WM 1974

02.06.11

von Carsten "Kaschi"

Die Vorbereitung


Freundschaftsspiel 1973 BRD - Argentinien 2:3
Das EM-Team ist auseinander gefallen.
Der zurückgekehrte Overath spielt schwach,
wie das ganze Team.

Mit einem Heimspiel gegen Argentinien begann 1973 die Phase der WM-Vorbereitung. Die Qualifikation entfiel ja für den Gastgeber, was hier und da durchaus als Nachteil gesehen wurde. Knapp zwei Jahre lang nur Freundschaftsspiele – ob da nicht der Schlendrian Einzug halten würde ins Nationalteam? Und richtig – gegen das damals nicht überragende Argentinien gab es mit einer stark veränderten Mannschaft eine blamable 2:3-Heimniederlage, nach 0:3-Rückstand! Insbesondere Overath, für Netzer im zentralen Mittelfeld eingesetzt, enttäuschte. Die Frage, wer von beiden die Mannschaft antreiben sollte, beschäftigte die Fußballfans fortan unentwegt, bis zum WM-Turnier. Dabei war klar: wenn Overath die Regie übernehmen sollte, dann gehörte auch der Kölner Flohe ins Team, eventuell auch noch der Newcomer Bernd Cullmann. Wenn Netzer auflaufen sollte, dann auch die Gladbacher "Hacki" Wimmer und Jupp Heynckes, vielleicht auch Horst Köppel, Rainer Bonhof oder Dietmar Danner. Netzer allerdings war im Verein keineswegs mehr in Bestform, bedingt auch durch Verletzungen.

Das Jahr 1973 und das erste Halbjahr 1974 brachten regelrechte Wechselbäder bei den zahlreichen Freundschaftsspielen. Klare Heimsiege gegen die Tschechoslowakei, gegen Bulgarien, Österreich und Ungarn wechselten mit mühsamen "Arbeitssiegen" in der  Sowjetunion, zu Hause gegen Frankreich, Spanien, Schottland und Schweden, oder mit mehr oder weniger glücklichen Unentschieden in Schottland und in Italien oder gar mit Pleiten gegen Jugoslawien, Brasilien sowie in Spanien.

 

 Dabei erweiterte sich die Frage "Netzer oder Overath" bzw. "Netzer und Overath" um die Variante "weder Netzer noch Overath"! Schließlich hatte das Team von Bundestrainer Helmut Schön kurz vor Turnierbeginn in den Heimspielen gegen Schottland und Ungarn ohne die beiden Stars gewonnen, gegen die Magyaren gar mit einem begeisternden 5:0! Es wurde darüber diskutiert, ob die sogenannten "Adjutanten" Wimmer, Flohe, Bonhof, Uli Hoeness sowie Grabowski und Hölzenbein vielleicht befreiter, selbstbewusster aufspielen würden ohne die Führungsfiguren Overath und Netzer, die sich zudem beide nicht in Höchstform befanden. Die "Fußballwoche" machte sich für diese Variante besonders stark. Hinzu kam, dass Günter Netzer der regelmäßigen Beobachtung in der Bundesliga entzogen war. Im Sommer 1973, nach dem denkwürdigen Pokalfinale gegen den 1.FC Köln (mit dem Krach mit Trainer Weisweiler, der Selbsteinwechslung und seinem entscheidenden Tor in der Verlängerung), war Netzer zu Real Madrid gewechselt.

Meine persönliche Hauptfrage bei der Nationalmannschaft war allerdings immer, ob der einzige Werderaner, Horst-Dieter Höttges, seinen Stammplatz als Außenverteidiger würde behaupten können. Paul Breitner wurde immer stärker, vor allem auch in der Offensive, und Berti Vogts fand nach seiner Verletzungspause wieder zu alter Form zurück. Dennoch spielte Höttges bis zum Frühjahr 1974 fast durchweg hinten rechts. Erst in den letzten Spielen landete er auf der Reservebank. Mir schwante nichts Gutes! Schön hielt sich allerdings bedeckt in der Außenverteidigerfrage, genauso wie beim zentralen Mittelfeld. Er sagte stets, wir sollten froh sein, so viele erstklassige Spieler zu haben.


Training der Nationalmannschaft um 1973 oder 1974
Overath und Netzer? Overath oder Netzer?
Gar weder Overath noch Netzer?

 


Carmen Thomas

Böses schwante auch der ersten weiblichen Moderatorin Carmen Thomas, als sie zu Beginn ihres ersten Auftrittes im Aktuellen Sport-Studio die BILD-Zeitung des nächsten Tages in die Kamera hielt, in der bereits mit großen Lettern ihr Verriss zu lesen war. Die Volksseele kochte dann so richtig, als sie was von „Schalke 05“ erzählte. Sie selber hat später gemeint, dass dieser legendäre Lapsus keineswegs der Grund ihres schnellen Ausscheidens gewesen sei. Mir gefiel sie als Moderatorin auch nicht besonders – aber nicht wegen ihres Geschlechts. Sie vermittelte mir stets, dass sie sich für die sportlichen Themen, die sie moderierte, eigentlich nicht sonderlich interessierte.

Da waren die zumeist aufgeregten Radioreporter der Bundesliga-Schlusskonferenz am Samstag nachmittag doch von einem ganz anderen Kaliber! Jochen Hageleit, Armin Hauffe, Kurt Brumme, Sammy Drechsel, Gerd Million, Günther Isenbügel, Carl-Alfred Weiss, Heribert Faßbender, Kurt Emmerich, Helmuth Poppen – wenn sie hektisch durcheinander plapperten und die Zuschauer pfiffen und brüllten, war man beinahe selbst dabei, soviel Atmosphäre kam (und kommt heute immer noch) rüber: "Ein langweiliger Kick hier im Duisburger … Tor in Bremen! … Wedaustadion. Beide Mannschaften tun nur noch … Tor in Bremen! … das Nötigste und warten, bis … Ich höre gerade, Manni Breuckmann, wir geben zum Verkehrsfunk, eine wichtige Nachricht!"

 
 


Jochen Hageleit


Armin Hauffe


Kurt Brumme


Sammy Drechsel


Kurt Emmerich


Helmut Poppen

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