Zwei Jahre Ferien

(von Sabine)

Der Vierteiler "Zwei Jahre Ferien" wurde im Dezember 1974 zum ersten Mal gezeigt. Für mich war es mein erster Vierteiler, denn 1974 war ich neun Jahre alt. Die spannende Geschichte hat mich von Anfang an fasziniert. Nach den Weihnachtsferien haben meine Freunde und ich angefangen, den Vierteiler nachzuspielen. Alle hatten ihn gesehen. Wir haben Monate damit zugebracht.

Der Vierteiler wurde drei Jahre später wiederholt, wieder an Weihnachten. Diesmal war ich noch aufgeregter. Ich erinnere mich, dass ich dachte: oh – zwei Teile sind schon vorbei. Aber oh – zwei kommen noch.

Das Buch von Jules Verne war Nummer 1 auf meinem Wunschzettel. Aber wie war ich enttäuscht, denn Buch und Verfilmung sind doch so verschieden. Eine Schulfreundin hatte das Hörspiel und ich hab's mir geliehen. Wieder war ich enttäuscht, denn die Kassette ähnelte dem Buch. Trotzdem habe ich jeden Satz abgeschrieben.

Ich habe in der Bücherei jedes Abenteuer– und Piraten-Buch gelesen, was ich in die Finger bekommen konnte, lieh mir Fachbücher zu Segelschiffen und lernte die Fachbegriffe auswendig, besonders die zur Takelage.

Im folgenden Sommer wurde ich Mitglied in unserer Schul-Theatergruppe. Die Gruppe suchte nach einem neuen Stück und eines Tages fragten mich zwei Mädels (es war eine Mädchenschule): "Du magst doch 'Zwei Jahre Ferien', oder? Du schreibst gute Aufsätze, willst du nicht so was Ähnliches für uns schreiben?“

Natürlich war das lächerlich, aber ich war dreizehn Jahre alt und fühlte mich geschmeichelt. Unserem Lehrer gefiel die Idee überhaupt nicht und er gab uns was anderes (Antigone, glaube ich mich zu erinnern).

 

 

Aber diese Episode brachte mich dazu, schreiben zu wollen. Heute würde man das Fan-Fiction nennen. Ich schrieb also nicht für unsere Theatergruppe, sondern für mich ganz allein. Ich stellte mir mich und meine Freundinnen auf einer Seereise vor, die in einen Hurrikan geraten. Ein Schiff voller Mädels, grauenvoll. Meine beste Freundin konnte gut zeichnen und sie machte mir ein paar Illustrationen. Aber die Karte, die bastelte ich selbst aus Butterbrotpapier mit Tusche, knüllte sie zusammen und zündete die Ecken an. Verwegen sah sie aus (oder besser - sieht sie aus, denn ich habe sie noch, ganz vergilbt, richtig echt).  

Die Jahre vergingen. Schulabschluss, erste Liebe, Studium (Fakten statt Fantasie), zweite Liebe, Uniabschluss, erster Job… Aber jedes Jahr an Weihnachten suchte ich in den Programmzeitschriften nach einer Wiederholung und jedes Jahr wurde ich enttäuscht. Keine Wiederholung. Der Vierteiler wurde zu einer blassen Erinnerung, aber nie vergessen.

 

Weihnachten 1991. Ich traute meinen Augen nicht. Da war es: "Zwei Jahre Ferien". Ich kaufte mehrere VHS-Cassetten und war einfach nur glücklich. Mein Freund konnte nicht verstehen, warum ich die Serie auf zwei Videorekordern aufnehmen wollte. ("Sieh mal, ich muss zwei Kopien haben, denn man weiß ja nie – ein Band könnte seinen Geist aufgeben." – "Du bist verrückt" – "Mach dir nichts draus"). Dann gab es Streit, weil er mich am Tage der Ausstrahlung des ersten Teils zu einem Besuch seiner Oma schleppen wollte. ("Du nimmst es doch auf. Du kannst es dir ansehen, wann immer du willst. Das ist der Sinn einer Aufnahme." – "Ich möchte es JETZT sehen").

Ich war so neugierig, denn wie oft ist es so, dass man Dinge aus seiner Kindheit wiedersieht und sie nur noch schal und blass daherkommen. Ich wollte nicht, dass das passiert, denn die Kindheitserinnerung war mir irgendwie heilig. Aber alles war gut. Als das Titellied anfing, bekam ich eine Gänsehaut und die Erinnerungen kamen zurück. Ich kuschelte mich in die Couch und war einfach nur glücklich. Übrigens – mein Freund ging seine Oma ohne mich besuchen. Er hat den Vierteiler nie gesehen. Aus Prinzip nicht. Aber das ist eine andere Geschichte. 

1991 entdeckte ich, dass der Vierteiler in Rumänien gedreht wurde und dass einige Schauspieler Rumänen waren. Diesmal las ich keine Abenteuerbücher, sondern Bücher über Neuseeland und Rumänien. Es war eine aufregende Zeit, denn der eiserne Vorgang war auf und der Ostblock Geschichte. Ich nahm mir vor, irgendwann ins Donaudelta zu fahren. 

Was noch? 1999 wurde ein Buch veröffentlicht, das Hintergrundinformationen, Bilder und Interviews zu den Vierteilern enthielt. Ich hab's mir bestellt und noch in der Buchhandlung aufgerissen, mich auf eine Treppe gesetzt und mit heißen Ohren das Kapitel "Zwei Jahre Ferien" gesucht. 

2003 kaufte ich meinen PC und ging online. Das erste, was ich in Google suchte war "Zwei Jahre Ferien". Ich entdeckte, dass ich nicht die einzige bin, die sich an den Vierteiler erinnert. Als ich sah, dass es die französische Version auf DVD gibt, habe ich keine Sekunde gezögert. Es war ein Erlebnis der besonderen Art, die vertrauten Szenen plötzlich anders geschnitten zu sehen, eine andere Synchro zu hören und einen völlig anderen Schluss.

 

 

 

Einige der Bilder stammen aus der französischen Fassung, Sabine hat mir hier auch die Fotos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an Dich! - Wer sich selbst ein Urteil bilden will - die DVD ist erschienen, u. a. bei Amazon, aber auch bei :

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Wer Sabine schreiben möchte, kann dies gerne tun:

Wer sich für das Buch und die französische Fernsehfassung interessiert, kann ab sofort auch Sabines Ausführungen hierzu lesen - auf der Seite "Deux ans de vacances" bleibt hoffentlich keine Frage offen!

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