Zwei Jahre Ferien
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Gordon war der besonnenste unter ihnen. Er war damals der erste, der den Ernst der Lage erkannte. Er fragte mich einmal während des Sturms, ob wir noch eine Chance hätten, heil irgendwo anzukommen. Er war ruhig und ernst, und die Jungen hörten auf ihn. Nur ihre Sticheleien vertrug er schlecht. Besonders die arrogante Art von Doniphan machte ihm zu schaffen. Doniphan Weldon war ein Aristokrat. Es war manchmal nicht leicht mit ihm auszukommen. Er ließ sich von niemandem etwas sagen, war leicht reizbar und wusste immer alles besser. Es fiel ihm schwer, sich unterzuordnen. Am liebsten stritt er sich mit Brian. Die beiden hatten sich ein paar Mal in den Haaren und es gab manche Prügelei, meistens weil Bryan ihn reizte. Uns nervten die ständigen Streitereien, aber wir waren machtlos. |
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Ich darf Doniphan Weldon gegenüber jedoch nicht ungerecht sein, denn er war mutig und tapfer. Mit dem Gewehr konnte er am besten umgehen, und er versorgte uns in den Monaten regelmäßig mit Fleisch. Er ließ uns in der Gefahr nie im Stich, wenn er auch manchmal über das Ziel hinausschoss. |
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Bryan liebte die Unabhängigkeit ebenso wie Doniphan, ließ sich aber von dessen Art irritieren. Er konnte mit vielen seiner Angewohnheiten wenig anfangen. Besonders seine Jagdleidenschaft war ihm ein Dorn im Auge. Abgesehen von den regelmäßigen Streitereien war er aber ein gutmütiger Junge. Ging ein Streit mal zu weit und die Gemeinschaft nahm Schaden, dann tat es ihm sehr Leid und er hatte ein schlechtes Gewissen. Bryan war kein Prahlhans, sondern führte zu Ende, was er versprach. So erinnerte ich mich an die Geschichte, als er in der Dunkelheit mit einem um seine Hüfte geschlungenen Seil von der gekenterten Sloughi ans Ufer der Insel schwamm. An diesem Seil konnten wir dann mit einem Floß an Land treideln. Die beiden Streithähne wurden richtig gute Freunde, nachdem Bryan Doniphan das Leben gerettet hatte. Sie unternahmen danach fast alles gemeinsam. Ich musste Lachen, als ich daran dachte, dass Doniphan Bryan dann sogar das Schießen beibrachte. |
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Jimmy blieb unauffällig. Er versuchte nie, sich in den Vordergrund zu spielen und war der ruhende Pol der Gruppe. Er versorgte die Kleineren, kochte das Essen, kümmerte sich um die Kleidung und war auch sonst immer zur Stelle, wenn man ihn brauchte. Er bastelte gern und war ein leidenschaftlicher Sportler.
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Dann gab es da noch die drei Kleineren. Morris hätte es sicher nicht gerne, wenn er wüsste, dass ich ihn im Stillen so bezeichnet hatte. Am Anfang der Reise dachte ich zunächst, er sei ein richtiger Besserwisser. Das war er zu Beginn wohl auch, kein Zweifel. Als er den Sextanten ausprobierte, schwor er steif und fest, dass wir uns mitten auf dem australischen Festland befänden. Aber es stellte sich heraus, dass auch er lernfähig war. Jetzt im Rückblick muss ich sagen, dass wir ihm viel verdankten. Er war unser wandelndes Lexikon. Er wusste zu allem etwas und hatte viele Ideen. Er kannte Pflanzen, Tiere und physikalische Gesetze und war immer bereit, etwas auszuprobieren. Er beschaffte uns Wildkräuter, die er aus Büchern kannte oder erklärte uns, wie eine Wasserleitung aussehen sollte. Wir wurden jedes Mal von ihm mitgerissen und angesteckt. Die Idee mit dem Treideln des Floßes an einem Seil war ebenfalls von ihm.
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Über die beiden anderen weiß ich nur wenig zu sagen. Ben war immer hungrig. In Zeiten größter Gefahren saß er da und kaute. Er öffnete morgens die Augen und aß. Man sah es ihm aber nicht an. Vielleicht hatte er tatsächlich einen Bandwurm, wie Jimmy einmal scherzhaft feststellte. Henry litt oft unter Heimweh. Eigentlich hatten das damals alle, aber Henry war der einzige, der es zugab. Zusammen mit Service versorgte er die eingefangenen Ziegen. Service konnte es nicht leiden, wenn die anderen sich stritten. Er wollte immer, dass sich alle vertrugen. Er war von Anfang an seefest und spielte zu Beginn der Reise mit der Mannschaft Karten. Service mochte keinen Stillstand, alles musste in Bewegung bleiben. Bei Erkundungsgängen wollte er stets dabei sein. Service war immer fröhlich und tollte mit einem Hund umher. |
| Ich habe ihn nur einmal anders erlebt. Das war im ersten Winter auf der Insel, als er sah, wie die Vögel wegzogen und wir zurückbleiben mussten. Da plagte ihn das Heimweh und er blieb tagelang still und verschlossen. |
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Eines Tages erschienen Forbes und Pike auf der Insel. Weshalb sie das taten, das blieb uns ein Rätsel. Wir stahlen deren Boot und wagten uns damit wieder aufs Wasser. Zum Glück wurden wir bald danach von einem Schiff aufgenommen und kamen so nach Neuseeland zurück. Wir waren nicht wenig überrascht, als wir erfuhren, daß sich unsere Insel nicht weit vor der Küste Chiles befunden hatte. Seit jenen Ereignissen sind über zehn Jahre vergangen. Für eine kurze Weile blieb ich noch in Kontakt mit den anderen Jungs. Aber dann nahm ich eine Heuer an, und als ich nach einigen Wochen zurück nach Auckland kam, waren die Jungen wieder in der Schule und ich, Dick Sand, war vergessen. |
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Anmerkung von mir: auf der nächsten Seite erzählt Euch Sabine, wie sie den Vierteiler damals und wie sie ihn heute noch sieht. Es gibt Filme oder Serien (in dem Fall eben ein Vierteiler), die begleiten uns wohl irgendwie durchs Leben ... |
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