Fussball-Weltmeisterschaft 1974

Die Vorbereitung

Nur 16 Teams durften an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Bis auf Titelverteidiger Brasilien und Gastgeber Bundesrepublik Deutschland mussten alle anderen Mannschaften durch die Mühle der WM-Qualifikation. Damals war es noch unfassbar: England mit Kevin Keegan flog raus und sollte bei der WM nicht dabei sein! Gegen Polen und ihren Torwart Tomasziewski waren sie gescheitert! In einem turbulenten Spiel in Wembley reichte das 1:1 nicht! Für mich ein herber Verlust: war das ohne England überhaupt noch eine richtige WM, fragte ich mich.

Dafür waren aber die Schotten endlich wieder dabei, nach einem Sieg gegen die CSSR. - Auch die Niederlande hatte es nach langer Zeit mal wieder geschafft, wäre aber beinahe noch im entscheidenden Spiel in Amsterdam an Nachbar Belgien gescheitert. In der letzten Minute schossen die Belgier ein Tor und wären qualifiziert gewesen, doch der Schiedsrichter erkannte auf Abseits – und die Stars von Ajax und Feyenoord hatten nun die Chance, auch bei einer Weltmeisterschaft ihr Können zu beweisen.


WM-Qualifikation 1973 England - Polen 1:1
Polen hat zu Hause 2:0 gewonnen.
Das holen die Engländer nicht auf.
An Torwart Tomasziewski verzweifeln sie.

 


WM-Qualifikation 1973 DDR - Rumänien 2:0
Nach Vorlage von Peter Ducke verwandelt Bernd Bransch
einen Freistoß zum 1:0.

Ausgerechnet bei der 74er WM in der Bundesrepublik Deutschland sollte sich die DDR erstmalig (und letztmalig) für eine WM qualifizieren. Sie setzte sich gegen Rumänien durch. - Als einer der Favoriten galt Italien, das mit Torwart Dino Zoff vor der WM den eigenen "Kasten" sauber hielt: Zoff kassierte über  1000 Minuten lang kein Gegentor! - Die Sowjetunion trat gegen Chile in Santiago nicht in dem Stadion an, in dem das Militärregime unter Pinochet nach dem gewaltsamen Sturz von Allende politische Gegner inhaftiert, gefoltert und ermordet hatte. – Mit Australien war erstmals der "fünfte" Kontinent bei einer WM vertreten. - Als letztes Land qualifizierte sich Jugoslawien gegen Spanien in einem Entscheidungsspiel in Frankfurt am Main.

 

Oskar Klose

Der Austragungsmodus war verändert worden. Bis 1970 wurde nach der Vorrunde per Ko.-System die Endspielpaarung ermittelt. 1974 nun sollte erstmals eine zweite Runde mit zwei Vierergruppen ausgespielt werden, deren Sieger das Endspiel bestreiten sollten. Bei der Teilnehmerzahl 16 war es jedoch geblieben.  

Das Ziel von Helmut Schön, mit der 72er Erfolgsmannschaft auch zwei Jahre später nochmal aufzutrumpfen, ließ sich nicht verwirklichen. Bis auf den Schalker Linksaußen  Erwin Kremers, den kurz vor der WM ein Platzverweis nach Schiedsrichterbeleidigung ("Blöde Sau!") in der Bundesliga die WM-Teilnahme kostete, waren noch alle EM-Finalisten im WM-Kader vertreten. Aber die eingespielte Mannschaft der Europameisterschaft gab es nicht mehr. Nur die Spieler von Bayern München hatten allesamt ihre Positionen behaupten können. Kein Wunder: Bayern war 1974 unter Trainer Udo Lattek zum dritten Mal hintereinander Deutscher Meister geworden, knapp vor Mönchengladbach (jetzt ohne Netzer, dafür mit den Dänen Simonsen und Jensen). Bayern  hatte zudem auf spektakuläre und dramatische Weise als erster Bundesligist den Europapokal der Landesmeister gewonnen, u.a. im deutsch-deutschen Duell gegen Dynamo Dresden und in zwei Finales gegen Atletico Madrid.

"Katsche" Schwarzenbeck hatte im ersten Endspiel in nahezu aussichtsloser Situation einen Weitschuß im Atletico-Tor versenkt und damit ein Wiederholungsspiel erzwungen! In diesem tönte dann Reporter Oskar Klose bei einem Konter von Uli Hoeness: "Jetzt hauen sie ihn um! Nein! Er macht sie alle fertig! Tooor! Tooor!" Die Münchner gewannen 4:0.

Schön benannte neben 7 Bayern-Spielern (Torwart Sepp Maier, Franz Beckenbauer, "Katsche" Schwarzenbeck, Paul Breitner, Uli Hoeness, Gerd Müller, Jupp Kapellmann) und 5 Gladbachern (Torwart Wolfgang Kleff, Berti Vogts, Rainer Bonhof, Herbert Wimmer, Jupp Heynckes, dazu Günter Netzer) noch Bernd Cullmann, Wolfgang Overath und Heinz Flohe vom 1.FC Köln, Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein von Eintracht Frankfurt, Erwins Zwillingsbruder Helmut Kremers sowie Torwart Norbert Nigbur von Schalke 04, Dieter Herzog von Fortuna Düsseldorf und Horst-Dieter Höttges von Werder Bremen. Nicht berufen wurden Siggi Held (Offenbach), Rainer Geye (Düsseldorf), Wolfgang Weber (Köln), Horst Köppel und Dietmar Danner (Gladbach), Erwin Kremers (Schalke), Torwart Bernd Franke (Braunschweig) und Klaus Wunder (Bayern München, zuvor MSV Duisburg), die allesamt in den Vorbereitungsspielen getestet worden waren. Bei Werder war man enttäuscht darüber, dass der neue Bremer Torwartstar Dieter Burdenski nicht mal in den vorläufigen 40er Kader berufen worden war. Auch "Doktor Hammer", Bernd Nickel von Eintracht Frankfurt, fehlte.

Auf Seite 3 geht es weiter mit Kaschis Erinnerungen und weiteren Bildern von der Vorbereitung/Qualifikation, bevor es auf Seite 4 dann endgültig los geht mit der Fußball-Weltmeisterschaft 1974!

Zu den Weltmeisterschaften 1966 und 1970 und zur Europameisterschaft 1972 geht es, wenn ihr auf den entsprechenden Link klickt.

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