason immer eine der besten amerikanischen Krimiserien bleiben, die es je gab. Nicht zuletzt, weil sie so erfolgreich war, dass sich namhafte und beliebte Darsteller um Gastauftritte in der Serie bemühten.  Mit der Fernsehfassung hat Raymond Burr Fernsehgeschichte geschrieben und nur noch mit seiner nicht minder legendären Rolle als "Chef" Robert T. Ironside einen ähnlichen Erfolg verzeichnen können. Auch wenn die neu erfundenen Fälle für Perry Mason, die lediglich die Figuren verwendeten, nicht aber auf Romanfragmenten basierten, nicht ganz an die Qualität der Romanumsetzungen heranreichten und oftmals verworrener waren, als Erle Stanley Gardner es sich gewünscht hätte, beeindruckt das Gesamtwerk doch. 

Perry Mason ist ein Beispiel dafür, wie spannend Krimiserien auch ohne Verfolgungsjagden, Schießereien und Computertricks sein können. Sympathische und hervorragende Darsteller mit großer Bildschirmpräsenz und spannend konstruierte Mordfälle, die zum Mitraten einladen – das ist das Erfolgsrezept dieses Fernsehkrimi-Klassikers, der auch ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung noch zu begeistern vermag.

Perry Mason – eine Serie, die für alle Fans der Romane ein Muss ist und in jeder Sammlung eines Serien-Nostalgikers ihren Platz verdient.

 

Soweit also Petes Erinnerungen, die er dank den DVDs, die  2009 erschienen sind, nun auch auffrischen konnte.  Wenn Ihr auch der Meinung seid, dass die Serie in Eurer Sammlung nicht fehlen darf, so kann diese bei Amazon bestellt werden oder bei

 

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