Was Hamlet und Peet Gynt mit Yao verbindet ...

Der Häuptling  der Herren des Donners nimmt ihn in seiner Mitte auf, gibt ihm seine Tochter zur Frau und überhäuft Yao mit Ehrungen. Wieder scheint Yaos Glück ungetrübt, aber er hat Heimweh und ist noch immer von der Rache am Mörder seines Vaters besessen. Der Häüptling schickt ihn mit Dioridam und einigen Reitern zurück in sein Dorf, wo er aber gerade zur Beerdigung Zakoros angelangt. Seine Rachegelüste verfliegen in der Abendsonne über der Savanne und auch Elloa, die sich reumütig zeigt, nimmt er mit einem Lächeln der kommenden Häuptlingsgüte wieder in sein Herz auf. Schließlich hat sie ihm in seiner Abwesenheit auch noch einen kleinen Thronfolger geboren, den ihm seine Mutter stolz entgegenstreckt. Der Kleine lacht und die Schlussmusik setzt ein.

Dieser etwas zu kitschige Schluss ist vielleicht das einzige Manko einer ansonsten wunderbar inszenierten Geschichte des französischen Regisseurs Claude Vermorel. Allerdings ist die Idee, den erwarteten Showdown durch den unerwarteten, nicht weiter erklärten Tod Zakoros einfach ausfallen zu lassen, ein durchaus schöner Coup de théatre.

 

 

Überhaupt erinnert das gesamte Szenario der   Serie "Yao" an ein Theaterstück aus der Feder des großen William Shakespeare. Schon die Ausgangssituation dieses schwarzafrikanischen Westerns zeigt Parallelen zu Hamlet, dessen Vater von seinem Onkel getötet wird, der dann die ahnungslose Mutter des Dänenprinzen heiratet. Und auch Yao ist ein junger Prinz, der zunächst wie der Schotte Macbeth sich vom Zauber der Geister leiten lassen wird und fast an der Machtgier und Verschlagenheit seiner Lady Elloa Macbeth scheitert, bevor er endlich seinen Sommernachtstraum erfüllt bekommt und in den Wäldern von Pau-Puck geleitet die richtige Frau fürs Leben finden wird.

Die Geschichte Yaos ist ruhig erzählt, der Hauptdarsteller Francois Bogui, übrigens der einzige Profischauspieler im Team, und seine Mitstreiter, gecastet aus Laiendarstellern von der Elfenbeinküste, spielen ihre Rollen überzeugend, allen voran die vier Frauen in Yaos Leben.

 

 

Meist hören wir die Erzählerstimme Yaos, der uns über sein Geschick und seine Gefühle auf dem Laufenden hält. Ab und an sprechen die Menschen auch miteinander und Yao versteht auch die Sprache im Dorf der Fischer, nicht aber die der Herren des Donners. Diese Sprache muss Yao erst lernen.

Neben dem bösen Zakoro spielen 4 Frauen die Hauptrollen in Yaos Leben: Seine Mutter, Elloa und die zwei Häuptlingstöchter, die im Laufe der Serie Yaos Herz erobern. Dabei zeigt sich vor allem die listige Elloa sehr wandlungsfähig, und die Begegnungen und das Zusammensein Yaos mit den Schönen werden von der Regie immer mit einer Prise versteckter Erotik versehen. Sehr schön ist nach der Erkenntnis von Elloas Verrat Yaos Ausspruch "Du kannst dem tödlichen Tiger und der giftigen Schlange eher trauen als der Heimtücke der Weiber!" Diesem, nicht gerade einem progressiven Frauenbild folgenden Ausspruch, stehen in der Serie Gedanken an ein friedvolles Zusammenleben und demokratische Verhaltensweisen und Sitten vor allem im Dorf der Fischer positiv entgegen. Yaos Grundgedanken sind immer von einem  Miteinander und  gegenseitigem sich-Helfen geprägt.

 

 

Auch tötet der junge Held nur in äußerster Notwehr oder wenn es gilt, andere, unschuldige Menschen zu retten. Der europäische Geist von 1968 weht hier sanft durch den Urwald!

Weiße Menschen tauchen in diesem Afrika vor vielen, vielen Jahren, wie es im Vorspann heißt, nicht auf und sind nur durch die Feuerwaffen der Herren des Donners in ihren weißen Beduinenkleidern präsent. Yaos Dorf mitten im Dschungel ist die Keimzelle seiner Welt, die er über den Fluss in Richtung Dorf der Fischer verlässt, wo ihm ein neuer Horizont erwächst. Das Problem mit der armen, von Yao verlassenen  Dagba, löst sich in der letzten Folge, da bei der Rückkehr ins Dorf der Fischer ihr Vater und ihre Brüder trauern, weil der Gott des Flusses sie zu sich genommen hat. Nach Lage der Dinge wohl ein Krokodil. Allerdings hatte ich beim Zusehen nicht den Eindruck, dass Yao nach dem Beginn seiner neuen Liebe  zu ihr zurückgekehrt wäre. Und auch Finta  lässt er scheinbar am Ende für Elloa alleine zurück. Und wiederum erinnert mich Yao an eine Theaterfigur, an Peer Gynt, der nach vielen ruhelosen Jahren zu seiner Jugendliebe Solveig nach Hause zurückkehrt und seinen Frieden findet.

 

 

Vielleicht mochte ich diese Theateraffinität damals schon bei "Yao", die sich mir heute als Erwachsenem erschließt. Meine Kinder, ein Junge von 9 Jahren und zwei Mädchen von 7 und 4 Jahren, habe ich die ersten 4 Folgen mitgucken lassen. Die Mädchen fanden es eher langweilig, der Junge toll. Das kann am Alter liegen, aber vielleicht einfach auch an der Tatsache, dass der Titelheld ein junger Mann ist, der wilde Abenteuer in der Wildnis Afrikas erlebt. Vielleicht ist auch dies ein abgedroschenes Klischee, aber "Yao" ruft zumindest bei mir alte Abenteuerlust und Erinnerungen an meine Zeit bei den Pfadfindern hervor.

Das Wiedersehen mit "Yao" ist nach fast 40 Jahren sehr, sehr schön, und wenn  nun die Abspannmusik mit ihren sanften afrikanischen Klängen sich in die letzten Zeilen meines Textes hineinschleicht, kann ich kaum glauben, dass soviel Zeit seit unserer letzten Begegnung vergangen sein soll.

 

Hier enden Klaus-Dieters Ausführungen zu "Yao", vielen Dank hierfür - und die etwas andere Sichtweise, die sich wahrscheinlich nicht jedem so erschlossen hätte.  Ich möchte zu "Yao" noch bemerken, dass ich diese Serie erst in der Wiederholung in den 80ern wahrgenommen habe (da viele sie erstmals in den 70ern gesehen haben, habe ich mich dazu entschlossen, sie in die 70er zu stellen - also bitte nicht wundern!). Mein Bruder Thomas hat "Yao" oft und gern gesehen und saß immer ganz versunken vor dem Bildschirm - ich fand es eher langweilig. Als ich die Bilder für diese Seite erstellte, konnte ich jedoch ansatzweise nachvollziehen, was ihn - und Klaus-Dieter - an der Serie fasziniert hat.

Wenn Ihr das auch nachvollziehen wollt, habt Ihr die Gelegenheit dazu, denn "Yao" ist am 9. Mai 2014 auf DVD erschienen!
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