Die Onedin-Linie

28.09.18

Die Geschichte ist eigentlich rasch erzählt, versäumt es jedoch nie, auch ein Gesellschaftsbild im England des Neunzehnten Jahrhunderts zu zeichnen:  Sie spielt in England um 1860. Segelschiffkapitän James Onedin ist pleite und bis auf wenige Goldmünzen abgebrannt. Die einzige Möglichkeit für ihn, seinen Traum von einer eigenen großen Frachtschiff-Flotte zu verwirklichen, ist der Kauf des Hochseeschoners "Charlotte Rhodes". . Doch der griesgrämige Kapitän Webster knüpft eine Bedingung an den Verkauf des Schiffes: Er überlässt Onedin den Schoner nur, falls der Reeder die Tochter des Kapitäns ehelicht, also quasi mit erwirbt. Anne Onedin ist keine schöne oder attraktive Frau, sondern eher ein Heimchen am Herd, und hat sich damit abgefunden, ihrem tyrannischen Vater den Haushalt zu führen. Nie hätte sie gedacht, von einem gut aussehenden Mann wie James Onedin geheiratet zu werden. James fügt sich in den Kuhhandel, gibt seine letzten 25 Pfund aus und stellt von Anfang an klar, dass die Heirat nichts mit Liebe zu tun hat, sondern nur eine Art "Unternehmer-Risiko" darstellt.

Während James seinen Bruder Robert, der ein Geschäft für Schiffsausrüstungen betreibt, übers Ohr haut und ihm mit immer neuen Versprechungen auf Profit die letzten Pennies aus der Tasche zieht, wandelt Isabel (im Original "Elisabeth") Onedin, die jüngste der Geschwister, auf amourösen Pfaden. Dickköpfig und arrogant tappt sie von einem Techtelmechtel zum nächsten.

 

Hat er zuhause nicht schon genug Ärger, legt sich James Onedin auch noch ausgerechnet mit seinem mächtigsten Konkurrenten, dem Reeder Cullen, an. Er bietet Cullen die Stirn und packt den Teufel mitsamt seiner Dämonenschar bei den Hörnern, um sich einen Platz in der Geschäftswelt Liverpools zu erkämpfen. Doch noch ahnt James Onedin nicht, dass ihm der schwerste Kampf seines Lebens noch bevorsteht - seine Frau Anne hat sich in den Kopf gesetzt, seine Liebe und seine Achtung zu gewinnen und überrascht ihn und den wenig begeisterten Maat Baines mit der Nachricht, dass sie an seiner Seite an Deck der Charlotte Rhodes über die Ozeane segeln wird. Und so sticht bald ein anderer Schoner als Flagschiff der Onedin-Linie in See. Und an ihrem Bug prangt der stolze Name "Anne Onedin"...

 

Robert und James Onedin

Insgesamt 91 Episoden wurden von der BBC produziert. Mehr als 80 davon liefen im Vorabendprogramm der ARD. In den 80er Jahren wurde die Serie letztmalig komplett nachmittags in den Dritten Programmen wiederholt. Auch bei dieser Serie wurden in der deutschen Fassung einige Änderungen vorgenommen, deren Sinn dem Zuschauer wohl verborgen bleiben wird: "Elizabeth" Onedin hieß bei uns "Isabel" (dabei sah sie so spanisch aus wie Susan Stahnke), und "Albert Frazer", ihr Galan, wurde zu "Elmer Frazer" (wieso Elmer schöner klingen soll als Albert... ich hab es nie herausgefunden). Schauspielerisch wurde einiges geboten (wobei man in der Originalfassung den Eindruck gewinnt, dass die Darsteller allesamt verlernt hatten, sich in normaler Lautstärke zu unterhalten - denn dort schreit man sich fast permanent an...), und die Dramaturgie hätte den Verdacht aufkommen lassen können, dass sich die Drehbuchautoren von "Dallas" und "Denver-Clan" nach England verirrt hatten.

 

Besonders beeindruckend aber war die Eingangssequenz mit der wundervollen Titelmusik, die seither unzähligen Eiskunstlaufturnieren als Kür-Musik gedient hat: Es ist das Thema des Balletts "Spartacus" von Avram Khachaturyan.

Für mich gehört "Die Onedin-Linie" zu einer Reihe britischer Produktionen, die ich schätzen gelernt habe und die mit "Der Doktor und das liebe Vieh" ihren vorläufigen Höhepunkt erfuhr. Nicht vergessen werden soll und darf meine wohl liebste britische Serie aus dieser Fernsehperiode, die hier unbedingt erwähnt werden muss: "Task Force Police". Aber das ist eine andere Geschichte...

Hier nun noch die wichtigsten Rollen bei "Die Onedin-Linie" und ihre Besetzung:

James Onedin - Peter Gilmore
Anne Onedin - Anne Stallybrass
Callon - Edward Chapman
Robert Onedin - Brian Rawlinson
Sarah Onedin - Mary Webster
Isabel ("Elizabeth") Onedin - Jessica Benton  
Captain Webster - James Hayter
Elmer ("Albert") Frazer - Philip Bond
Daniel Fogarty - Michael Billington

Baines - Howard Lang
 

 

 

Und was ist aus ihnen geworden?

Peter Gilmore (James Onedin), der übrigens in Leipzig geboren wurde, spielte bis Mitte der 90er Jahre in verschiedenen Miniserien wie "Die Manions in Amerika" oder "Jack Higgins - On dangerous ground" und ist immer noch auf Theaterbühnen zu sehen.

Ebenso ergeht es Anne Stallybrass, die "Anne Onedin" spielt. Sie war zuletzt in einer Produktion aus dem Jahre 2002 zu sehen. Um Jessica Benton, die "Elizabeth/Isabel" ist es ruhig geworden. Sie drehte Ende der 70er Jahre mit "Thomas & Sarah" eine Art Ableger vom "Haus am Eaton Place". Brian Rawlinson (Robert Onedin) und Jill Gascoine (Letty Gaunt-Onedin) tauchen auch immer mal wieder auf britischen Bühnen und vor den Fernsehkameras auf, wobei Miss Gascoine es nicht versäumte, in einer britischen Erotik-Komödie zu zeigen, was sie uns und James Onedin züchtig unter dem Korsett verborgen hatte. Und Howard Lang, der tapfere Mister Baines? Er verstarb leider bereits im Jahre 1989 und dürfte jetzt, wenn man den irischen Volksweisen Glauben schenken darf, in "Fiddler's Green" sitzen, seinen Rum schlürfen und auf uns herabschauen...

Übrigens: was Pete nicht erwähnt hat und was ich bei Mathias auf seiner Onedin-Linie-Seite nachlesen konnte: Peter Gilmore und Anne Stallybrass sind im richtigen Leben verheiratet - seit 1977 leben sie zusammen, 1987 haben sie geheiratet. So ging es wenigstens im richtigen Leben gut für sie aus...

Die Onedin-Linie ist komplett auf DVD erschienen, sowohl in Einzelboxen als auch als Gesamtbox. Da einzelne Boxen mitunter recht teuer sind, ist die Gesamtbox momentan am interessantesten für Fans. Wenn Ihr nur bestimmte Boxen sucht, könnt Ihr das unter dem u. a. Link, der zu Amazon führt, natürlich tun. Bestellen könnt Ihr aber auch bei jedem anderen Händler, z. B. bei :

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